Freitag, 21. November 2008 / 10:59 Uhr
Dortmund - Aktiv, kreativ, effektiv - dank Tamas Hajnal darf der seit Jahren im grauen Mittelmaß versunkene Bundesligist Borussia Dortmund wieder auf bessere Zeiten hoffen. Nach vielen Fehleinkäufen für die Spielmacherposition entpuppt sich der Ungar mehr und mehr als Glücksgriff.
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Zum wiederholten Mal schlüpfte der neue BVB-Taktgeber am vorigen Spieltag beim 4:0 über Eintracht Frankfurt in die Rolle des Hauptdarstellers. Letzte Zweifel an seiner Entscheidung, vom Karlsruher SC nach Dortmund zu wechseln, sind mittlerweile ausgeräumt: «Ich bin hier rundum zufrieden.» Bereits elf Tore erzielte der BVB in dieser Saison nach Standards. Das ist Ligarekord und vor allem ein Verdienst des 1,3 Millionen Euro teuren Zugangs. Der Meister des ruhenden Balls bringt kopfballstarke Spieler wie Neven Subotic oder Felipe Santana mit präzisen Flanken in Position. So wie gegen Frankfurt, als drei seiner Eckstöße oder Freistöße zu Toren führten. Darüber hinaus setzt er mit hoher Laufbereitschaft und technischer Eleganz Akzente. Die Rolle als Führungsspieler bereitet ihm keine Probleme: «Auf meiner Position ist es wichtig, sich zu zeigen und sich nicht zu verstecken.»
Dortmunds Tamas Hajnal (l) kämpft bei einem Bundesliga-Spiel mit Frankfurts Michael Fink um den Ball.
Dabei sah es zwischenzeitlich nicht nach einer problemlosen Integration des ehemaligen Karlsruhers aus. In der von BVB-Trainer Jürgen Klopp zunächst favorisierten Taktik mit zwei defensiven Mittelfeldspielern kamen Hajnals kreative Qualitäten nicht zum Tragen. Als zweite «6» an der Seite von Sebastian Kehl blieb er hinter den Erwartungen zurück. «In dieser Aufgabe habe ich mich nicht wohlgefühlt», befand der Ungar, der erst nach der Umstellung auf eine offensivere 4-4-2-Variante mit Mittelfeldraute aufblühte.
Das Gehabe eines divenhaften Edeltechnikers mit Hang zur Selbstüberschätzung ist ihm fremd. Nicht zuletzt deshalb berief ihn Klopp nach nur wenigen Wochen beim BVB in den Mannschaftsrat. Dieser Vertrauensbeweis trug zur schnellen Eingewöhnung bei. Hajnal trat fortan nicht nur als Passgeber, sondern auch als Torschütze in Erscheinung. So wie beim UEFA-Cup-Rückspiel in Udine, wo der BVB ein 0:2 aus dem Hinspiel egalisierte. Doch ausgerechnet dem zweifachen Torschützen versagten beim anschließenden Elfmeterschießen die Nerven. Das Selbstvertrauen nahm jedoch keinen Schaden: «Natürlich war das ein bitterer Moment. Dennoch haben wir aus diesem Spiel viel Positives mitgenommen.»
Es spricht für die Bodenständigkeit des Regisseurs, dass er noch Kontakt zu seinen ehemaligen Mitstreitern aus Karlsruhe pflegt: «Ich habe viele Freunde im Team, mit denen ich oft telefoniere.» Dass es mit dem KSC seit seinem Wechsel zur Borussia stetig bergab geht, stimmt ihn nachdenklich. Gleichwohl glaubt er an den Klassenverbleib der Karlsruher: «Sie spielen nicht so schlecht, wie es die Ergebnisse aussagen. Das Team hat die Qualität, um mehr zu holen.»
Nicht auszuschließen ist, dass sein BVB-Kollege Giovanni Federico dem KSC im Abstiegskampf schon bald zur Seite steht. Anders als Hajnal kommt er in Dortmund nicht in Tritt. Der torgefährliche Mittelfeldspieler, der bereits ein Jahr früher ins Revier gewechselt war, stand im bisherigen Saisonverlauf nur 50 Minuten auf dem Platz. «Er macht keine einfache Zeit durch», sagte Trainer Klopp. Das Reservistendasein schürt bei Federico die Unzufriedenheit. Gerüchte über eine Rückkehr nach Baden schon in der Winterpause halten sich hartnäckig.
dpa
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