Freitag, 3. Oktober 2008 / 16:00 Uhr
Warschau - Die Regierung in Warschau bleibt trotz der Drohungen durch den Weltverband FIFA im Konflikt mit dem Polnischen Fußball-Verband PZPN hart.
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Ministerpräsident Donald Tusk stärkte seinem Sportminister Miroslaw Drzewiecki, der seinen Auftrag in der «Säuberung» des Sports von Korruption und Rechtsbruch sieht, demonstrativ den Rücken. Drzewiecki habe seine «volle Unterstützung», versicherte Tusk und fragte, welchen Wert der Fußball habe, wo «ein Dieb nach dem anderen kommt». Es sei besser, harte Entscheidungen zu treffen, um den Sport zu sanieren, betonte Tusk. Die Zeitung «Polska» hatte zuvor spekuliert, die Regierung könnte den Sportminister opfern, um Polens Teilnahme an der WM-Ausscheidung zu retten.
Zbigniew Kozminski (m), Zdzisaw Krecina (l) und Jerzy Engel vom PZPN bei einer Pressekonferenz.
Auf Antrag Drzewieckis hatte ein Gericht beim Polnischen Olympischen Komitee (PKOL) einen kommissarischen Verwalter für den PZPN eingesetzt, der dann die Verbandsführung suspendierte. Der Sportminister begründete die Maßnahme mit rechtswidriger Tätigkeit des PZPN und ungenügender Bereitschaft zur Bekämpfung der Korruption. Zwei Tage später forderte FIFA-Chef Joseph Blatter Polens Behörden auf, bis Montag den Verwalter abzuberufen und die alte PZPN-Spitze einzusetzen. Sonst sei die Austragung von Polens WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien und die Slowakei (11. und 15. Oktober) gefährdet.
Tusk sagte, er glaube nicht an das «schwarze Szenario». Er sei aber auch bereit, ein «Risiko einzugehen». Entschlossenheit könne manchmal ihren Preis haben. Auch Verwalter Zbigniew Zawlocki zeigte sich von der FIFA-Kritik unbeeindruckt. Er werde auf sein Amt nicht verzichten, sagte der Rechtswissenschaftler. Das Schiedsgericht habe ihn einberufen und nur dieses könne ihn abberufen, betonte Zawlocki.
Drzewiecki stand im parlamentarischen Sportausschuss Rede und Antwort. Sein Auftrag sei die «Säuberung» des Sports von Korruption und Rechtsbruch, sagte der Politiker vor Abgeordneten. Er werde dabei «rücksichtslos» handeln. Polens Sportminister rechnet mit Verständnis der FIFA und UEFA für sein Vorgehen. Er schickte beiden Verbänden Dokumente, die seinen harten Kurs begründen sollten.
Mit der FIFA-Unterstützung im Rücken, will der PZPN im Streit mit der Regierung nicht nachgeben. Der Vorstand agiere trotz der Suspendierung «normal» weiter, kündigte Verbandssprecher Zbigniew Kozminski. Der Sachwalter bezeichnete dieses Verhalten als «Hohn über Schiedsgericht, Rechtsordnung und die Fans.»
Um einen Ausweg aus der Patt-Situation zu finden, haben sich Vertreter des Sportministeriums und des PZPN mehrmals getroffen. Die Gespräche sollen fortgesetzt werden. Drzewiecki sei ein «kluger Mensch», lobte überraschend der Sportminister der PZPN-Sprecher. Die meisten polnischen Medien unterstützen den harten Kurs des Sportministers gegen den Fußballverband und kritisieren die Einmischung der internationalen Dachorganisationen. So arrogant wie die Chefs von FIFA und UEFA habe sich gegenüber Polens Regierung sogar Wladimir Putin bislang nicht benommen, kommentierte «Dziennik».
dpa
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