Sonntag, 12. Oktober 2008 / 14:54 Uhr
Düsseldorf - Kurzer Prozess nach stillosem Abgang: Nach einer beispiellosen Stadion-Flucht hat ein erzürnter Joachim Löw Kevin Kuranyi noch in der Nacht nach dem umjubelten 2:1-Sieg gegen Russland aus der Fußball-Nationalmannschaft geworfen.
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Bevor der frustrierte Schalker Stürmer seinen praktisch vollzogenen Rücktritt auch verkünden konnte, handelte der Bundestrainer. «So, wie die Dinge abgelaufen sind, muss man ganz klar sagen, dass ich als Trainer ihn nicht mehr nominieren werde. Das kann man nicht tolerieren», erklärte Löw in Düsseldorf und verurteilte Kuranyis Handeln: «Über die Art und Weise bin ich schon enttäuscht.»
Kuranyis offensichtliche Kurzschlussreaktion vom Vorabend bekam damit die erwartete Langzeitwirkung: Nachdem der 26-Jährige von Löw nicht in den 18-Mann-Kader berufen worden war, hatte er die Dortmunder Arena in der zweiten Spielhälfte ohne ein Wort verlassen. «Ich spüre seine Enttäuschung, aber als Trainer muss man natürlich auch Entscheidungen fällen. Wir haben hier 20 sehr, sehr gute Spieler, das hat ein Spieler dann auch zu akzeptieren», so Löw.
Kuranyi hatte sein Unverständnis bereits nach der Teamsitzung gegenüber Löw kundgetan, trotzdem war auch der Bundestrainer «erstaunt» über das krasse Verhalten des Profis. Kuranyis Berater Roger Wittmann bestätigte die gezielte Aktion des Angreifers. «Er hat entschieden, was er für sich selbst als richtig empfindet, zu sagen, ich gehe nach Hause», berichtete Wittmann im «DSF». Man hätte es zwar besser machen können, räumte der Berater ein. «Aber der Mensch Kevin Kuranyi spielt auch eine Rolle - und der hat so entschieden.»
Entsetzt reagierte der Vater von Kuranyi. «Mir fehlen die Worte für das, was Kevin getan hat. Es war eine Kurzschlussreaktion, aber das darf er nicht machen», sagte Kont Kuranyi der «Welt». Seine Hoffnung, «dass sich das Ganze vielleicht doch noch in Wohlgefallen auflöst», dürfte wohl ein Wunschtraum bleiben.
In der ersten Spielhälfte hatte Kuranyi das Spiel noch an der Seite seines ebenfalls nicht nominierten Vereinskollegen Jermaine Jones verfolgt und auch die Tore von Lukas Podolski und Michael Ballack mitbejubelt. Die zweite Hälfte wollte er dann bei Freunden auf der Haupttribüne verfolgen, berichteten Betreuer des DFB. Doch nach Spielende blieb Kuranyis Platz im Mannschaftsbus leer. Versuche der telefonischen Kontaktaufnahme durch Manager Oliver Bierhoff blieben über Stunden erfolglos - auch noch am Sonntag.
Der Rauswurf dagegen erfolgte in Minutenschnelle. Um kurz nach 1.00 Uhr in der Nacht zum Sonntag handelte die sportliche Leitung. Auslöser für die Rote Karte war dabei, dass zwei Freunde von Kuranyi dessen persönliche Sachen aus dem Quartier abholten. «Dass ein Spieler nach dem Spiel sein Zimmer räumt und nicht mit der Mannschaft ins Hotel fährt, das können wir so nicht akzeptieren», erklärte Löw. Für den Chefcoach war in diesem Moment endgültig klar, dass es keinen entschuldbaren Grund für Kuranyis Verschwinden geben konnte. Der Rauswurf wurde auch mit DFB-Präsident Theo Zwanziger abgestimmt. «Mir wäre wichtig gewesen, er hätte mich angesprochen nach dem Spiel und er hätte mit mir geredet oder einem Trainerkollegen oder mit Bierhoff», sagte Löw.
Rein sportlich sieht der Bundestrainer den Rauswurf Kuranyis vor dem zweiten WM-Qualifikationsspiel als verkraftbar an. «Wir haben genügend Spieler im Kader, die gegen Wales spielen können.»
Es war nicht der erste große Nationalmannschafts-Wirbel um Kuranyi. Vor der Weltmeisterschaft 2006 war er überraschend vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und dessen Assistenten Löw nicht für das Turnier in Deutschland nominiert worden. «Ich habe sehr viel gelernt in dieser Leidenszeit», sagte Kuranyi später, als er nach guten Leistungen bei Schalke im Februar 2007 beim 3:1 gegen die Schweiz ein erfolgreiches Comeback im Deutschland-Trikot gefeiert hatte. Auch zur EM im Sommer nahm ihn Löw mit. Allerdings blieb er bei drei Kurzeinsätzen torlos und spielte insgesamt nur 43 Minuten. Kuranyi debütierte am 29. März 2003 beim 1:1 gegen Litauen in Nürnberg. Nach 52 Länderspielen und 19 Toren kam das abrupte Ende.
dpa
2 Kommentare | Kommentare verstecken
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Die Finalniederlage der EM ist langsam verdaut...also kucken wir mal auf die neue Saison
Harald Schmidt: Auch in Saudi-Arabien wird Fußball gespielt. Die Königsdisziplin dort heißt Köpfen.
1. Bernd Stallmann schrieb am 12.10.2008 um 14:09:22:
Selbstüberschätzungen und Arroganz wie bei Kuranyi wird es immer geben. Wer als Nationalspieler Entscheidungen des Bundestrainers nicht akzeptiert, weil er sich "für unersetzlich" hält, hat es nicht verdient den Bundesadler zu tragen.Es gibt genügend Spieler mit einer anderen Einstellung. Interessant in diesem Zusammhange, dass Kuranyi sich darüber beschwert, bei den Schalker Fans noch nicht "angekommen" zu sein. Wen wundert's bei seinem Verhalten ?? W****einlich nur ihn selbst.
2. uto lathek schrieb am 12.10.2008 um 16:16:44:
mann, ist das ne wurst^^
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