Donnerstag, 23. Oktober 2008 / 13:44 Uhr
Berlin - Ein prominenter Gegner im Europapokal, Platz vier in der Bundesliga, nur drei Punkte Abstand zur Tabellen-Spitze - dennoch macht die Fußball-Euphorie weiter einen großen Bogen um Berlin.
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Da kommt endlich einmal nach vielen, vielen Jahren mit Benfica Lissabon ein namhafter internationaler Club in die deutsche Hauptstadt, aber wieder spielt Hertha an Berlin vorbei. Viele Plätze im Olympiastadion werden nicht besetzt, gerade einmal 18 000 Tickets wurden im Vorverkauf abgesetzt. Hertha BSC kämpft seit Jahren verzweifelt um eine bessere Außenwirkung. Und so sieht Manager Dieter Hoeneß die attraktive Gruppenphase des UEFA-Cups vor allem auch als neue Möglichkeit: «Es ist eine große Chance, uns im TV einem großen Publikum zu präsentieren und etwas für unser Image zu tun.»
In der Tat waren zuletzt auf internationaler Bühne Gegner wie St. Patrick's Athletic, Interblock Ljubljana oder Nistru Otaci nicht gerade Zuschauer-Magneten. Dennoch schauten die Hertha-Chefs stets staunend und auch ein bisschen neidisch auf die nationale Konkurrenz wie Schalke 04 oder den Hamburger SV, die auch gegen wenig attraktive Clubs ihre Stadien füllte. Das Olympiastadion war im Europapokal letztmals im Oktober 1999 ausverkauft, als Hertha in der Champions League den AC Mailand mit 1:0 bezwang. Ein Jahr später gegen Inter Mailand im UEFA-Cup kamen noch einmal 39 100 Fans, 2002 gegen den FC Aberdeen 30 770 Anhänger. Doch dann ging es mit 23 142 (gegen Groclin Grodzisk) und 12 814 (Odense BK) bergab. Und auch in der Bundesliga liegt das letzte ausverkaufte Spiel schon fast ein Jahr zurück.
Der Anspruch der Fans, das Hertha immer ganz oben mitspielen soll, «der teilweise durch nichts belegt ist, schon gar nicht durch die Geschichte», könne man leider nicht ändern, hatte Hoeneß vor dem Start in die neue UEFA-Cup-Saison erklärt. «Wir sind uns darüber im Klaren, aber Image hat immer mit Erwartungen zu tun. Erfüllst du die Erwartungen, ist alles wunderbar - dann verändert sich auch das Image positiv», betonte der Manager.
Die Hertha-Macher versuchen viel. Da wurden Image-Kampagnen gestartet. Es gibt Kids-Club, Partnerschulen, Patenschaft zu Städten im Umland, die Hertha-Stiftung - sogar eine eigene Homepage für weibliche Fans. «Wir haben auch viel auf sozialem Gebiet gemacht, das geht alles unter, wenn du Zwölfter bist. Wenn du Erster bist, wird auch das gewürdigt», meinte Hoeneß.
Inzwischen haben die Verantwortlichen das zwar renovierte, aber eben altbackene und wenig zuschauerfreundliche Olympiastadion als eine Euphorie-Bremse ausgemacht. Eine Machbarkeits-Studie für den Bau einer reinen Fußball-Arena für die Zeit nach 2017 - so lange läuft der Mietvertrag für das Olympiastadion mit dem Berliner Senat - soll in Auftrag gegeben werden. Doch das allein wird nicht reichen.
Hertha muss erst einmal näher an die Herzen der Berliner - dann könnte ein Funke auch auf das ganze Land springen. «Nach Berlin sind in den vergangenen zehn Jahren eine Million Menschen aus anderen Städten gekommen. Die haben noch Bettwäsche aus Dortmund, Hamburg und Stuttgart im Gepäck, die haben Bayern München im Herzen», sagte Hoeneß. Am Wäschetausch muss Hertha wohl noch eine Weile arbeiten.
dpa
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