Mittwoch, 3. Dezember 2008 / 12:46 Uhr
Berlin - Der Wind dreht sich bei Hertha BSC - und bläst trotz der jüngeren sportlichen Erfolgsgeschichte überraschend dem mächtigen Manager mitten ins Gesicht.
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«Ich habe keine Ahnung, was dahinter steckt», erklärte Dieter Hoeneß vor dem UEFA-Pokal-Hit gegen Galatasaray Istanbul, der eigentlich der positive Jahres-Höhepunkt für den aufstrebenden Hauptstadtclub und auch seinen «Macher» Hoeneß sein sollte. Doch die Schlagzeilen im Boulevard machte der «Zoff der Bosse»: Präsident kontra Manager und Geschäftsführer. «Der Manager hatte die Chance, öffentlich den Aufschwung von Hertha darzustellen. Aber er hat Dieter-Hoeneß-Festspiele daraus gemacht», übermittelte Clubchef Werner Gegenbauer ungewohnt offensiv via «Morgenpost».
Dabei galt Gegenbauer bisher als Vertrauter des Managers, erst an der Spitze des Aufsichtsrates, seit sechs Monaten als Präsident. Mit sportlichen Beurteilungen hielt sich der Dienstleistungs-Unternehmer stets zurück und verwies auf die Kompetenzen von Hoeneß und Trainer Lucien Favre. Doch nun waren es Gegenbauer offensichtlich zu viele «ich» statt «wir», die der Manager bei seinen jüngsten öffentlichen Auftritten verwendet hatte, wenn es um den Aufschwung bei Hertha bis auf Rang drei der Bundesliga-Tabelle ging. Zudem hält der Präsident den Zeitpunkt für falsch, um sich schon für ein aufgegangenes Konzept feiern zu lassen. «Wir haben noch nichts erreicht», betonte Gegenbauer in der «Bild»-Zeitung und schloss an: «Wir wollen, dass alle im Verein den Ball flach halten. Alle!»
Erhitzt hatten sich die Gemüter vor allem an zwei Hoeneß-Aussagen. Zunächst hatte er sein Lebenswerk bei Hertha mit dem seines Bruders Uli beim FC Bayern verglichen: «Ich bin so vermessen zu sagen, dass ich bei Hertha Vergleichbares geleistet habe wie Uli in München.» Dann hatte der 55-Jährige sein lange geplantes Ausscheiden als Vorsitzender der Geschäftsführung der Hertha KG auf Aktien für Sommer 2010 zwar bestätigt, ein Comeback im Profi-Fußball, in welcher Form auch immer, aber nicht ausgeschlossen. In der Hertha-Chefetage bezog man dies offenbar auch auf den eigenen Club. Im kommenden Jahr wollen die Gremien über neue Führungs-Modelle diskutieren, die Machtfülle von Hoeneß könnte dann auf mehrere Schultern verteilt werden.
Hoeneß wollte in einem dpa-Gespräch kein zusätzliches Öl ins Feuer gießen, sagte aber deutlich: «Wenn man ein Problem hat, halte ich es für normal, wenn man darüber spricht.» Auch den Vergleich mit seinem Bruder Uli verteidigte der Manager: «Dazu stehe ich.» Denn es sei ein wenig ein Vergleich «zwischen Äpfeln und Birnen», wenn man Bayern und Hertha nehme. Der FC Bayern sei schon in seiner aktiven Zeit eine «Weltmarke» gewesen, bei Hertha habe er 1996 in der 2. Liga «bei minus 20» angefangen. Chefcoach Favre, der unscheinbar daherkommt, aber die Bundesliga aufmischt, war ohne Frage Hoeneß' Wunschtrainer. Dabei ist der Schweizer auch für den Manager alles andere als bequem, krempelte seit 2007 das Hertha-Team fast komplett um.
Bei den Verschiebungen im Macht-Dreieck zwischen Hoeneß, Gegenbauer und Favre ist der Cheftrainer in eine stärkere Position gerückt. «Ich fühle mich jetzt wohler als vor eineinhalb Jahren, ich kenne alles besser», sagte Favre, der noch im Sommer von viel Skepsis begleitet wurde, als er an Herthas Angriff auf die nationale Spitze für 2010 festhielt. «Viele haben gesagt, Hertha kann das nicht erreichen», bemerkte Favre, warnte aber wie Präsident Gegenbauer: «Wir sind im Plan. Aber jetzt müssen wir alles richtig machen.»
dpa
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