Montag, 10. November 2008 / 14:00 Uhr
Berlin - Der Platz an der Sonne ist erst einmal weg, doch die gute Stimmung wollen sich die Hoffenheimer Höhenflieger nicht verderben lassen.
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«Das bringt uns nicht aus der Ruhe», verkündete Manager Jan Schindelmeiser schon kurz nach der ersten Pleite des Neulings in der Fußball-Bundesliga seit 43 Tagen. Und «Baumeister» Ralf Rangnick gestand seinen Jungs nach vielen «überragenden Leistungen» in den vergangenen Wochen eine 70-Prozent-Leistung beim 0:1 in Berlin zu. «Man kann nicht erwarten, dass sie immer im Bereich von 100 Prozent spielen», betonte der Cheftrainer von 1899 und ergänzte: «Das sind keine Maschinen.»
Erst zum zweitenmal in ihrer kurzen Erstliga-Geschichte stotterte die Angriffs-Maschine und produzierte keinen Treffer: Der Senegalese Demba Ba (6 Saison-Tore) traf gegen die kampfstarken Herthaner die Kiste nicht, der Nigerianer Chinedu Obasi (5) spielte ungewohnt viele Bälle in den leeren Raum - und der Bosnier Vedad Ibisevic (13) fand in der kompromisslosen Hertha-Innenverteidigung mit Josip Simunic und Arne Friedrich seine Meister. «Wir haben die Bälle nicht präzise genug zu Ende gespielt», analysierte Rangnick. Doch auf die verlorene Tabellen-Führung wollten weder Trainer noch Spieler eingehen: «Damit hatten wir uns auch nie beschäftigt», sagte Verteidiger Andreas Beck.
Ohnehin will der Manager aus dem überragenden Saisonstart, mit dem die Hoffenheimer am 12. Bundesliga-Spieltag selbst in Berlin 58 862 Fans (Saison-Zuschauerrekord) mobilisieren konnten, «keine Ambitionen für die Zukunft ableiten». Die Seitenhiebe von Rekordmeister Bayern München bestärken den Aufsteiger eher: «Es amüsiert uns schon, wenn sich der große FC Bayern zu unserer Tradition äußert. Falls es jemand noch nicht wusste, dass wir über 100 Jahre alt sind, weiß er es jetzt», bemerkte Schindelmeiser schmunzelnd. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge war bei der Jahreshauptversammlung der Münchner süffisant auf das Thema Hoffenheim eingegangen: «Wo haben die sich denn über 100 Jahre versteckt? Die hat ja gar keiner mitbekommen.»
Rangnick vernahm die Botschaft mit Belustigung, einen Absturz ins Mittelmaß befürchtet der Trainer nach der dritten Saison-Niederlage nicht: «Es ist nicht wichtig, wo wir 100 Jahre waren, sondern wo wir heute sind.» Und überhaupt: Noch immer steht der Neuling (25 Punkte) auf Rang zwei vor den Bayern (24). «Wir betrachten uns nicht als Kontrahenten der Bayern, diesen Anspruch würden wir nie erheben», versicherte Schindelmeiser. Der Manager fühlt sich mit seinem Club eher weiter «auf einer Abenteuer-Reise» - doch da «hat uns dieses Mal das Olympiastadion im Weg gestanden».
Dort agierte ein Gastgeber, der mit hoher Konzentration, viel Biss, starker Defensive und einem hochmotivierten Torschützen Andrej Woronin (70. Minute) den dritten Heimsieg nacheinander erzwang. Manager Dieter Hoeneß bescheinigte den Berliner Profis «eine außergewöhnliche Energie-Leistung», Trainer Lucien Favre war «sehr zufrieden», doch Kapitän Arne Friedrich warnte bereits wieder: «Wichtig ist, dass wir nicht abheben. Wir haben in dieser Saison auch schon unser anderes Gesicht gezeigt wie beim 1:5 in Bremen.» Eine wichtige Erkenntnis aber wollte Hertha-Coach Favre auf jeden Fall loswerden: «Hoffenheim bleibt eine Top-Mannschaft in der Bundesliga.»
Hertha-Torjäger Marko Pantelic hat sich beim Sieg gegen Hoffenheim eine Zerrung im rechten Oberschenkel zugezogen. Das ergab eine Untersuchung. Wie lange der Serbe ausfällt, war fünf Tage vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV noch unklar. Einen Trainingsunfall erlitt Ersatztorwart Christopher Gäng. Nach einem Zusammenprall mit Patrick Ebert kam der 20-Jährige mit Verdacht auf Gehirnerschütterung in ein Krankenhaus.
dpa
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