Donnerstag, 14. August 2008 / 13:53 Uhr
Gelsenkirchen - Normalerweise flitzt Lewan Kobiaschwili über den Rasen, in diesen Tagen sitzt er aber meist gebannt vor Fernseher und Radio.
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Denn jede freie Minute verfolgt der Mittelfeldspieler des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 aktuelle Meldungen über die Kriegszustände in seiner Heimat Georgien. Schlaflose Nächte haben ihm die Sorgen um Familie und Freunde in der georgischen Hauptstadt Tiflis bereitet. Unerträglich waren vor allem die Tage, an denen er seine Frau Tamara sowie die Kinder Nicka und Salome telefonisch nicht mehr erreichen konnte: Sie hatten in den Ferien Verwandte besucht. «Für Lewan ist es eine sehr schwere Situation», sagte Schalke-Manager Andreas Müller nach dem 1:0 über Atletico Madrid.
Auf einen Einsatz von «Kobi», wie der 31-Jährige von allen genannt wird, hatte der Club im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation verzichtet. «Er fühlt sich nicht in der Lage, Fußball zu spielen, darauf haben wir auch Rücksicht genommen», erklärte Müller. Das Spiel verfolgte der Kapitän der georgischen Nationalelf von der Bank aus, nur im «absoluten Notfall» hätte ihn Trainer Fred Rutten eingesetzt.
Erst als Frau und Kinder verspätet, aber wohlbehalten aus Georgien zurückgekehrt waren, konnte Kobiaschwili aufatmen,. Sohn Nicka besucht in Düsseldorf die internationale Schule. «Sie sind mit einer der letzten Maschinen aus Tiflis herausgekommen», sagte Müller. Vollends erleichtert ist der sympathische Georgier aber auch jetzt noch nicht: «Seine Eltern und Schwiegereltern sind noch dort», sagte Müller, «und in Tiflis herrscht die pure Panik.»
Vor allem die Berichte aus der 60 Kilometer von Tiflis entfernten Stadt Gori sorgten hierzulande für Aufregung. Von Plünderungen und geflohenen Einwohnern war die Rede. Inzwischen soll sich die Lage am Kaukasus etwas entspannt haben. Mit seinen Verwandten im Krisengebiet konnte der Profi erstmals am Mittwoch wieder telefonieren. «Seitdem bin ich beruhigter und kann besser schlafen», sagte Kobiaschwili.
Für den seit vielen Jahren in Deutschland lebenden Spieler, der vor dem Wechsel ins Ruhrgebiet beim SC Freiburg (1998 - 2003) aktiv war, spielt Georgien noch immer eine wichtige Rolle im Leben. 73 Länderspiele hat er für sein Land bestritten. Mit dem Titel Georgiens «Fußballer des Jahres» wurde er gleich zweimal ausgezeichnet (2000, 2005). Auch im Urlaub zieht es den 31-Jährigen immer wieder in die Heimat zu seinen Eltern. Ihnen und seiner Frau habe er am meisten zu verdanken, erklärte Kobiaschwili. «Sie haben mich immer unterstützt.»
dpa
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