Sonntag, 23. November 2008 / 10:37 Uhr
Gelsenkirchen - Kevin Kuranyi ist weiter von allen guten Geistern verlassen, doch diesmal sprang Halil Altintop für den glücklosen Sturmkollegen in die Bresche.
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Mit seinen ersten beiden Saison-Toren (17./45. Minute) trug der türkische Fußball-Nationalspieler erheblich zum souveränen 3:1 (3:1)-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach bei und brachte den FC Schalke 04 nach den zwei bitteren Bundesliga-Niederlagen gegen Bayern München und Bayer Leverkusen wieder auf Kurs. Gleichwohl blieb Altintop bescheiden. «Als Stürmer willst du immer so viele Tore wie möglich schießen. Aber wir sind ein Team. Wer die Treffer erzielt, ist nicht so wichtig.»
Altintop freundet sich im von Trainer Fred Rutten favorisierten 4-3-3-System mit seiner Rolle auf den Außenpositionen immer mehr an, rochiert ständig mit Jefferson Farfán, der das 2:0 mit einem lässig verwandelten Foulelfmeter (23.) beisteuerte. Als klassischen Mittelstürmer sieht sich der laufstarke Türke nicht. «Kevin ist unser Torjäger. Ich bekleide eher eine andere Position, auf der ich mich sehr wohl fühle», betonte der 25-Jährige nach seinen Toren fünf und sechs gegen die Elf vom Niederrhein.
Kuranyis Abschlussschwäche dagegen bekommt fast tragische Züge. Schon in Leverkusen vor einer Woche hatte der Angreifer unbedrängt aus sieben Metern das Tor verfehlt, am Samstag ließ er freistehend im Fünfmeterraum zwei Großchancen aus. Dabei mangelt es ihm weder an Fleiß noch Selbstkritik. Offensiv ging er auf die Journalisten zu: «Soll ich die Fragen selbst stellen? Ich würde fragen, warum hast du schon wieder vorbei geschossen?» Eine Antwort aber hatte er nicht. «Die beiden Chancen muss ich reinmachen. Doch wenn wir so weitermachen, gewinnen wir die Spiele, auch wenn ich nicht treffe.»
Vehement verteidigt Rutten sein Sorgenkind gegen alle Kritiker. «Ich bin zufrieden mit Kevin. Er hat wieder viel für die Mannschaft gearbeitet. Dass ich ihn ausgewechselt habe, hatte nichts mit seiner Leistung zu tun.» Auch Altintop lobte seinen Nebenmann. «Es wundert mich immer wieder, dass Kevin ausgepfiffen wird. Aber das gehört dazu auf Schalke.» Psychologische Aufbauarbeit habe Kuranyi nicht nötig. «Ich bin sicher, dass Kevin mit den Pfiffen kein Problem hat.»
Borussen-Trainer Hans Meyer wäre froh, einen Stürmer wie Kuranyi in seinen Reihen zu haben. Immerhin erzielte Rob Friend (30.) sein fünftes Saisontor, was aber nichts an der verdienten Niederlage änderte. Mönchengladbachs Problemzone ist weniger die Offensive, vielmehr drückt hinten der Schuh. Man habe Schalke anfangs geradezu zum Toreschießen «aufgefordert», monierte Meyer. «Wenn es um Abwehrarbeit geht, ist es auch ein Qualitätsproblem.»
Nicht zuletzt deshalb suchte die Borussia wohl ihr Heil in der Flucht nach vorn, bemühte sich um konstruktives Spiel. Die Taktik war mutig, aber erfolglos, weil «Fehler in der Rückwärtsbewegung» (Torhüter Uwe Gospodarek) den Schalkern Räume eröffneten. «Bei eigenem Ballbesitz war es okay. Wir haben fußballerische Substanz. Aber die verpufft natürlich, wenn du 1:3 zurückliegst», so Meyer. Man dürfe auch nicht die «Maßstäbe verrücken» und glauben, Schalke im eigenen Stadion mal eben so wegzuhauen. Der Fokus gelte nun dem nächsten Spiel daheim gegen Cottbus. «Da ist dann richtig Nervendruck dabei.»
dpa
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