Mittwoch, 23. Juli 2008 / 10:54 Uhr
Hoffenheim - Die Rolle des Bundesliga-Exoten ist Aufsteiger 1899 Hoffenheim gerade Recht. Im ersten Jahr im Fußball-«Oberhaus» setzt der Aufsteiger lieber auf die Jugend als auf Erfahrung.
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«Auch wenn sich die ehemaligen Nationalspieler an den Kopf langen und uns raten, wir sollten erfahrene Profis verpflichten, vertrauen wir auf unsere Mannschaft. Sie wird mit Abstand die jüngste der Bundesliga sein», erklärte Chef-Coach Ralf Rangnick beim Trainingslager im österreichischen Leogang. «Wir werden unseren offensiven Fußball pflegen und haben bewusst mit Andreas Beck aus Stuttgart erst einen Neuzugang verpflichtet. Mein Gefühl sagt mir, dass wir den Klassenverbleib schaffen.»
Der 50 Jahre alte Fußballlehrer ist von seinem Konzept felsenfest überzeugt und sah sich durch den 3:1-Sieg im Testspiel gegen die Blackburn Rovers bestätigt. Hoffenheim spielte den letztjährigen Siebten der englischen Premiere-League an die Wand und hätte höher gewinnen können. Trotzdem oder gerade deswegen will der Club noch einen weiteren Stürmer verpflichten. Zumal der nigerianische Angreifer Chinedu Obasi in den ersten Pflichtspielen fehlen wird.
Der Bundesligist erteilte dem zwölfmaligen Torschützen der Vorsaison doch noch die Freigabe für Peking. «Der Druck auf Obasi und dessen Familie durch die Nigerianer war unerträglich groß. Es wäre verantwortungslos gewesen, anders zu entscheiden», erklärte Manager Jan Schindelmeiser. Als mögliche Neuzugänge werden die Angreifer Eren Derdiyok vom FC Basel, Rafael Sobis von Betis Sevilla und Robert Vittek vom 1. FC Nürnberg gehandelt. «Wir haben klare Vorstellungen», sagt Rangnick, «allerdings auch über die Höhe der Ablöse.»
Der Trainer widerspricht im gleichen Atemzug der allgemeinen Vorstellung, dass der Verein von Milliardär Dietmar Hopp jeden Preis zahlen kann und will. Um wilden Spekulationen vorzubeugen, nannte Rangnick den Etat des Neulings und bezifferte das Budget mit 23 Millionen Euro. «Damit liegen wir im unteren Drittel der Bundesliga», behauptet der Trainer, der aber nicht ausschließen will, dass der Verein aus dem 3300 Einwohner zählenden Ortsteil der baden-württembergischen Kreisstadt Sinsheim über kurz oder lang höhere Ambitionen hegt.
«Das liegt allein an Herrn Hopp. Er gibt das Tempo vor. Allerdings ist Dietmar Hopp kein Roman Abramowitsch», stellt Rangnick fest. Sein Trainervertrag läuft bis 2011 und auch er muss sich um seinen Job keine Sorge machen. Denn selbst im Falle des Abstiegs will Hopp sein Versprechen einlösen, dass der ehemalige Schalker Trainer seinen Arbeitsplatz behalten wird. Klar ist auch, dass 1899 Hoffenheim bei Lehre und Forschung nicht spart. Der Trainerstab wird immer umfangreicher. Mit zwei großen Bussen wurden die Gerätschaften zur Diagnostik und Behandlung nach Leogang in die Alpen transportiert.
Zur Führungsriege gehört weiter als Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung auch der frühere Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters. Wegen seiner Kritik an der deutschen Mannschaft während der Europameisterschaft verlor Peters seinen Platz im Kompetenzteam des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). «Zeitpunkt und Art der Kritik waren nicht glücklich. Doch offenbar wollte der DFB den Mann von Jürgen Klinsmann nicht unbedingt halten. In Hoffenheim wissen wir einen Querdenker wie Peters zu schätzen», betonte Rangnick.
dpa
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