Mittwoch, 1. Oktober 2008 / 17:31 Uhr
Urziceni - Ein gewisser Klassenfahrt-Charme ist der Reise des Hamburger SV zum rumänischen Provinz-Verein Unirea Urziceni nicht abzusprechen.
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Vor dem Erstrunden-Rückspiel im UEFA-Pokal müssen die Fußball-Profis des Bundesliga-Spitzenreiters mit Dreibettzimmern einer Drei-Sterne-Herberge vorlieb nehmen. Ein anderes Hotel als das «Royal» hat die 17 000-Einwohner-Stadt 60 Kilometer nordöstlich von Bukarest nicht zu bieten. «Ich habe in meiner Karriere schon in Hotels geschlafen, die wünscht man nicht mal seinem Gegner», witzelte Abwehr-Recke Bastian Reinhardt über die spartanische Unterbringung. «Das darf keine Ausrede sein. Wir sind 364 Tage auf Fünf-Sterne-Niveau», mahnte Sportchef Dietmar Beiersdorfer den Ernst der Lage nach der 0:0-Gruselnummer im Hinspiel an.
In Urziceni muss der HSV nicht nur in den Zimmern, sondern auch auf dem Platz eng zusammenrücken. Nur ein Sieg oder ein Remis mit mindestens einem erzielten Tor bringt den Norddeutschen den fest eingeplanten Einzug in die Gruppenphase. «Das ist wichtig für die Reputation des Vereins. Wir haben uns in den letzten Jahren international einen sehr guten Namen gemacht», sagt Beiersdorfer und nahm die Mannschaft in die Pflicht, die vor der Mini-Kulisse von nur 6000 Zuschauern im maroden Tineretului-Stadion auflaufen wird.
HSV-Trainer Martin Jol verteilte bei der Abschluss-Pressekonferenz Komplimente an die Gastgeber. «Das ist nicht mehr so wie früher. Die Bedingungen sind fast immer gut. Da gibt es nichts Anderes oder Komisches», meinte der Niederländer. «Es geht nicht darum, dass man ein großes Stadion hat, sondern dass man eine gute Mannschaft hat. Und Urziceni hat eine hervorragende Mannschaft.» Der HSV-Coach bezifferte die Chancen auf 50:50.
Jol, der mit Bruder Cornelius ein Zimmer teilen muss, unterstrich die enorme Bedeutung der Partie: «Es ist das bislang wichtigste Spiel der Saison für uns. Da müssen wir nicht lange diskutieren.» Ein Scheitern gegen den Tabellen-Zweiten der Divizia Nationala A wäre eine absolute Blamage. Selbst der Coach des rumänischen UEFA-Cup- Debütanten, Dan Petrescu, nannte ein mögliches Weiterkommen seines Teams «für den HSV ein großes Desaster».
Schließlich muss sich der HSV auch am Anspruch von Clubchef Bernd Hoffmann messen lassen, bis zum Jahr 2011 zu den 20 Top-Vereinen in Europa zu gehören. In dieser Saison soll zumindest - wie im Vorjahr - das Achtelfinale im Europapokal erreicht werden.
«Für die Rumänen ist es das größte Spiel des Jahres», prophezeite HSV-Angreifer Ivica Olic einen heißen Tanz. Jol, der wie zuletzt beim 1:0 gegen Mönchengladbach personell die Qual der Wahl hat und seinen neuen Torgaranten Mladen Petric wieder von Beginn an bringen dürfte, warnte vor allem vor einem frühen Gegentreffer. Nach neun Spieltagen ist Urziceni das torgefährlichste Team in Rumänien (21 Treffer).
Mit dem Einzug in die Gruppenphase und der Aussicht auf Gegner mit klangvolleren Namen steigt auch die Chance, dass sich die TV-Sender wieder für den HSV erwärmen. Die Unirea-Spiele übertragen die Hamburger in Eigenregie kostenpflichtig über ihre Internetseite.
Voraussichtliche Aufstellungen:
Unirea Urziceni: Arklauskis - Nicu, Galamaz, Mehmedovic, Bordeanu - Mara, Burns, Brandan, Frunza - Onofras, Bilasco
Hamburger SV: Rost - Demel, Reinhardt, Mathijsen, Atouba - Jarolim, de Jong - Trochowski, Petric, Olic - Guerrero
Schiedsrichter: Kaldma (Estland)
dpa
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