Montag, 1. Dezember 2008 / 12:18 Uhr
Bochum - Großer Aufwand, mäßiger Ertrag: Nach dem 1:1 des Hamburger SV bei den Remis-«Königen» des VfL Bochum herrschte in beiden Lagern kollektives Rätselraten, ob das Glas halb voll oder halb leer ist.
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«Wir müssen für unsere Erfolge zu viel Aufwand betreiben. Mit dem Punkt kann keiner zufrieden sein. Bochum braucht die Zähler im Abstiegskampf, und wir brauchen sie, um an der Spitze dranzubleiben», analysierte HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer den typischen Einerseits-andererseits-Charakter der Partie im rewirpower-Stadion.
Einerseits ist Bochum nun schon seit elf Spielen ohne Sieg, spielte schon zum achten Mal unentschieden und kommt so nicht aus dem Tabellen-Keller. Andererseits machte der VfL gegen einen Top-Club über 90 Minuten ein gutes Spiel, war laut Trainer Marcel Koller «vom Anpfiff bis zum Abpfiff präsent» und erspielte sich zahlreiche gute Tormöglichkeiten. «Es gibt Mannschaften, die mit solchen Chancen zwei Spiele gewinnen», meinte Koller, der aber ebenso wenig den Mut sinken lässt wie Marcel Maltritz: «Wenn wir weiter so auftreten, können wir die nächsten Spiele in Frankfurt und gegen Köln gewinnen.»
Auch die Bilanz von Torjäger Stanislav Sestak fiel fifty-fifty aus. Einerseits brachte er den Revierclub mit einem herrlichen Fallrückzieher (39.) mit 1:0 in Front. Andererseits vergab er aber den zweiten Saisonsieg, als er beim Stand von 1:1 in der 83. Minute allein auf Frank Rost zustürmte, den HSV-Keeper umspielte und dann den Ball ans Lattenkreuz des verwaisten Tores hämmerte. «Ich habe alles richtig gemacht und schon gedacht, es wäre ein Tor. Jetzt bin ich nur noch traurig», klagte der Slowake.
Gemischte Gefühle hatte auch Hamburgs Trainer Martin Jol. Einerseits gelang seinem Team durch den eingewechselten Ivica Olic (70.) noch der Ausgleich, durch den die vierte Auswärtsniederlage in Serie vermieden wurde. Andererseits konnten die Hanseaten ihre reifere Spielanlage und technisch wie taktische Überlegenheit nicht zu einem Sieg nutzen und verloren gegenüber der Bundesliga-Spitze weiteren Boden.
Gleichwohl sah Jol, der die Defensive und die Außenbahnen mit der Hereinnahme von Jerome Boateng und Marcell Jansen für die Offensiv-Kräfte Piotr Trochowski und Olic stabilisieren wollte, eher das Positive. «Der Gegner wäre froh, wenn er 27 Punkte hätte. Wir sind noch im DFB-Pokal und UEFA-Cup dabei und in einer Entwicklung», meinte der Niederländer, der sich aber auch über ein wegen angeblichen Handspiels nicht gegebenes Tor von Paolo Guerrero und ein nicht gepfiffenes Bochumer Foul vor dem 0:1 Foul ärgerte. «Dennoch können wir vielleicht mit einem Punkt leben», bilanzierte Jol.
Dass der Coach ihm wegen der zuletzt großen Belastungen eine Pause gönnen wollte, mochte der erst in den Schlussminuten eingewechselte Trochowski nicht einsehen. «Der Trainer hat nicht mit mir gesprochen, ich war schon sehr überrascht. Ich bin fit, und es ist für keinen Spieler schön, draußen zu sitzen. Man ist immer enttäuscht, wenn man nicht spielt», sagte der Nationalspieler, der am 4. Dezember im UEFA-Cup-Spiel bei Slavia Prag aber wieder in die Startelf rücken dürfte.
dpa
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