Dienstag, 29. Juli 2008 / 13:23 Uhr
Berlin - Endlich Schluss mit Durchschnitt und Graue-Maus-Image - Hertha BSC will mit Hilfe einer neuen, jungen Spieler- Generation endlich wieder in ganz Deutschland Beachtung finden.
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«Wir müssen wieder mehr Sympathie ausstrahlen», forderte Club-Präsident Werner Gegenbauer knapp zwei Wochen vor dem scharfen Start in die Fußball-Saison 2009/10 in einem dpa-Gespräch. Durchschnittlich Platz 6,4 belegte Hertha in den vergangenen zehn Spielzeiten, zuletzt zweimal Rang 10. «Für einen, der mit seinem Herz an Hertha hängt, war es da schwer», gab Gegenbauer zu. Der Unternehmer aus der Dienstleistungs-Branche, seit zwei Monaten neuer Club-Boss, hat sich vor allem eine Image-Korrektur auf seine Fahnen geschrieben: «Mit Rang 9 bis 13 schreibt Hertha keine Geschichte.»
In Trainer Lucien Favre sieht Gegenbauer genau den richtigen Mann für das neue, frische Bild der «alten Dame» Hertha. «Favre schwärmt geradezu für die jungen Spieler. Er forciert es auch. Und das macht er nur, wenn er davon fest überzeugt ist», betonte der Präsident. Mit den erst 17 Jahre alten Lennart Hartmann und Shervin Radjabali-Fardi sowie den 18-jährigen Sascha Bigalke und Florian Riedel holte Favre nicht nur vier Hertha-Talente hoch in den Bundesliga-Kader, er gab den Jungs in den Saison-Tests auch viele Einsatzzeiten. «Die Vier haben ihre Chance wahrgenommen, sich sichtbar zu machen», sagte Gegenbauer, der um die Sensibilität des Kurses weiß. «Natürlich geht es um Ergebnisse, aber der Schlüssel liegt in attraktivem Fußball», meinte der Chef.
Genau das war in der Vergangenheit oft der Genickbrecher für Hertha, gerade im Pokal oder UEFA-Cup: «Wo es sichtbar wurde bundesweit, war es meist fürchterlich», sagte Gegenbauer. Jetzt gibt es nach dem 8:1 in der UEFA-Pokal-Qualifikation gegen Nistru Otaci - Rückspiel am Donnerstag in Moldawien - neue Hoffnung. «Frühere Hertha-Teams hätten spätestens nach dem 5:0 die Mittellinie nur noch zögerlich überschritten», verwies Gegenbauer auf den Spaß beim Fußball. «Das kann Herthas Image verändern», ergänzte er und forderte alle auf, «das zarte Pflänzchen der wiedergewonnenen Sympathie» zu pflegen. Sobald eine Leistung da sei, «die überdurchschnittlich ansehbar ist», werde auch die Zuschauerzahl wachsen.
Hertha habe aus den großen Problemen, die es vor zwei Jahren mit der Generation der Boateng-Brüder gab, gelernt. «Es war ein Jahrgang, der offensichtlich nicht beherrschbar war. Aber jetzt sind diese Probleme gelöst», bemerkte Gegenbauer mit Verweis auf die noch intensivere pädagogische Betreuung. «Die Bengel haben eine besondere Gabe: Sie können gut Fußball spielen. Sonst sind sie nicht anders als meine Glasreiniger-Lehrlinge.» Insgesamt sprach der Chef einer Gebäudereiniger-Firma von einem «Quantensprung» in der Jugendarbeit, der sich nun endlich auch mehr Sympathien - nicht nur in Berlin - bringen soll. «Es ist die Chance da, das gefestigt zu bekommen».
dpa
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