Freitag, 3. Oktober 2008 / 11:04 Uhr
Udine - Sie schlichen traurig vom Platz, doch ihren Trainer erfüllten die Profis vom BVB mit Genugtuung. Klasse gespielt, Heim-Pleite egalisiert, aber im Elfmeterschießen 3:4 gescheitert - das Erstrunden-Aus im UEFA-Pokal gegen Udinese Calcio war für die Schwarz-Gelben bitter und ungerecht.
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«Im Moment fühlt sich dieser Sieg an wie eine Niederlage. Doch ich bin sehr stolz auf das, was wir heute abgezogen haben», kommentierte BVB-Chefcoach Jürgen Klopp das Beinahe-Fußballwunder in Italien.
Udineses Domizzi (r) und der Dortmunder Alexander Frei rangeln beim Duell um den Ball miteinander.
2:0 (2:0, 1:0) nach Verlängerung gewonnen, ausgeschieden, aber nicht geschlagen: «Es sollte nicht sein. Wir haben's gedreht, aber eben nicht endgültig», fasste Klopp die 120 Minuten im Friaul und das Drama vom Elfmeterpunkt zusammen. Ausgerechnet Tamas Hajnal, der sein Team vor 11 000 Zuschauern mit zwei Toren (45. Minute/90.+2) in die Verlängerung rettete, versagten als erstem Schützen im «Shootout» die Nerven. «Ich kann da keine Tragik erkennen. Denn dieses Spiel hat auch dem Letzten gezeigt, dass wir willens sind, für Siege zu kämpfen», meinte Klopp mit höchster Anerkennung für den grandiosen 165. Europapokal-Auftritt seiner Elf.
«So kurz vor dem Ziel zu stehen und dann zu scheitern - das ist sehr bitter», sagte Hajnal zu seinem Elfmeter-Missgeschick, das auch Jakub Blaszczykowski widerfuhr. Und nach der sechsten Partie binnen 20 Tagen trauerten sie alle der Begegnung in Dortmund hinterher: «Im Hinspiel haben wir uns in vielen Situationen dämlich angestellt. Das hat den Ausschlag gegeben», blickte BVB-Kapitän Sebastian Kehl auf das 0:2 im eigenen Stadion zurück - und direkt wieder nach vorn: «Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg. Heute konnte man der Mannschaft keinen Vorwurf machen.»
Das tat auch niemand, obwohl Klopp festhielt, «dass wir einen Fuß in der Tür hatten und nur noch durchgehen mussten». Doch in der Elfmeter-Lotterie zogen die Westfalen zwei Nieten, die sich nach Klopps Ansicht irgendwann als Hauptgewinn entpuppen sollen: «Wir werden für das, was wir investiert haben, im Lauf dieses Jahres belohnt werden», sagte der 41-Jährige und machte seiner Elf Mut für die Aufgaben in der Bundesliga und im DFB-Pokal.
Mit dem von Klopp initiierten «Vollgas-Fußball» trumpften die Borussen beim italienischen Tabellen-Dritten auf wie in guten Zeiten. «Wir haben auf international hohem Niveau einer Mannschaft mächtig die Leviten gelesen», analysierte Klopp und schimpfte auf den Schiedsrichter-Assistenten, der einem Tor von Alexander Frei (51.) wegen angeblicher Abseitsstellung die Anerkennung verweigerte: «Das war nicht die einzige Szene, in der er überfordert war.»
Am Ende erhoben die BVB-Profis wieder ihr Haupt - trotz des frühen Ausscheidens nach fünfjähriger internationaler Abstinenz. «Wir sind mit einer unglaublichen Energieleistung zurückgekommen und gemeinsam da durchgegangen», befand Sportdirektor Michael Zorc anerkennend. «Jeder hat gesehen, dass wir uns positiv entwickelt haben», meinte Kehl. Und bedauerte, dass Udine der letzte Saison-Auftritt auf dem großen Fußball-Parkett war: «Leider dürfen wir diese Entwicklung in Europa jetzt nicht mehr unter Beweis stellen.»
dpa
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