Donnerstag, 18. September 2008 / 12:19 Uhr
Hamburg - Rafael van der Vaart war die Lichtgestalt von gestern, der neue Spielgestalter Thiago Neves soll sie einmal werden. Obwohl der Brasilianer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV noch keine Beweise für seine Klasse abliefern konnte, zweifelt an der Elbe keiner am großen Wurf.
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HSV-Chef Bernd Hoffmann bezeichnete den Transfer des 23 Jahre alten Nationalspielers von Fluminense Rio de Janeiro nach Hamburg gar als «Gesamtkunstwerk». Vorschusslorbeeren gab es reichlich für den Mittelfeldakteur, der mit dem Olympia-Team seines Landes die Bronzemedaille in Peking eroberte und dabei in fünf Spielen zwei Tore erzielte. Nun sollen auch in Hamburg Taten folgen.
Bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Bayer Leverkusen (3:2) wusste Thiago Neves Augusto, wie er mit vollständigem Namen heißt, zu gefallen. Kluge Pässe, das Auge für die Nebenleute und Torgefährlichkeit zeichnen ihn aus. 16 Mal hat er in 67 Erstliga-Spielen in Brasilien getroffen, beim HSV soll es mehr werden. «Er strahlt eine unheimliche Torgefahr aus, kann mit beiden Füßen schießen. Der Mann hat besondere Klasse», lobt Torhüter Frank Rost den Offensiv-Kollegen. Mit seiner Premiere im deutschen Oberhaus war Thiago Neves nicht unzufrieden. «In der Bundesliga wird schneller als in Brasilien gespielt», nennt er als markantesten Unterschied zwischen dem neuen Arbeitsplatz und dem alten am Zuckerhut.
Gewöhnen muss er sich auch erst an die raubeinige Gangart auf den Plätzen hierzulande. Von den Leverkusenern erhielt er bereits einen Crash-Kurs in Zweikampfhärte und Schmerzverträglichkeit. Eines kann Thiago Neves allerdings nicht: Tanzen. An der rhythmischen Dankes- Einlage vor dem Fan-Block nach dem Sieg gegen Bayer wollte sich der Mann aus dem Samba-Land nicht beteiligen. «Ich bin schüchtern, und Tanzen kann ich nicht», entschuldigt sich der 2007 in Brasilien als bester Spieler der Saison mit dem «Bola de Ouro» (Goldenen Ball) ausgezeichnete Profi.
Für den nach HSV-Angaben 7,5 Millionen Euro teuren Hoffnungsträger - in Brasilien ist sogar von 9,2 Millionen Euro Ablöse die Rede - ist Fußball Familien-Ernährungsprogramm. Bruder Fernando ist schon bei ihm in Hamburg, Mutter Siliane wird erwartet und auch Freundin Simone kommt so oft sie kann. «Sie sind auf mich angewiesen», sagt Thiago Neves. Auch das wird Frank Rost gemeint haben, wenn er über den Neuen sagt: «Es ist sympathisch, menschlich sauber.» Zudem tragen die Vertrauten um ihn herum zur Geborgenheit bei, die Brasilianer wie Thiago Neves dringend brauchen, um auf dem Platz ihr Leistungsvermögen abrufen zu können.
dpa
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