Dienstag, 7. Oktober 2008 / 13:16 Uhr
Mainz - Jörn Andersen stand bisher im langen Schatten seines Vorgängers Jürgen Klopp. Doch nach dem besten Saisonstart des FSV Mainz 05 in seiner Zweitliga-Geschichte und dem Sprung an die Tabellenspitze forderten die Fans den stillen Norweger lautstark zum gemeinsamen Jubeln auf.
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«Ich wollte lieber allein sein. Aber in Mainz ist alles anders. Wenn der Trainer raus soll, dann muss er raus», sagte der 45-Jährige und fügte sich mit breitem Lächeln. «Richtig stolz» war er nach dem 5:0 (2:0) im Fußball-Derby gegen Schlusslicht SV Wehen Wiesbaden. Zur «Humba»-Intonation ließ sich Andersen aber trotzdem nicht auf den Zaun locken. «Da muss schon was Besonderes passieren. Soweit sind wir noch lange nicht», meinte der FSV-Coach.
Der «Vorarbeit» des einstigen Mainzer Kult-Trainers Klopp (inzwischen Borussia Dortmund) stellt Andersen die eigene Philosophie des Offensivspiels zur Seite. Eine kongeniale Verbindung, die Mannschaft, Club-Bosse und Fans begeistert und für Wehen Wiesbaden gleich mehrere Nummern zu groß war: 17 Punkte stehen nach sieben Spielen zu Buche. «Hier hätten heute ganz andere Mannschaften hoch verloren», meinte Andersen nach den Treffern von Chadli Amri (20.), Nikolce Noveski (26.), Felix Borja (58.), Peter van der Heyden (73.) und Srdjan Baljak (78.).
«Charakter» sei ein wesentliches Merkmal des Teams, betonte der 45-Jährige. «Die Mannschaft allein zählt, nicht der Einzelne», betonte der 05-Coach und fand Baljaks positive Reaktion auf dessen Versetzung auf die Bank «klasse». «Im Erfolg fällt das natürlich leichter. Mal sehen, was bei Rückschlägen sein wird», meinte Andersen. Euphorie wollen die Mainzer erst gar nicht aufkommen lassen. «Nach sieben Spielen ist noch keiner aufgestiegen», sagte Manager Christian Heidel. «Piano» verläuft die erste Woche der Länderspielpause, denn gleich acht Stammkräfte sind in der WM- Qualifikation aktiv.
Schunkelstimmung links des Rheins, Depression auf der anderen Seite. Christian Hock steht in der zweiten Zweitliga-Saison des SV Wehen Wiesbaden vor seiner größten Herausforderung. Der 38-Jährige kannte bisher mit dem in die Stadt gezogenen Dorf-Club nur Erfolg. Nach Premieren-Rang acht steht er ohne Liga-Sieg unter Druck. «Wir werden mit Hock diskutieren, nicht über ihn», sprach Sportdirektor Uwe Stöver ihm noch das Vertrauen aus.
Hock wirkt deprimiert und ratlos und flüchtete sich in markige Sprüche. Bis zum «kapitalen» Spiel am 19. Oktober gegen den FSV Frankfurt sollen sich «alle um 180 Grad drehen», «die Einstellung radikal ändern» und «bis Weihnachten nur noch an den Verein denken». Der Psychologe ist gefragt beim Aufbau verlorenen Selbstvertrauens. Hock ist zu wünschen, dass er bei seinem laufenden Trainer-Lehrgang im Fach Psychologie gut aufgepasst hat.
dpa
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