Mittwoch, 3. Dezember 2008 / 19:41 Uhr
Frankfurt/Main - Milliardär Dietmar Hopp hat mit seinen Investitionen in seinem Heimatverein 1899 Hoffenheim den Aufstieg des Dorfclubs bis an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga möglich gemacht.
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Dem 68 Jahre alten SAP-Mitbegründer ist in den vergangenen Monaten deshalb auch viel Neid entgegengeschlagen. Das Spitzenspiel seiner Mannschaft beim FC Bayern München wird der Mäzen von seinem Urlaubsziel in Florida aus verfolgen.
Ist Hoffenheim spielerisch schon auf einem Niveau mit dem deutschen Meister?
«Nein. Mit den Bayern im August/September sicher ja. Aber seit Franck Ribéry wieder dabei ist, halte ich die Bayern für das beste Team der Liga.»
Haben Sie bereits eine Meisterprämie für ihre Hoffenheimer ausgelobt - oder eine für das Erreichen der Champions League?
«Daran haben wir noch keinen Gedanken verschwendet. Die einzige Prämie, die wir vereinbart haben, ist eine Nicht-Abstiegs-Prämie. Aber wir haben andere Anreize für unsere Spieler parat: Im Januar ziehen wir um in die hochmoderne Rhein-Neckar-Arena und im Herbst kommenden Jahres beziehen die erste Mannschaft und unsere U 23 ein neues Trainingszentrum in Zuzenhausen.»
Ist der FC Bayern Vorbild für ihren Verein, was seine Struktur angeht?
«Ich denke, dass die Bayern für jeden Club in Deutschland ein Vorbild sind. Viele Jahrzehnte Kontinuität und sportliche Höchstleistung sind das unverwechselbare Markenzeichen der Bayern.»
Sie sind trotz der Hoffenheimer Erfolgsserie in die USA gereist. Wie und wo haben Sie sich über die letzten Siege informiert?
«Ich habe in Florida die Spiele gegen Köln und Bielefeld über Internet-Fernsehen angeschaut. Die Qualität lässt zwar zu wünschen übrig - aber was heißt das schon bei so schönen Siegen wie in Köln und gegen Bielefeld. Und «live» dabei zu sein, war mir ganz besonders wichtig.»
Werden Sie zum Schlager in München einfliegen?
«Nein, ich brauche noch ein paar Tage zum Ausspannen. Und unser Spiel bei den Bayern wird sogar im amerikanischen «Gol-TV» übertragen, darüber freue ich mich ganz besonders.»
Mit Franz Beckenbauer verbindet Sie eine Golf-Freundschaft - oder mehr?
«Ich denke, der Franz und ich ticken in vielerlei Hinsicht gleich, nicht etwa nur als leidenschaftliche Golfer. Franz hat, wie ich auch, eine Stiftung gegründet, die unverschuldet in Not geratenen Menschen behilflich ist. Mir imponiert vor allem aber auch seine Menschlichkeit in vielen Situationen, die ich immer wieder erlebe.»
Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann war Gründer der Stiftung Jugendfußball, die sie von Anfang an unterstützt haben. Freuen Sie sich, dass seine Arbeit allmählich Früchte trägt, obwohl die Münchner damit ihrer Mannschaft wieder näher gerückt sind?
«Natürlich freue ich mich für Jürgen, dass der Erfolg sich eingestellt hat - ich war davon übrigens immer überzeugt. Wir haben auch noch heute Kontakt. Ich hoffe natürlich, dass wir noch ein paar Spieltage vor den Bayern liegen.»
Uli Hoeneß hat ein paar Giftpfeile in Richtung Hoffenheim abgeschossen. Schätzen Sie ihn dennoch?
«Ich schätze seinen Mut ohne diplomatische Floskeln die wesentlichen Probleme anzugehen. Er ist aber auch ein exzellenter Geschäftsmann, dem die Bayern viel zu verdanken haben. Diese positiven Eigenschaften verbindet er noch mit einem bewundernswerten sozialen Einfühlungsvermögen - Bayern lässt keinen Ehemaligen im Stich. Und Hoeneß war es auch, der in Not geratenen Vereinen unter die Arme gegriffen hat.»
Würden Sie ihren Angriff mit Demba Ba, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic gegen Luca Toni, Miroslav Klose und Franck Ribery eintauschen?
«Ich fürchte, die drei Bayern könnten wir gar nicht bezahlen, schon von daher würde sich ein Tausch gar nicht machen lassen. Außerdem würde wahrscheinlich bei allen Genannten möglicherweise durch Eingewöhnung in eine neue, fremde Umgebung ein Leistungsabfall eintreten.»
Hat sich die Bundesliga aus ihrer Sicht mittlerweile mit Hoffenheim abgefunden, sprich: Ist der Neid, sind die Pöbeleien Ihnen gegenüber weniger geworden?
«Wir erfahren zwischenzeitlich viel Anerkennung und man begegnet uns auch mit deutlich mehr Respekt, als noch zu Rundenbeginn. Viele sehen Hoffenheim als Bereicherung der Bundesliga, da kann man nicht davon sprechen, dass man sich mit uns «abgefunden» hätte. Auch in den Medien steht jetzt das Sportliche an erster Stelle. Ob die Hasstiraden gegen meine Person weniger geworden sind, vermag ich noch nicht zu beurteilen.»
Interview: Ulrike John, dpa
dpa
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