Sonntag, 16. November 2008 / 09:31 Uhr
Mönchengladbach - Uli Hoeneß flüchtete mit hochrotem Kopf aus dem Stadion, die meisten Bayern-Profis drückten sich an den Mikrofonen vorbei, nur Jürgen Klinsmann gewährte einen kurzen Einblick in sein Seelenleben.
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«Das ist ärgerlich für unsere Perspektive. Jetzt stehen wir ganz schön blöd da», befand der Coach der FC Bayern München nach einem verschenkten Sieg und der verpatzten Jagd auf das Spitzenduo der Fußball-Bundesliga. Während die Fans von Borussia Mönchengladbach das 2:2 nach 0:2-Rückstand gegen den Rekordmeister wie einen Sieg feierten, fühlten sich die Münchener wie die Deppen. «Das war ein Betriebsunfall. Wir haben wichtige Punkte liegen lassen», gestand Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
Klinsmann war über die leichtfertig vergebene Chance im Kampf um die Tabellenspitze verärgert. «Das war schon fahrlässig. So etwas darf man nicht weggeben. Genau wie zuletzt beim 3:3 gegen Bochum. Mit den vier Punkten wären wir Tabellenführer», meinte der Bayern-Trainer im ZDF-Sportstudio, zeigte sich sogleich aber schon wieder angriffslustig. «Jetzt wollen wir Punkte gutmachen bis zur Winterpause und in der Champions League den Deckel draufmachen».
Eine Erklärung für die Punktverluste in einer Partie, die bis zur 79. Minute nach den Treffern von Luca Toni (21.) und Franck Ribéry (65./Foulelfmeter) klar entschieden schien, hatte bei den Münchnern niemand so richtig. «Wenn man 2:0 vorn liegt, muss man das über die Zeit retten. Wir waren nicht konzentriert und clever genug, das dritte Tor zu machen», sagte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. Nach dem Anschlusstreffer des Kanadiers Rob Friend peitschten die meisten der 54 067 Besucher im Borussia-Park ihre Mannschaft noch einmal nach vorn und wurden zwei Minuten später mit dem Ausgleichstreffer des Amerikaners Michael Bradley belohnt. Es war gleichzeitig das 100. Gladbacher Bundesliga-Tor gegen den FC Bayern.
«Wenn wir zehn Minuten länger gespielt hätten, wäre uns vielleicht auch noch der dritte Treffer gelungen», urteilte Friend, der sein viertes Saisontor erzielte. Die Gastgeber nutzten mit ihren bescheidenen Mitteln die Behäbigkeit des Star-Ensembles von der Isar, bei dem Klinsmann nach 66 Minuten im Gefühl des sicheren Sieges seine Nationalspieler Schweinsteiger und Philipp Lahm vom Feld nahm. «Die Mannschaft war sich einfach zu sicher», glaubt Rummenigge. Und Stürmer Miroslav Klose ergänzte: «Wir hätten einfach das dritte Tor machen müssen. Nach dem Anschlusstreffer brannte hier die Kiste.»
Im fünften Spiel unter Hans Meyer feierten die vom Abstieg bedrohten Gladbacher bereits ihren siebten Punkt - und einen emotionalen Höhepunkt. «Diese Atmosphäre nach dem Ausgleichstreffer war einfach unglaublich. Das sind die Momente, für die man Fußball spielt», meinte US-Nationalspieler Bradley begeistert nach seinem ersten Bundesliga-Treffer. Torjäger Friend hofft jetzt auf eine Initialzündung. «Dass wir heute auf diese Weise zurückgekommen sind, und das gegen die Bayern, ist sehr wichtig für das Selbstvertrauen. Davon werden wir die kommenden Wochen zehren».
Rückkehrer Meyer freute sich geradezu diebisch über den «richtig schönen Zusatzpunkt: Das ist klasse für die Moral und gut für das Selbstvertrauen», stellte der 66-Jährige fest. Und für seinen jungen Münchner Kollegen Klinsmann hatte der Gladbacher Coach sogar Trost parat: «Er wird es verkraften. Uns hilft der eine Punkt in unserer Lage mehr als er den Bayern im Kampf um die Meisterschaft schadet».
dpa
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