Mittwoch, 3. Dezember 2008 / 17:15 Uhr
Sinsheim - Zwei Tage vor dem Bundesliga-Gipfeltreffen wetzt 1899 Hoffenheim die Messer, der FC Bayern München vermeidet hingegen weitere scharfe Attacken gegen den Tabellenführer und Klassen-Neuling.
anzeige
Jürgen Klinsmann hat seine Profis eindringlich vor dem Dorfclub gewarnt. «Es wird ein schwieriges Spiel gegen eine sehr gut eingespielte Mannschaft», erklärte der Coach des deutschen Fußball-Rekordmeisters vor der Partie am Freitag. «Wir haben praktisch ein Sechs-Punkte-Spiel um die Spitze vor uns.» Hoffenheims Coach Ralf Rangnick sagte selbstbewusst: «Wir wollen nicht ihre Trikots haben, sondern - um es flapsig zu formulieren - ihren Skalp.»
Ein Medienrummel mit 50 Journalisten und zehn Kamerateams hat den Club aus dem 3300-Einwohner-Dorf auf den Schlager eingestimmt. «Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, müssen Sie nach München fahren. Wenn sie flotten Fußball sehen wollen, sind Sie in Hoffenheim richtig», sagte Rangnick bei der bisher größten Pressekonferenz des Aufsteigers. «Wir wollen dafür sorgen, dass die Geschichte etwa so ausgeht wie in den Asterix-Heften», kündigte Rangnick an.
Dank eines Zaubertranks waren die Comic-Helden aus dem gallischen Dorf schier unschlagbar, doch das Geheimnis des Muntermachers konnte der 50-Jährige nicht lüften. «Der Doc ist im Moment nicht da», meinte er schmunzelnd. Bayern-Star Franck Ribéry erzählte der Zeitschrift «Sportbild» von einem französischen TV-Team, das zuvor in Hoffenheim war: «Die haben mir gesagt: Das ist wie bei Asterix! Sie konnten gar nicht fassen, dass ihnen die Leute dort sogar mit Traktoren entgegenkamen.»
Mit Vollgas ist der Dorfclub nun auf Champions-League-Kurs. Auf die Frage eines englischen Reporters, wann Hoffenheim gegen den FC Chelsea und Manchester United spiele, sagte Rangnick: «It's a long way to go.» Ein langer Weg zur Herbstmeisterschaft ist es nicht mehr: Vor dem Spitzenspiel beim Rekordmeister und dem letzten Vorrunden-Heimspiel gegen den FC Schalke 04 führen die Nordbadener die Tabelle mit drei Punkten und sechs Toren Vorsprung vor München an.
«Wir wollen gewinnen, müssen dafür aber ans absolute Limit gehen», meinte Rangnick. Die Hoffenheimer Fans sind auch gespannt, ob ihre Mannschaft Ribéry in den Griff bekommt. Der hatte den FC Bayern 25 Millionen Euro Ablöse gekostet. «Dafür könnten wir unseren Kader zwei bis drei Jahre unterhalten», sagte Rangnick und konterte damit die Attacke von Münchens Manager Uli Hoeneß, der gemeint hatte, in Hoffenheim werde mehr Geld bezahlt, als man immer erzähle.
Der Spitzenreiter ist jedoch nicht so vermessen, gleich die ganze Hierarchie auf den Kopf stellen zu wollen. Rangnick: «Wir haben nicht den Anspruch, uns auf der Ebene, auf der sich Bayern befindet, zu bewegen. Wenn die Saison normal läuft, dann wird Bayern deutscher Meister», sagte er - und ergänzte: «Aber nicht jede Saison läuft normal. Wir haben schon einige Male bewiesen, dass wir für eine Überraschung gut sind.» Freistoß-Spezialist Sejad Salihovic gab erstmals zu, dass er vor seiner Vertragsverlängerung auch mit den Münchnern Gespräche geführt habe. «Aber den Bayern ging es wohl mehr darum, Hoffenheim zu ärgern», sagte der Bosnier. Sein Landsmann Vedad Ibisevic, der mit 17 Treffern die Torschützenliste in der Bundesliga anführt, kündigte in der «Bild»-Zeitung an, nächste Saison «definitiv» in Hoffenheim zu bleiben.
«Es ist klar, dass die Spieler heiß sind bis in die Haarspitzen», sagte Klinsmann. «Wir erwarten von uns, gegen einen Bundesliga- Konkurrenten zu Null zu spielen», ermahnte er seine wiederholt schwächelnde Defensive. Für die Partie hätten nach Angaben des Rekordmeisters 150 000 Tickets verkauft werden können. Zwischen 6000 und 8000 Hoffenheim-Fans werden in der 69 000 Besucher fassenden Allianz-Arena erwartet.
dpa
0 Kommentare | Kommentare verstecken
Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.
"Fussball ist mehr als nur ein Sport. Fussball ist Euphorie, Religion und Droge zugleich." Aktuelles zur Droge Fussball, spitz und ohne redaktionelle Schranken, aus unserem Fussball Blog
Die Finalniederlage der EM ist langsam verdaut...also kucken wir mal auf die neue Saison
Jürgen Wegmann: Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.
Kommentar schreiben