Dienstag, 2. September 2008 / 13:00 Uhr
Madrid - Mit der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo hatte Real Madrid den großen Coup des Sommers landen wollen. Als die Sache schiefging, warben die «Königlichen» verzweifelt um David Villa. Wenige Stunden vor Schließung des Transfermarkts boten sie für den Torschützenkönig der Europameisterschaft 2008 mehr als 50 Millionen Euro. Aber der FC Valencia lehnte ab. Damit nicht genug. Nun musste der spanische Fußballrekordmeister auch noch seinen Stürmer Robinho für 40 Millionen Euro zu Manchester City ziehen lassen.
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«Reals Kader war ohnehin nicht der beste. Nun ist er sogar noch schlechter geworden», kommentierte die Zeitung «ABC» den Weggang des Brasilianers. Für Trainer Bernd Schuster bedeutet dies einen schweren Rückschlag. Der Coach hatte seit Monaten eine Stärkung der Offensive gefordert, wurde aber nicht erhört. Statt neue Angreifer zu bekommen, musste er mit Robinho nun sogar noch einen abgeben. Die Real-Stürmer Raúl (31) und Ruud van Nistelrooy (32) sind nicht mehr die Jüngsten und auch keine Flügelstürmer, die eine Abwehr aushebeln können. Dafür kommt jetzt nur noch der - häufig verletzte - Arjen Robben infrage.
Das Wort von Schuster scheint bei Real nicht allzu viel zu zählen. «Raúl zum Beispiel hat mehr Einfluss als der Trainer, denn der Kapitän spricht jeden Tag mit Vereinspräsident Ramón Calderón», berichtete die Zeitung «El País». Zudem habe Schuster mit dem Sportdirektor Pedja Mijatovic einen Gegenspieler, der die Wünsche des Trainers permanent ignoriere. «Mijatovic war von Anfang an gegen Schuster», zitiert das Blatt einen namentlich nicht genannten Real-Verantwortlichen. «Er wollte nie, dass Schuster Trainer wird. Nun glaubt er, ihn wieder loswerden zu können.»
Clubchef Calderón habe sich, wie das Sportblatt «As» zu berichten weiß, zwischen den rivalisierenden Lagern von Mijatovic und Schuster nicht entscheiden können: «Die Folge war, dass Real sich auf dem Transfermarkt lächerlich machte und einen Schwank aufführte, der bis in die Nacht zum Dienstag andauerte.» Dagegen sieht Calderón im Weggang von Robinho eher ein «menschliches Drama». «Der Spieler hat mich unter Tränen gebeten, ihn nach England gehen zu lassen», sagte der Real-Präsident.
Noch kürzlich hatte er stolz behauptet, Real habe 100 Millionen Euro für neue Spieler zur Verfügung. Aber dann gaben die Madrilenen im Sommer nur 21,5 Millionen aus, die niedrigste Summe seit 13 Jahren. Davon entfielen allein 15 Millionen Euro auf den Ex-HSV-Kapitän Rafael van der Vaart. Insgesamt investierten die Clubs der spanischen Liga 264 Millionen Euro, nicht einmal halb so viel wie vor einem Jahr. Die Wirtschaftskrise in Spanien wirkt sich auch auf den Fußball aus.
dpa
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