Sonntag, 7. September 2008 / 14:21 Uhr
St. Gallen - Der Liechtensteiner «Sixpack» war ganz nach dem Geschmack von Joachim Löw, aber noch lange nicht genug. Am Morgen nach dem 6:0 (1:0)-Erfolg gegen die Kicker des Fürstentums schickte der Bundestrainer in St. Gallen die Reservisten gleich wieder auf den Rasen der AFG- Arena.
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«Wir haben eine Klasse-Leistung gebracht», schwärmte Löw - allein das «Manko» der Torausbeute in der ersten Spielhälfte schmälerte aus seiner Sicht den positiven Gesamteindruck. Lockerlassen wird Löw aber nicht, denn schon 10. September steht in Helsinki die erste ernsthafte Bewährungsprobe auf dem langen Weg zur Fußball-WM 2010 in Südafrika an. «Mit dem ersten Schritt Richtung WM-Qualifikation können wir zufrieden sein», sagte Löw, «aber Finnland wird natürlich viel schwieriger».
Auch die Mannschaft um den im Nationaltrikot wieder einmal mit zwei Toren und großer Spielfreude auftrumpfenden Deutschland-Poldi schaltete nach der Pflichterfüllung in Vaduz sofort auf die geplante Kür in Helsinki um. «Wir hatten viele Chancen und haben schöne Tore gemacht», erklärte Lukas Podolski nach seinen Länderspieltreffern 29 und 30, «aber jetzt wartet ein anderer Gegner». Auch der selbst gegen die Liechtensteiner Leichtgewichte torlose und kriselnde Kapitän Miroslav Klose ermahnte die Teamkollegen: «Ich kenne Helsinki. Da wird etwas anderes auf uns zukommen.» Der Bayern-Angreifer ist der einzige Spieler im aktuellen Kader, der schon vor sieben Jahren beim glücklichen 2:2 in der Qualifikation für die WM 2002 dabei war.
Bangemachen gilt aber nicht, das souveräne «Warm-up» in Vaduz hat dem ohne Stammkräfte wie Michael Ballack, Torsten Frings und Per Mertesacker angetretenen Vize-Europameister Selbstvertrauen gegeben. «Wir wollen drei Punkte holen», verkündete Bastian Schweinsteiger. Auch Löw will unbedingt mit sechs Zählern und als Tabellenführer in das am 11. Oktober anstehende Gruppen-Topspiel gegen Russland gehen. «Wir werden versuchen, in Finnland so offensiv zu spielen wie hier und auch das Spiel zu gewinnen», kündigte der Chefcoach an.
Abgesehen davon, dass die Torausbeute durch Podolski (21./48.), Simon Rolfes (65.), Schweinsteiger (66.), Thomas Hitzlsperger (76.) und Heiko Westermann (86.) erst am Ende stimmte, passte für Löw in seinem 30. Länderspiel als Bundestrainer fast alles - auch das Resultat. «Ich habe vor dem Spiel gesagt: So, wie die Einstellung sein wird, so wird auch das Ergebnis ausfallen. Wir sind mit der richtigen Einstellung ins Spiel gegangen», lobte er sein Team: «Liechtenstein hat die letzten Jahre in dieser Höhe zu Hause nicht verloren.» Vor exakt elf Jahren hatte es im eigenen Stadion ein 1:8 gegen Rumänien gegeben. Und während sich Weltmeister Italien zu einem 2:1 auf Zypern quälte und England ein mageres 2:0 gegen Andorra erkämpfte, startete Löws Rasselbande mit dem höchsten Sieg aller 53 europäischen Nationen in die WM-Qualifikation.
Zahlreiche Akteure durften sich im Dauerregen von Vaduz als Gewinner fühlen - allen voran Podolski. Frust bei Bayern, Lust mit Deutschland, der 23-Jährige ließ Tore sprechen: «Ich fühle mich hier sehr wohl und habe das Vertrauen das Trainers», bemerkte Podolski. «Er möchte dem Verein sicher zeigen, ich spiele zurecht», sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Besonders prächtig harmonierte Podolski mit Piotr Trochowski, der sein bestes Länderspiel machte. «Er setzt immer mehr um, was er bei uns schon länger im Training gezeigt hat, aber nie so richtig im Spiel», lobte Löw den Hamburger.
Hitzlsperger und Rolfes überzeugten als Ballack/Frings-Vertreter - ihre Tore waren Zugabe. Die gegen Belgien (2:0) und in Liechtenstein erprobte Elf dürfte auch gegen Finnland erste Wahl sein, zumal Frings nach seinem Nasenbeinbruch endgültig nicht nachkommt. «Sie hat jetzt zweimal gespielt und überzeugt», sagte Löw. Er lässt auch Klose nicht fallen: «Er wird seine Form auch wieder finden.» Zudem fehlt ihm hinten rechts zum formschwachen Clemens Fritz die Alternative Arne Friedrich. Marcell Jansen legte am Sonntag ein Infekt der oberen Atemwege lahm. Auch für eine Hereinnahme von Christoph Metzelder gibt es keinen Grund. «Finnland wird sicherlich anders. Aber wir müssen die Abwehr nicht umstellen», erklärte der Stuttgarter Serdar Tasci forsch. So sieht's auch Löw: «Tasci und Westermann haben auch im Verein Spielpraxis. Christoph Metzelder soll erst einmal regelmäßig spielen.»
dpa
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