Mittwoch, 5. November 2008 / 13:51 Uhr
Charkow - Die jüngste 1:5-Schlappe ist noch nicht vergessen, da lauert im ukrainischen Charkow schon die nächste mögliche Auswärts-Blamage auf Hertha BSC. «Das wird ganz heiß. Sie spielen sehr offensiv», warnte Berlins Ukrainer Andrej Woronin vor dem UEFA-Cup-Duell gegen seine Landsleute.
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Metalist liegt in der Meisterschaft hinter Dynamo Kiew auf Rang zwei, «will unbedingt in die Champions League», sagte Woronin. Manager Dieter Hoeneß sieht die Ukrainer auf einem Niveau mit Benfica Lissabon oder Galatasaray Istanbul, weiß aber um den besonderen Aspekt: «Das Spiel ist ein Stück undankbar, weil keiner weiß, dass sie so stark sind.»
Der 29-jährige Woronin, der in seiner Heimat von 200 Fans schon auf dem Flughafen stürmisch begrüßt wurde, kennt die Atmosphäre im Metalist-Stadion bestens: Jüngst erlebte er auf der Ersatzbank seiner Nationalmannschaft dort ein 0:0 gegen Kroatien. «Die Stimmung ist richtig geil, gegen uns sollen auch 40 000 Fans kommen», berichtete Woronin, dem in Charkow dazu ein ähnlich brisantes Gespräch ins Haus steht, wie es jüngst Michael Ballack und Torsten Frings mit Bundestrainer Joachim Löw erlebt haben.
Woronin hatte nach seiner Reservisten-Rolle von Charkow wie einst Frings Rücktritts-Gedanken geäußert, nun hat sich Nationalcoach Alexej Michailitschenko am Rande des UEFA-Cup-Spiels zum Krisen- Gespräch angekündigt. «Ich will keine Stammplatz-Garantie. Aber wenn ich in den Planungen der Trainer keine Rolle mehr spiele, kann ich mich auf die Arbeit bei Hertha konzentrieren», sagte Woronin.
Hertha-Trainer Lucien Favre dürfte jede Ablenkung dagegen wenig gefallen. Denn natürlich stehen nach dem 1:5-Debakel von Bremen die Signale in der zweitgrößten ukrainischen Stadt auf Sturm, auch wenn Favre sagt: «Das Spiel ist etwas ganz anderes als gegen Bremen.» Nach dem 1:1 zu Hause zum Gruppen-Auftakt gegen Benfica Lissabon ist die Partie in Charkow schon ein Schlüsselspiel.
Die größten Sorgen hat Favre mit der Besetzung der Torwart-Position. Auf dem 2200 Kilometer langen Sonderflug AB 1002 erkundigte sich der Hertha-Coach nochmals bei Teamarzt Ulrich Schleicher über den Gesundheitszustand der Nummer 1, Jaroslav Drobny. «Es sieht ganz gut aus. Nach dem Abschlusstraining muss Jaroslav auch selbst entscheiden», sagte der Arzt. Drobny gab sich zuversichtlich: «Es geht besser», erklärte der an einer Wadenblessur leidende Tscheche.
Bei einem Ausfall von Drobny müsste der unerfahrene Christopher Gäng (20), ansonsten in Liga vier im Einsatz, wie schon in Bremen ins Tor. Definitiv fehlen wird Maximilian Nicu, den ein Muskelfaserriss in der Wade stoppt. Für ihn dürfte Raffael in die Startelf rücken. Insgesamt muss Favre wieder auf sieben verletzte Spieler verzichten. Im laufenden Wettbewerb war Besiktas Istanbul in Charkow schon mit 1:4 unter die Räder gekommen. «Der Club hat keinen großen Namen, aber ein starkes Team. Es gibt keine Schwachpunkte», sagte Favre über den Kontrahenten.
Für Woronin, dessen Vater Viktor extra aus Odessa anreist, ist es übrigens erst sein zweites Spiel in der Heimat als Auslands-Profi. Sein erstes ging mit Bayer Leverkusen in der Champions League bei Dynamo Kiew mit 2:4 verloren: «Da bin ich eingewechselt worden, habe ein Tor gemacht, eins vorbereitet, zwei Gelbe Karten bekommen - und raus», erinnerte er sich. Für Woronin kann es nur besser werden.
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Metalist Charkow: Gorjainow - Bordijan, Obradovic, Gueye,Gancarczyk - Sljusar, Waljajew, Maidana - Edmar - Devic, Jaja Coelho
Hertha BSC: Drobny - Chahed, Friedrich, Simunic, Stein - Dardai, Kacar - Raffael, Cicero - Woronin, Pantelic
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)
dpa
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