Freitag, 5. September 2008 / 12:54 Uhr
Vaduz - Liechtenstein hat rund 35 000 Einwohner, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) allein mehr als sechs Millionen Mitglieder. Wenn die DFB-Auswahl gegen den 160- km²- Zwergenstaat in die WM-Qualifikation startet, prallen Welten aufeinander.
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In Liechtenstein gibt es gerade einmal 2000 aktive Fußballer - Jugendliche schon mit eingerechnet. «Als großes Land kann man sich gar nicht vorstellen, wie klein wir sind», sagt der 57-fache Nationalspieler Ronny Büchel, einer der voll Berufstätigen im Team. Der Mittelfeldmann des USV Eschen/Mauren - des zurzeit zweitbesten Clubs im Land - ist Fitnesstrainer. Mit dem Fußball verdient er nichts. «Spesen und Fahrtgeld, das ist alles.»
«Hier müssen einige Spieler Job und Fußball unter einen Hut kriegen, andererseits haben sie als Amateurkicker das Privileg gegen Deutschland oder Italien zu spielen. Die Nationalhymne zu hören, ist recht leicht», erklärt der deutsche Liechtenstein-Experte Ralf Loose, der zwischen 1998 und 2003 Nationalcoach des Fürstentums war.
Allerdings warnt der gebürtige Dortmunder, die Nummer 130 der FIFA-Rangliste sei kein «Kanonenfutter». Loose, der zuletzt als Coach des FC Augsburg tätig war, verweist auf «einige beachtliche Resultate und die immerhin acht Profis im Team». Unter Loose selbst hatte das Miniland, das 1982 sein erstes offizielles Länderspiel bestritt, 1998 gegen Aserbaidschan (2:1) den ersten Pflichtspielsieg gefeiert. In der Qualifikation zur WM 2006 trotzte man Portugal ein denkwürdiges 2:2 ab. Der höchste Sieg bisher war das 4:0 im gleichen Wettbewerb gegen Luxemburg. Stolz ist man auch auf die Erfolge gegen Lettland (1:0) und Island (3:0) in der letzten EM-Qualifikation.
Star der vom Schweizer Hans-Peter Zaugg trainierten Auswahl des Liechtensteinischen Fußballverbandes (LFV) ist Kapitän Mario Frick. Der Angreifer des italienischen Seria-A-Clubs AC Siena schoss in 79 Länderspielen 13 Tore und ist damit sowohl Rekordinternationaler als auch Rekordtorschütze seines Landes. «Das Niveau lässt sich mit einem Drittligisten in Deutschland vergleichen, es gibt natürlich ein großes Gefälle innerhalb des Teams», meint der 45-jährige Loose.
Zum Kader gehören auch Bankangestellte, Mechaniker, ein Jurist und eben «Fitnessinstruktor» Büchel. Zum Fußballspielen kommt der 26- Jährige viermal in der Woche jeweils um 19 Uhr nach der Arbeit. «Nicht, dass Fußball keine Arbeit wäre, aber wenn ich die Wahl hätte, wäre ich auch lieber Profi beim FC Bayern.»
Nationales Aushängeschild unter den insgesamt sieben Fußball- Vereinen im Steuerparadies ist der Hauptstadtclub FC Vaduz, der als einziger Profi-Strukturen aufweist. Mangels eigener Liga nehmen die Teams am Schweizer Punktspielbetrieb teil; es gibt immerhin einen eigenen Pokal-Wettbewerb. Cup-Rekordsieger Vaduz, der zuletzt elf Titel in Serie gewann, ist zu dieser Saison sogar in die Schweizer Elite-Liga aufgestiegen, Büchels Verein Eschen/Mauren ist drittklassig.
Loose, der mit seiner Familie nach wie vor in Liechtenstein lebt, will das Duell gegen Fußball-Riese Deutschland im 7838 Zuschauer fassenden Rheinpark Stadion in Vaduz mitverfolgen. «Deutschland gewinnt sicherlich, aber ich hoffe, dass Liechtenstein mithält und zumindest ein Tor erzielt.»
dpa
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