Donnerstag, 4. September 2008 / 09:50 Uhr
Frankfurt/Main - «Großer Bahnhof» für «Glücksfall» Heribert Bruchhagen: Zum 60. Geburtstag des Vorstandschefs des Bundesligisten Eintracht Frankfurt kommt Deutschlands Fußball-Führungsriege und Prominenz aus Politik und Wirtschaft zum Gratulationsdefilee in die Commerzbank-Arena.
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Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist ebenso dabei wie der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), Reinhard Rauball. Auch Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß, der mit Bruchhagen manch verbalen Strauß ausgefochten hat, will persönlich gratulieren. Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat sich für die Laudation angesagt.
Heribert Bruchhagen steht in der Commerzbank-Arena in Frankfurt auf der Tribüne des Bundesligisten.
«Auf die Gästeliste hatte ich nicht so viel Einfluss. Der Verein hat ja zum Empfang eingeladen», sagt Bruchhagen. Immerhin, und darüber freut sich der «Neu-60er» besonders, gelang es, Freunde aus seiner Studienzeit in Münster und alte Weggefährte auf die Gästeliste zu setzen. Erst am Abend wird es für Bruchhagen und Familie ein wenig intimer. «Dann feiern wir ganz privat mit unseren Freunden», sagt der Eintracht-Chef.
Frankfurts Aufsichtsrats-Vorsitzender Herbert Becker adelte Bruchhagen als «Glücksfall». Aus der sicheren Position bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) hatte sich der gebürtige Düsseldorfer am 1. Dezember 2003 auf das Wagnis Eintracht Frankfurt eingelassen und avancierte schnell zum besten «Neueinkauf» der jüngeren Vereinsgeschichte. Ruhig und sachlich brachte er der «launischen Diva» Manieren bei und führte den Club in eine skandalfreie, finanziell gesunde und sportlich vielversprechende Zukunft. «Dass wir uns mit hoher Kontinuität weiter entwickeln», ist der größte Wunsch des Vorstandschefs.
Bruchhagen blieb auch nach fast sechs Jahren Eintracht Frankfurt ein Ostwestfale. Manchmal knorrig, aber immer beharrlich. Sein Wort hat Gewicht, bei der Eintracht, aber auch in der Bundesliga. Eitle Selbstdarsteller sind ihm zuwider, er duldet nur vertraute Berater. Er hat seine Meinung und steht dazu, auch wenn das nicht jedem gefällt. Die Eintracht brachte Bruchhagen mit Um- und Weitsicht nach vorn. Der Traditionsclub hat sich verspieltes Ansehen bei Politik und Wirtschaft zurückerobert, die Zuschauerzahlen steigen weiter, der Verein ist «in» im Rhein-Main-Gebiet.
Der Sport- und Geografie-Lehrer wechselte nach 13 Jahren am Gymnasium die Seiten. Fußball bestimmte immer sein Leben, erst als Spieler, dann als Trainer und schließlich als Manager. «Es gab viele Schlüsselsituationen in meinem Leben. Eine war, als ich das Manager- Angebot von Schalke 04 erhielt», erklärt Bruchhagen. Von 1988 bis 1992 hielt die Zusammenarbeit, anschließend ging es in gleicher Funktion nach Hamburg (1992 - 1995). «Da gab es den einzigen Rausschmiss», erinnert sich Bruchhagen, der von 1998 bis 2001 Arminia Bielefeld managte und danach zur DFL wechselte. «Dort spürte ich immer häufiger, dass mir das samstägliche Kribbeln fehlte. Da wusste ich, dass ich bei einem Verein besser aufgehoben bin», sagt Bruchhagen, der seit 2007 dem DFL-Vorstand angehört.
Gedanken an den Ruhestand sind Bruchhagen fremd. «Viele freuen sich ja auf ihre Pensionierung, ich nicht», meint der Vorstandschef, der Frankfurt als letzte Station der Karriere sieht. «Aber das Geschäft ist schnelllebig, man weiß nie. Meine Vorgänger waren alle nur kurz im Amt», sagt Bruchhagen. Seine Sorgen scheinen unbegründet. Der Aufsichtsrat hat seinen Vertrag schon bis zum 30. Juni 2012 verlängert. Einen «Glücksfall» lässt man nicht gehen.
dpa
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