Montag, 14. Juli 2008 / 12:22 Uhr
München - Die Kandidaten für die Kapitäns-Binde stehen Schlange, aber Jürgen Klinsmann mauert noch. Erst «kurz vor dem Saisonstart» will der neue Trainer des FC Bayern München das Geheimnis lüften, wer beim deutschen Fußball-Meister die Nachfolge von Oliver Kahn antreten darf.
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Von den favorisierten Philipp Lahm und Lucio über Weltmeister Luca Toni, Publikumsliebling Franck Ribéry, Mark van Bommel, Martin Demichelis bis hin zu WM-Torschützenkönig Miroslav Klose und dem einst designierten Kahn-Nachfolger Willy Sagnol reicht die Namensliste, über die in München diskutiert wird.
Beim 7:1-Sieg im ersten Testspiel beim SV Lippstadt 08 führte van Bommel die Klinsmann-Bayern aufs Feld, aber das war höchstens ein Indiz dafür, dass der Mittelfeldspieler ein Kandidat ist. Die EM-Urlauber wie Lahm oder Toni fehlten noch, und auch Klinsmann bekräftigte: «Mit der Kapitäns-Frage lassen wir uns Zeit.»
Franz Beckenbauer hat ein ganz persönliches Anforderungsprofil benannt: «Es muss ein richtiger Kerl sein», erklärte der Präsident, der von 1970 bis 1977 selbst die Binde beim Rekordmeister trug. Der Nachfolger von «Titan» Kahn müsse nicht nur im eigenen Team als Anführer akzeptiert sein, meinte Beckenbauer, sondern er soll auch den Gegnern auf dem Spielfeld Respekt einflößen können.
Beckenbauer, Maier, Breitner, Rummenigge, Augenthaler, Matthäus, Effenberg, Kahn - die erst 13 Namen umfassende Kapitäns-Liste in der 43-jährigen Bundesliga-Geschichte des Rekordmeisters ist äußerst prominent. Dem großen Reformer Klinsmann wäre es zuzutrauen, dass er beim FC Bayern auch beim Kapitäns-Amt absolutes Neuland betritt und erstmals einen ausländischen Spieler zum Spielführer ernennt.
Auch als Bundestrainer setzte Klinsmann mit der Wahl seines Kapitäns im Sommer 2004 gleich ein deutliches Zeichen, als er vor seinem ersten Länderspiel in Österreich (3:1) Oliver Kahn absetzte und Michael Ballack die Binde gab. Ballack war als Stammspieler unumstritten, dagegen hetzte Klinsmann damals Kahn in den Torhüter- Wettstreit mit Jens Lehmann, der Kahns Position im Team schwächte.
Vor diesem Hintergrund scheint es wahrscheinlich, dass auch beim FC Bayern für Klinsmann nur ein gesetzter Leistungsträger infrage kommt, wie zum Beispiel Lahm. Der Nationalspieler und gebürtige Münchner ist zwar erst 24 Jahre alt und mit seiner Größe von nur 1,70 Meter schmächtig von Statur, aber er ist zu einer Persönlichkeit gereift und auch innerhalb der Mannschaft sehr angesehen. Und der Verteidiger hat sein Interesse auch bereits in aller Öffentlichkeit deutlich bekundet: «Ich fühle mich reif für diese Aufgabe.»
Für Weltmeister Toni («Das entscheidet allein der Trainer») oder Vize-Weltmeister Ribéry würden zwar die sportliche Klasse und das internationale Ansehen sprechen, aber nicht ihre geringen Deutsch- Kenntnisse. Leader-Qualitäten hat definitiv der Niederländer van Bommel, der auch gerne mit den Schiedsrichtern diskutiert.
Versprochen hatte der Bayern-Vorstand einst Sagnol die Kahn- Nachfolge. «Ich bin am längsten bei Bayern», betonte der seit acht Jahren in München spielende Franzose. Er ist nach Kahns Rücktritt der einzige verbliebene Champions-League-Sieger von 2001 im Kader. Der Verteidiger muss sich aber erst wieder einen Stammplatz erkämpfen. «Ich will über das Thema nicht mehr reden. Das ist eine Frage an den Trainer und den Vorstand», sagte Sagnol zur brisanten K-Frage.
dpa
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