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Heimspiel-Hertha übt sich in Bescheidenheit

Berlin - Auf das Zauberwort Königsklasse reagierten die Berliner fast ein wenig gereizt. «Ach, Champions League. Was soll das mit der Champions League?», fragte Hertha-Angreifer Andrej Woronin.

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Und Trainer Lucien Favre meinte: «Wir haben keinen Plan. Wir nehmen Spiel für Spiel.» Wären sie früher in der Hauptstadt in laute Hosianna-Rufe ausgebrochen, üben sich Spieler und Verantwortliche von Hertha BSC ungeachtet des jüngsten Höhenfluges in ungewohnter Bescheidenheit. Das 2:1 (0:1) gegen den Hamburger SV hat die Berliner in der Tabelle der Fußball-Bundesliga auf Platz vier klettern lassen. Innerhalb einer Woche hat die Elf nach Hoffenheim (1:0) die zweite Spitzenmannschaft geschlagen, nur einen Zähler Rückstand auf Rekordmeister Bayern München weist die Statistik aus.

Sieger

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Herthas Spieler mit Torwart Jaroslav Drobny an der Spitze jubeln nach Spielende.

«Das zeigt, dass wir mit unseren Ansprüchen nicht falsch gelegen haben», sagte der Chef der Lizenzspielerabteilung, Michael Preetz. Doch so recht scheinen sie der eigenen Stärke (noch) nicht zu trauen. «Erst, wenn wir nach 34 Spielen unseren Ansprüchen gerecht geworden sind, haben wir es geschafft. Wir wollen ins internationale Geschäft», ergänzte der frühere Angreifer. Nach 13 Spieltagen steuern die oft so launischen Berliner klar auf UEFA-Cup-Kurs. Gegen den HSV beeindruckte vor allem die Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit nach völlig verkorksten ersten 45 Minuten. Doch weil Cicero (46. Minute) und Waleri Domowtschijski (49.) die Partie nach dem frühen Führungstor durch den Fallrückzieher von Mladen Petric (12.) noch drehten, klopfen die Berliner in der Eliteliga nun ganz oben an.

Nach dem vierten Heimsieg in Serie stimmten die Fans die üblichen «Hier regiert der BSC» und «Der BSC ist wieder da»-Gesänge an. Die Spieler ließen sich gut gelaunt auf der blauen Laufbahn nieder, sie sangen und tanzten mit den Fans. 48 285 Besucher waren am Samstag bei nasskaltem November-Wetter in das Olympiastadion gekommen. Erwärmend war die Darbietung auf dem Rasen aber erst nach der Pause. «In der Halbzeit hätte ich jeden Spieler auswechseln können. Der HSV war sehr, sehr gut und wir waren sehr, sehr schlecht», analysierte Favre.

Der Schweizer mochte dann auch auf das übliche Frage- und Antwort- Ritual nach der offiziellen Pressekonferenz nicht eingehen. «War es laut in der Kabine? Ihre Mannschaft ist Vierter, sind Sie wirklich so gut? Wie viele Punkte wollen Sie bis zur Winterpause noch holen? Was ist mit dieser Elf noch drin? Wäre die Champions League nicht was Schönes?», lauteten die Fragen in der einen oder anderen Variante. Doch der 51-Jährige ließ sich nicht aus der Reserve locken. «Momentan haben wir einen...», begann der Schweizer. Dann überlegte er kurz und sagte: «Momentan geht es ganz gut.» Von einem «Lauf» wollte er nicht reden - wohlwissend, dass nun mit den Spielen in Bochum und gegen Aufsteiger Köln die Charakter-Tests erst noch folgen.

Für die Hamburger dagegen nahm der Hauptstadt-Fluch kein Ende. Die ambitionierten Norddeutschen kassierten die dritte Auswärtsniederlage in Serie und warten weiter seit dem 29. August 1997 auf einen Sieg in Berlin. «Es ist ärgerlich, wenn man in drei Minuten alles verspielt», sagte Trainer Martin Jol. Das forsche Auftreten seiner Elf vor der Pause war zwar das «beste Auswärtsspiel dieser Saison» (Petric) der chronisch in der Fremde schwächelnden Hamburger, doch das Wort zum Abschied gebührte Verteidiger Bastian Reinhardt: «Es war ein Fortschritt, aber wir haben null Punkte geholt. Das schmerzt.»

dpa

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