Freitag, 18. Juli 2008 / 12:49 Uhr
München - Nach zwölf Jahren beim Erzrivalen Werder Bremen ist Tim Borowski mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit in die neue Bayern-Welt eingetaucht.
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Nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien hat der Fußball-Nationalspieler seine zwei Wochen Urlaub gleich zum Einleben mit der Familie im neuen Heim im Süden von München genutzt und schon an seinem ersten Arbeitstag beim deutschen Meister vom «Bayern-Gen» geredet: «Das spürt man von der ersten Minute an. Hier steht der Erfolg an erster Stelle», berichtete der 28-Jährige.
Dass er spätestens beim Oktoberfest - wie alle Bayern-Profis - in bayerischer Tracht auflaufen muss, kann den großen Blonden ebenfalls nicht schrecken: «Das wird irgendwann kommen, dass man in die Lederhose schlüpft. Ich denke, das wird mir stehen.» Am liebsten aber möchte der ablösefrei nach München gewechselte Mittelfeldspieler im roten Bayern-Trikot für Aufsehen sorgen - in Bundesliga, Pokal und Champions League. Den Konkurrenzkampf fürchtet er nicht: «Ich denke, es ist ein Vorteil von mir, dass ich flexibel einsetzbar bin.»
Beeindruckt war er vom neuen Leistungszentrum des FC Bayern. «Das ist alles viel moderner als in Bremen, wahrscheinlich ist es weltweit einmalig. Das ist ein guter Baustein, um hier erfolgreich zu sein.» Wenn er es sich im prominent besetzten Mittelfeld aussuchen könnte, «würde ich mir die zentrale Position wünschen», sagte der 33-malige Nationalspieler, der unter dem Bundestrainer Jürgen Klinsmann der Schattenmann von Michael Ballack war.
Die Rolle des Ersatzmannes soll ihm bei den Klinsmann-Bayern erspart bleiben, wie er beim Bezug auf DFB-Kapitän Ballack bemerkte: «Der Capitano spielt ja in Chelsea - und ich hier.» Ein «großer Bestandteil» im Luxus-Ensemble des FC Bayern möchte Borowski werden und mit seiner neuen Mannschaft die Erfolge der letzten Saison möglichst «toppen», wie er entschlossen ankündigte: «Ich will Titel holen, das war das Hauptargument für den Wechsel nach München.»
«Tim kann ein ganz großer Spieler werden. Er steht jetzt an einem entscheidenden Punkt in seiner Karriere», äußerte Klinsmann. In den vergangenen beiden Jahren plagte sich Borowski mit vielen Krankheiten und Verletzungen herum, auch vor der EM warf ihn ein Infekt in der Vorbereitung zurück. Bundestrainer Joachim Löw wechselte ihn nur zweimal ein, für insgesamt 19 Spielminuten. «Insofern war ich nicht ganz raus - und wir sind ins Finale gekommen», bilanzierte Borowski. Aber sein Blick geht nach vorne: «Ich fühle mich topfit.»
Gespannt sein darf man dennoch, auf welche Weise Borowski die Tradition der Nord-Süd-Transfers von Bremen nach München fortsetzt. Diese begann 1995 mit dem schnell gescheiterten Andreas Herzog und setzte sich über Mario Basler (1996), Claudio Pizarro (2001), Valérien Ismael (2005) bis hin zu Miroslav Klose (2007) und nun Borowski fort. Über den Umweg Borussia Dortmund machte auch Torsten Frings (2004) einst bei Bayern Station - aber nur für ein Jahr. Borowski hat beim Rekordmeister bis 2011 unterschrieben: «Ich wollte die Herausforderung.»
dpa
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