Montag, 1. Dezember 2008 / 14:49 Uhr
Gelsenkirchen - Königsblauer Katzenjammer: Bei den Knappen hat sich nach der ernüchternden 0:2-Pleite beim VfB Stuttgart die Krise verschärft. «Die Zeiten auf Schalke sind sehr, sehr schwer», räumte Trainer Fred Rutten geknickt ein, «jetzt wird es noch schwerer.»
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Statt mit Überraschungs-Spitzenreiter 1899 Hoffenheim und Rekordmeister Bayern München um den Titel wettzueifern, dümpelt der selbst ernannte Champions-League-Kandidat in der Fußball-Bundesliga als Tabellen-Neunter mit elf Punkten Rückstand zum Spitzenreiter im Mittelfeld herum. «Wir haben uns das anders vorgestellt und haben auch ganz andere Ansprüche», betonte Nationalspieler Jermaine Jones.
Auch einen Tag nach dem Stuttgart-Spiel war der Seelenkater noch nicht verschwunden. Rutten betonte zwar, er habe noch «sehr viel Spaß an der Arbeit», aber: «Ich hätte noch mehr Spaß, wenn die Ergebnisse besser wären.» Man werde in verantwortlicher Position leider vor allem danach bewertet, «was nicht gut läuft». Manager Müller appellierte an das gesamte Umfeld, in der «sehr kritischen Situation» näher zusammenzurücken. «Am besten mit der Unterstützung von allen, die Schalke so lieb gewonnen haben.»
Aufbruchstimmung dagegen herrscht beim VfB. Der Trainerwechsel macht sich bezahlt, die Trendwende ist geglückt. Innerhalb von nur vier Tagen haben die völlig verunsicherten Schwaben unter ihrem neuen Teamchef Markus Babbel die Talfahrt gestoppt. Nach dem ermutigenden 1:1 im UEFA-Cup bei Sampdoria Genua feierte Stuttgart mit dem schwer erkämpften Sieg im Krisengipfel das zweite Erfolgserlebnis, auch wenn fußballerisch noch vieles im Argen liegt. «Wir müssen unser Spiel noch dominanter durchbringen, agieren und nicht reagieren», wies Babbel auf die unübersehbaren Schwächen hin. «Meine Philosophie lautet: Mit Mumm nach vorne spielen.»
Der vorerst bis zur Winterpause als Veh-Nachfolger installierte Babbel wollte trotz aller «wahnsinnigen Freude» über seine geglückte Bundesliga-Heimpremiere und zuvor fünf sieglosen Punktepartien noch nicht von einer Wende sprechen. «Dafür ist es zu früh. Wir müssen das Gezeigte 90 Minuten lang bieten.» Aber nach den zurückliegenden turbulenten Wochen könne man noch keine spielerischen Glanztaten erwarten. Für die Profis ist dagegen das Tief überwunden. «Die Wende ist da», stellte Jungnationalspieler Serdar Tasci einen Um- und Aufschwung fest. «Es herrscht wieder eine andere Stimmung und wir haben Selbstvertrauen.»
Von solchen Zuständen können die Schalker nur träumen. Vor der UEFA-Cup-Gruppenpartie am Mittwoch bei Twente Enschede brodelt es gewaltig. Vergeigen die Schalker auch dieses Schlüsselspiel und damit den Einzug in die K.o.-Runde, dürften Müller und Rutten noch stärker in die Schusslinie geraten. Der FC-Vorsitzende Josef Schnusenberg widersprach zwar Spekulationen über eine mögliche Trennung von seinem besonders in der Kritik stehenden Vorstandskollegen Müller oder dem Coach: «Ich kann mir weder das Eine noch das Andere vorstellen.» Allerdings sei er «der falsche Ansprechpartner; das ist Sache des Aufsichtsrates».
Der niederländische Trainer beugte einem weiteren Negativerlebnis sicherheitshalber vor: «Da wird es ganz, ganz schwierig, etwas zu holen», rückte Rutten seine Schützlinge gegen seinen Ex-Club Enschede beinahe schon in die Außenseiterrolle. Der Druck ist immens: «Wir müssen dort gewinnen, um am letzten Spieltag nicht von anderen Clubs abhängig zu sein.»
Dabei schien Schalke in Stuttgart auf einem guten Weg. Ein kläglich vergebener Elfmeter durch Jefferson Farfan (16.) und weitere leichtfertig vertane Großchancen in der ersten Halbzeit rächten sich aber später bitter. «Es ist ärgerlich, wenn man sieht, dass wir erneut Chancen liegenlassen haben», sagte Jones. «Wir hatten das Spiel im Griff.» Jetzt sei natürlich - zusätzlich zur Ergebniskrise - auch noch die Stimmung in der Mannschaft schlecht.
dpa
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