Sonntag, 16. November 2008 / 09:34 Uhr
Leverkusen - Die einen reden von Titelansprüchen, die anderen untermauern sie mit Taten. Sechs Tage nach dem 1:2 gegen Bayern München hat Schalke 04 auch den nächsten Härtetest bei einem Spitzenteam nicht bestanden.
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Tabellenführer Bayer Leverkusen erteilte dem Möchtegern-Meister eine weitere Lektion in Sachen Spielkultur und Effektivität. Fred Rutten konnte seine herbe Enttäuschung über die erschreckende Leistung und die verdiente 1:2 (0:2)-Niederlage kaum in Worte fassen. «Wir haben eine erste Hälfte gespielt, die gar nicht zu Schalke passt», sagte der Coach über die Vorstellung, die des ambitionierten Vereins unwürdig war. «So, wie wir heute gespielt haben, sind wir kein Spitzenclub.»
Nach verhaltenem Start und zwei verpassten Großchancen von Kevin Kuranyi und Heiko Westermann legte Bayer seine Zurückhaltung ab und wirbelte die beste Bundesliga-Abwehr mit schnellem Passspiel fast nach Belieben durcheinander. Nicht nur bei den Treffern von Stefan Kießling (30.) und Patrick Helmes (41.) waren die Königsblauen nicht im Bilde. «Wenn man die eigenen Chancen nicht nutzt und zwei Tore bekommt, hat man es danach besonders schwer», analysierte Rutten.
Nach dem Wechsel versuchte der Niederländer durch taktische Umstellungen zu retten, was nicht mehr zu retten war. Benedikt Höwedes kam für Fabian Ernst und übernahm die Innenverteidiger- Position von Westermann, der ins Mittelfeld vorrückte. Orlando Engelaar, der einen rabenschwarzen Tag erwischte, durfte aber weiter wurschteln. Kreativkraft Ivan Rakitic blieb auf der Bank. «Ich habe gedacht, dass wir mit Heiko und dessen Laufbereitschaft mehr Druck auf den Gegner ausüben könnten», erläuterte Rutten.
Ein Trugschluss, Bayer wahrte die Mittelfeldhoheit. Erst nach «Gelb-Rot» für Gonzalo Castro (67.) entwickelte der Revierclub mehr Torgefahr. Doch mehr als Kuranyis spätes Anschlusstor (85.) sprang nicht mehr heraus. Gleichwohl gab sich der beste Schalker, Torhüter Manuel Neuer, weiter kämpferisch: «Wir haben nun zwei Spiele gegen zwei starke Mannschaften verloren. Wir müssen jetzt nach vorne schauen und bis zur Winterpause eine kleine Serie starten.»
Während bei Schalke Anspruch und Wirklichkeit immer weiter auseinanderdriften, lieferte Leverkusen eine weitere Kostprobe seines beachtlichen Spielvermögens. Acht Punkte ist der Spitzenreiter dem West-Rivalen schon enteilt. Kein Wunder, dass Bruno Labbadia stolz war. «Wir haben gegen einen großen Verein und eine große Mannschaft gewonnen. Die Jungs haben vieles richtig und die Tore zum geeigneten Zeitpunkt gemacht», stellte der Bayer-Coach zufrieden fest.
Labbadias «Angst, dass wir die Geduld verlieren», erwies sich als unbegründet. Erstaunlich abgeklärt und gelassen spulte die junge Elf ihr Programm ab und fuhr trotz Unterzahl den Erfolg ein, auch wenn ganz am Ende noch gezittert werden musste. «Bis zum Platzverweis hatte ich keinerlei Sorge, dass das Spiel kippt», so Labbadia. «Mir hat vor allem die Bereitschaft der Spieler gefallen, um jeden Ball zu kämpfen. Sie wollten unbedingt an erster Stelle bleiben.»
Trotz Platz eins und fünf Siegen aus den vergangenen sechs Spielen ist die Herbstmeisterschaft oder gar der Titel bei Bayer kein Thema. «Wir reden nicht von der Meisterschaft», sagte der kaum geprüfte René Adler. Um dieses Niveau zu halten, ergänzte der Coach bescheiden, «muss bei uns schon alles hundertprozentig laufen».
dpa
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