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50+1-Regel: DFL-Chef greift 96-Boss Kind an

Dortmund - Zwei Tage vor der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist der Ton in der Auseinandersetzung um die 50+1-Regel rauer geworden. Liga-Präsident Reinhard Rauball hat Martin Kind, den Vorstandschef von Hannover 96, scharf angegriffen.

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«Wer die Gerichte anruft, sollte auch über die Frage der Treuepflicht nachdenken», sagte der Jurist in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Kind will mit Hannover 96 gegen die 50+1-Regel klagen, die die Stimmenmehrheit von Investoren in den Clubs der Bundesliga verbietet.

96-Boss

Foto: dpa Bild vergrößern

Martin Kind ist der Präsident von Hannover 96.

Der 61 Jahre alte Liga-Chef mahnte an, dass jeder Club aus der Bundesliga auch eine Treuepflicht gegenüber den anderen Vereinen hat. «Es kann nur schwerlich sein, dass jemand die eigenen Vorteile, die eine Solidargemeinschaft bietet, in Anspruch nimmt, aber auf der anderen Seite bei der erst besten Gelegenheit die Vorteile sucht und die Solidargemeinschaft zu sprengen versucht», kritisierte Rauball.

Laut Rauball hat Hannover bislang aber keinen Antrag an die Mitgliederversammlung eingereicht. «Deshalb heißt der Tagesordnungspunkt auch nur: Diskussion über die 50+1-Regel. Dabei werden wir ein Stimmungsbild einholen», erläuterte der DFL-Präsident. Wie er dies einschätze, wollte er nicht sagen.

96-Chef Kind hatte in der «Sport Bild» drei mögliche Strategien zum juristischen Sturz der Regel offengelegt. Erste Möglichkeit wäre seiner Meinung nach die deutsche Rechtsnorm. «Das würde aber durch die Instanzen gehen und deutlich Zeit in Anspruch nehmen», sagte der 64-Jährige Unternehmer. Als aussichtsreichste Strategie favorisiert er die Klärung nach EU-Recht. «Hier würde es vermutlich viel schneller zu möglichen Ergebnissen kommen», sagte Kind.

Eine dritte Möglichkeit sieht er in Veränderungen der Struktur der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA, die für den Spielbetrieb des Bundesligisten zuständig ist. Dies wäre nach Meinung von Experten die risikoreichste Möglichkeit, die 50+1-Regel zu kippen, weil Hannover 96 damit gegen die bestehende Lizenz-Ordnung verstoßen würde.

Kind ist mit Hannover 96 seit Herbst 2006 Vorreiter im Kampf gegen die 50+1-Regelung. Der Streit bekam eine neue Dimension, nachdem der Fußball-Bundesligist Ende Oktober eine Klage angekündigt hatte, falls die DFL-Mitgliederversammlung der 36 Proficlubs am 21. November dem Liga-Vorstand folgt und die Regel Bestand hat. Nach DFL-Angaben ist für eine Änderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit sowohl in der Mitgliederversammlung als auch auf dem DFB-Bundestag erforderlich.

dpa

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