Sonntag, 16. November 2008 / 09:31 Uhr
Mannheim - Tobias Weis, den seine Kollegen liebevoll «Kampfquirl» nennen, wirbelte im Mittelfeld, als ob es bereits gegen das Mutterland des Fußballs ging. Der 23-Jährige von 1899 Hoffenheim glänzte beim 3:2 (2:2)-Sieg des Bundesliga-Aufsteigers gegen den VfL Wolfsburg.
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Bundestrainer Joachim Löw verließ zufrieden das Mannheimer Carl-Benz-Stadion: Weis hatte sich seine Nominierung für das Länderspiel in Berlin gegen England redlich verdient. «Tobi hat eine richtig gute Partie gemacht. Er war extrem im Spiel drin», lobte Hoffenheims Coach Ralf Rangnick seinen Aufsteiger der Woche.
Der kleine Weis zeigte auch, warum die Hoffenheimer eine Woche nach der 0:1-Niederlage bei Hertha BSC wieder groß rauskamen. «Jetzt, wo der Herbst schon da ist und es Winter wird, sind andere Tugenden gefragt», erklärte Rangnick. Der ohnehin spielstarke Neuling krempelte die Ärmel hoch, rannte und kämpfte den UEFA-Cup-Teilnehmer aus Wolfsburg nieder. Weis hatte am Schluss «zwei, drei Krämpfe» und reduzierte sein Abendprogramm auf das Nötigste: Er fuhr nur noch zum Abendessen zu seinen Eltern nach Schwäbisch Hall. Ob er denn gut schlafen werde, bevor er am Sonntag von Mannheim aus zusammen mit seinem ebenfalls berufenen Teamkollegen Marvin Compper zur Nationalmannschaft fliege: «I glaub' net», sagte der Schwabe etwas verlegen. «Ich hatte ziemlich unruhige Nächte die letzten Tage.»
Obwohl Weis das Länderspiel «immer im Hinterkopf hatte», trumpfte er unbelastet auf, während Compper «schon besser gespielt hat als heute» (Rangnick). Wolfsburgs Außenverteidiger Marcel Schäfer, der Dritte beim Debütantenball, konnte sich selten in Szene setzen. «Taktisch super geschult, charakterlich einwandfrei, ein bisschen was in der Birne, schnell, quirlig - das sind schon relativ viele Voraussetzungen für einen richtig guten Bundesligaspieler», sagte Rangnick über Weis. Für Mittwoch drückt Hoffenheims Coach ihm und Compper die Daumen, «dass sie möglichst auch zum Einsatz kommen».
Mehr Einsatz - vor allem in der Offensive - hätte sich auch Felix Magath gewünscht. «Hoffenheim war die aktivere Mannschaft. Wir haben wieder zu einem hochkarätigen Spiel beigetragen», sagte der VfL-Coach mit sarkastischem Unterton, nachdem seine Mannschaft immer noch auf den ersten Auswärtssieg in dieser Saison wartet. «Aber ein Pünktchen hätten wir vielleicht verdient gehabt.»
Vor 26 000 Zuschauern hatte Vedad Ibisevic zum 1:0 (23. Minute) getroffen und seine Führung in der Torjägerliste auf 14 Saisontore ausgebaut. Carlos Eduardo mit einem herrlichen Freistoß (37.) und Chinedu Obasi (69.) erzielten die weiteren Tore für Hoffenheim, das bei den Gegentreffern durch Grafite (27.) und Edin Dzeko (41.) allerdings auch einige Orientierungsschwierigkeiten zeigte. Doch am Ende siegte wieder einmal der Offensivgeist des Aufsteigers. «Für uns ist es wichtig, dass die Mannschaft ihre Unbekümmertheit behält», sagte Rangnick nach der «extrem spannenden und packenden Partie». Weis verspürte in diesem Moment zwar «nur noch Müdigkeit», sagte aber auf die Frage, wann für ihn die Vorbereitung aufs Länderspiel beginne mit glänzenden Augen: «Ab heute, ab jetzt.»
dpa
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