Donnerstag, 17. Juli 2008 / 12:38 Uhr
Frankfurt/Main - Es scheint zwei Wahrheiten zu geben über Südafrikas Vermögen, 2010 die Fußball-Weltmeisterschaft auszurichten.
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Die eine hat FIFA-Präsident Joseph Blatter jüngst mit seiner Aussagen deutlich gemacht, es gäbe einen Plan B mit drei Ländern, «die innerhalb eines Jahres in der Lage sind, eine WM auszurichten».
Die andere wird von Horst R. Schmidt verkörpert. «Es ist keine Berechtigung vorhanden, am positiven Verlauf der Vorbereitungen zu zweifeln», sagt jener Mann, der vor knapp zwei Jahren von Blatter den südafrikanischen Organisatoren als FIFA-Berater zur Seite gestellt wurde. Zuvor hatte Schmidt als eigentlicher Organisationschef der WM 2006 neben Franz Beckenbauer den größten Anteil am «Sommermärchen».
Schmidt war in der vergangenen Woche gerade auf seiner «15. oder 20. Stippvisite, so genau kann ich es nicht sagen», als Blatters Äußerungen im südlichen Afrika als Drohungen ankamen und ein kleines Erdbeben auslösten. «Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang seine Aussagen standen, ich glaube nicht, dass sie gezielt waren», sagt Schmidt und will dem FIFA-Chef berichten, dass die Vorbereitungen «einen positiven Verlauf» nehmen. Er jedenfalls sei «bestärkt» aus Südafrika zurückgekommen, und das will etwas heißen. Denn vor Monaten hatte er sich die Frage gestellt, ob seine Mission noch Sinn mache.
Nach Schmidts Einschätzung stoßen im Augenblick zwei Realitäten aufeinander. Die eine Realität ist die unverändert dramatische Sicherheitsproblematik, die Energieknappheit, die ausländerfeindlichen Attacken vor allem in den Townships und die Ungewissheit über die politische Zukunft des Landes. Dagegen steht die «Realität der Vorbereitung». Der Neubau von fünf Stadien und der Umbau von fünf Arenen komme insgesamt gut voran, ihre verkehrsmäßige Anbindung entwickele sich «sehr positiv». Bereitwillig sorge der Staat für die Finanzierung, auch wenn die Gesamtinvestitionen für das Prestigeobjekt WM nun auf über vier Milliarden Euro gesprungen sind.
Für die Sicherheit in den Zonen der WM liegen nach Einschätzung Schmidts «überzeugende Konzepte» vor, um sie «unter voller Kontrolle» zu halten. Das gelte auch für die Energieproblematik. Die Stadien und Medienzentren würden durch Backup-Generatoren abgesichert, durch Stromabschaltungen in fernen Regionen soll ausreichend Kapazität umgeleitet werden zu den neun WM-Städten. Damit soll auch ein Gau wie bei der Europameisterschaft verhindert werden, als die TV-Schirme weltweit beim Finale Deutschland - Spanien durch einen Stromausfall im Wiener Fernsehzentrum vorübergehend schwarz geblieben waren.
Schmidt stimmt Blatters Einschätzung zu, dass der Confederations Cup 2009 zum «Moment der Wahrheit» wird. Dann müsse sich in «vielen Teilbereichen» erweisen, was Pläne wert sind und wie es um Südafrikas Leistungsfähigkeit bestellt ist. Ob eine völlig misslungene Generalprobe Grund genug wäre, Südafrika die WM zu entziehen, ist eher unwahrscheinlich. Nicht nur wegen der dann in Südafrika bereits investierten Milliarden und der auch sonst weit fortgeschrittenen Vorbereitungen. Schon im Februar beginnt die erste globale Internet- Verkaufsaktion der rund drei Millionen Eintrittskarten.
Entscheidend würde der verbindliche Ausrichter-Vertrag zwischen der FIFA und Südafrika sein. Er sieht laut Organisationschef Danny Jordaan vor, «dass nur eine Naturkatastrophe ein Grund sein kann für eine WM-Verlegung». Experte Schmidt, der durch seine vielen Besuche am Kap «ein bisschen schon Südafrikaner geworden ist», sieht das ähnlich, «ohne die letzten Einzelheiten zu kennen». Und auch Blatter, der Initiator der ersten WM in Afrika, wird sich dann wieder als großer Pragmatiker erweisen. Irgendwie werden es die Südafrikaner schon hinkriegen. Sein Geschäft mit der WM bei drei Milliarden Euro garantierter Einnahmen, einer Milliarde mehr als bei der Deutschland- WM, ist längst in trockenen Tüchern.
dpa
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