Sonntag, 16. November 2008 / 11:30 Uhr
Cottbus - Der «goldene Fallrückzieher» von Branko Jelic hat Bundesliga-Schlusslicht Energie Cottbus die Hoffnung zurückgebracht - beim Karlsruher KSC dagegen die Angst verstärkt.
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«Man hat ja gesehen, wie uns die Steine vom Herzen geplumpst sind. Jeder weiß ja, was passiert wäre, wenn wir nicht den ersten Heimsieg geholt hätten», kommentierte Energie-Kapitän Timo Rost den ersten «Heim-Dreier» der Cottbuser seit mehr als einem halben Jahr. Zuletzt hatte Energie im Stadion der Freundschaft am 10. Mai den HSV besiegt und war dadurch in der Fußball-Bundesliga geblieben. Mit dem 1:0 (0:0) über den KSC genau 189 Tage später ist zumindest ein Stück Zuversicht auf ein erneutes Lausitzer Wunder zurück. «Jetzt haben wir eine ganz andere Situation als vor diesem Spiel», betonte Trainer Bojan Prasnikar.
Branko Jelic, Torschütze zum entscheidenden 1:0, jubelt nach dem Abpfiff der Partie über den Sieg.
Energie spielte vor der mageren Kulisse von 12 527 Fans zwar nicht gut, fand aber zu jenen Tugenden zurück, die den selbst ernannten «Fight-Club» für alle Erstliga-Kontrahenten zu einem unangenehmen Gegner gemacht hatten. «Meine Mannschaft hat heute Herz gezeigt, auch wenn es spielerisch noch nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle», sagte der Slowene Prasnikar. «Das ist typisch für Energie. Auch wenn sie mit dem Rücken zur Wand steht, verliert die Mannschaft nicht den Glauben an sich selbst. So muss man ein Spiel im Abstiegskampf gewinnen», räumte KSC-Kapitän Christian Eichner ein.
Dass das Siegtor in der 80. Minute dann noch per Fallrückzieher des Serben Jelic fiel, stürzte Karlsruhe-Trainer Edmund Becker in Fassungslosigkeit: «Mir fällt es sehr schwer, die richtigen Worte zu finden.» Nach der tollen letzten Saison, aber nur einem Punkt aus den vergangenen sieben Spielen weiß der auf Tabellenplatz 16 abgerutschte KSC spätestens jetzt genau, wie sich der sportliche Überlebens-Kampf anfühlt. «Das 0:1 ist für uns ein unmögliches Ergebnis», so Becker.
Für Energie aber war es eine Erlösung, denn nach sechs sieglosen Spielen war die Ratlosigkeit am östlichsten Bundesliga-Standort schon greifbar. Auch gegen den KSC war den Energie-Profis der enorme Druck des selbst ausgerufenen «Endspiels» anzumerken. «Da hat eine gehörige Portion Angst mitgespielt», gab Prasnikar zu, der in der Schlussphase mit der Einwechslung von Jelic ein glückliches Händchen bewies.
«Fallrückzieher mache ich nicht so oft», sagte der 31-Jährige, der in der vorigen Spielzeit mit zwei Toren gegen den FC Bayern schon als Matchwinner aufgefallen war. In dieser Serie hat Jelic drei der nur sieben Energie-Treffer erzielt. «Jelic ist ein Strafraum-Künstler. Sein Tor war so wichtig für uns und gibt uns wieder Selbstvertrauen», betonte Prasnikar. Zwar ist Energie mit 9 Punkten weiter Letzter, bis zum Tabellen-14. Gladbach (11) ist jedoch in der Gefahrenzone alles dicht beisammen. «Wir sind wieder mitten im Pulk drin», sagte Manager Steffen Heidrich. Das trifft auch auf den KSC zu, der aus Energies Unsicherheiten «kein Kapital schlagen konnte», wie Becker zurecht bemängelte. Kapitän Eichner drückte es drastischer aus: «Uns fehlt die letzte Geilheit und Entschlossenheit.»
Die bewies dieses Mal vor allem Torschütze Jelic. «Egal ob ich 90 Minuten spiele oder nur fünf. Ich bin immer hochkonzentriert und gebe gleich Vollgas», sagte der Serbe stolz und hielt dabei Söhnchen Matija (4) fest im Arm. «Er ist mein Glücksbringer.» Energie wird Jelic junior und Jelic senior noch weiter dringend gebrauchen.
dpa
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