Samstag, 30. August 2008 / 20:29 Uhr
Karlsruhe - In solchen Schreckmomenten rückt der Fußball in den Hintergrund. Der Zusammenbruch von Kölns Kapitän Ümit Özat beim 2:0 (0:0)-Erfolg der Rheinländer beim Karlsruher SC lief am Ende glimpflich ab - doch er versetzte Spielern, Trainern und Zuschauern einen Schock.
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Inzwischen können sie wieder durchatmen. «Es geht mit wieder gut», sagte der 31-Jährige. Nachdem er die Nacht in einem Karlsruher Krankenhaus verbrachte, reiste er nach einer abschließenden Untersuchung bereits zurück nach Köln. Wahrscheinlich habe der Türke einen Kreislaufkollaps erlitten, teilte der FC auf seiner Internetseite mit. «Es könnte sein, dass Ümit zu wenig gegessen oder getrunken hat», sagte Mannschaftsarzt Paul Klein.
Özats Zustand ist stabil. In Köln soll er dennoch weiter intensiv medizinisch betreut und untersucht werden, «um auch das Unwahrscheinlichste auszuschließen», sagte FC-Mannschaftsarzt Jürgen Böhle. Er könne aber wahrscheinlich schon nächste Woche wieder trainieren. «Ich will so schnell wie möglich wieder Fußball spielen, aber die Gesundheit geht jetzt erst einmal vor», sagte Özat den Journalisten vor seinem Haus.
In der 27. Spielminute sehen 29 308 Zuschauern wie Abwehrspieler Özat plötzlich taumelt und ohne Einwirkung eines Gegenspielers bewusstlos zusammensackt. Die Spieler gestikulieren panisch, Ärzte und Sanitäter eilen herbei. «Er lag völlig leblos am Boden. Der Puls kam nur ganz kurz, dann war er wieder weg», schilderte KSC-Mannschaftsarzt Marcus Schweizer später die Situation. Der Türke befindet sich vorübergehend in einem lebensbedrohlichen Zustand, Wiederbelebungsmaßnahmen werden angewendet.
Trainer Christoph Daum standen Tränen in den Augen, der kolumbianische FC-Torwart Fary Mondragon weinte hemmungslos. «Sein Gesicht, seine Augen haben mich das Schlimmste befürchten lassen», sagte der Keeper. Es folgten bange Minuten, bis der Stadionsprecher Entwarnung gab und das Spiel fortgesetzt wurde. Der Zwischenfall weckt Erinnerungen an die plötzlichen Herztode von Mariano Puerta (FC Sevilla) und den Kameruner Nationalspieler Marc- Vievien Foé.
«Hier geht es auch um Menschen, hier geht es nicht nur um Punkte und Siege», erklärte ein aufgewühlter Daum. Der Kollaps von Özat nahm den 54- Jährigen sichtlich mit. «Er bezeichnet mich immer wieder als seinen Vater», beschrieb Daum sein Verhältnis zu seinem Spieler, den er schon zwei Jahre bei Fenerbahce Istanbul trainierte.
Nach Spielende fuhr Daum ins Städtische Klinikum in Karlsruhe, um Özat zu sehen. «Im Krankenhaus habe ich wieder den Kämpfer Ümit gesehen, der am liebsten aus dem Bett springen möchte und zurück aufs Spielfeld will. Er war mehr bei seinem FC als bei seinem Gesundheitszustand.» Özat wolle so schnell wie möglich wieder Fußball spielen.
Seine Mitspieler kämpften für ihren Kapitän auf dem Platz. «Das hat uns noch ein bisschen mehr Kraft gegeben», sagte Milivoje Novakovic. Der slowenische Torjäger mit seinem dritten Saisontreffer (72.) und der Rumäne Sergiu Radu (84.) sicherten dem Aufsteiger den ersten Saisonsieg und den ersten «Dreier» in der Bundesliga seit dem 13. Mai 2006.
KSC-Trainer Edmund Becker wirkte nach dem schwachen Auftritt seiner Mannschaft, die sich viele Fehlpässe leistete, unzufrieden und ratlos: «Man sollte von unserer Seite aus nicht so viel in den Zwischenfall hineininterpretieren. Wir waren auch davor nicht präsent», sagte der 52-Jährige nach der zweiten Saisonpleite der Badener.
dpa
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