Donnerstag, 4. Dezember 2008 / 12:33 Uhr
Berlin - Frust oder Fest: Hertha BSC steht nach der ersten Europacup-Heimpleite seit über drei Jahren und dem selbst gemachten Theater in der Führungsetage vor einer brisanten Vorweihnachtszeit.
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In den noch ausstehenden drei Spielen bis zum Heiligen Abend wird sich entscheiden, ob der Hauptstadtclub die in den vergangenen Wochen entfachte Aufbruchstimmung mit ins Jahr 2009 nehmen kann, oder ob es in Berlin einen großen Neujahrs-Kater gibt. «Wir müssen Top- Leistungen bringen», forderte Trainer Lucien Favre direkt nach der 0:1-Pleite im UEFA-Pokal-Duell gegen Galatasaray Istanbul.
Gegen die von Ex-DFB und -Leverkusen-Coach Michael Skibbe trainierten Türken mit den Stars Lincoln und Milan Baros war das den Berlinern nicht gelungen. Nun bleibt nur der Strohhalm, dass am 18. Dezember bei Olympiakos Piräus nach zwei Remis und einer Niederlage der erste Sieg in der UEFA-Cup-Gruppenphase und damit doch noch der Sprung in die attraktive K.o.-Runde gelingt. Der Glaube daran allerdings fällt schwer. Zu deutlich führte Galatasaray den Hertha-Profis und den rund 25 000 blau-weißen der insgesamt 62 612 Fans im Olympiastadion - der weitaus größere Teil bejubelte den «Heimsieg» der Türken - vor, dass Platz drei in der Bundesliga noch lange nicht mit Spitzenfußball gleichzusetzen ist. «Schlechte Balleroberung, zu viele Ballverluste, zu wenig Präsenz», zeichnete Favre die deutlichen Mängel seine Teams vor allem in der ersten Halbzeit auf.
Doch damit wollte sich der Schweizer Coach ebenso wenig aufhalten wie mit der Steigerung zum Spielende oder mit der Leistung des von den Herthanern hart kritisierten Referees Nicola Rizzoli. Der Italiener hätte eigentlich für Istanbul zwei und für Hertha gleich drei Elfmeter geben können, zeigte aber nur beim unglücklichen Handspiel von Steve von Bergen auf den Punkt. Baros (69.) ließ sich die Chance nicht entgehen. «Der Schiri war ein Witz», fluchte Hertha-Kapitän Arne Friedrich. Und Kollege Andrej Woronin empfahl, dass Rizzoli «in der Regionalliga pfeifen» solle. «Wir müssen nicht zu lange darüber sprechen», forderte Favre jedoch sein Personal auf.
Der Chefcoach spürt genau, was in den kommenden Spielen auf dem Spiel steht. «Ich muss die positiven Dinge als Trainer hochhalten», sagte Favre und betonte: «Wir müssen jetzt alles richtig machen.» Das betrifft auch die Chefetage, in der es weiter kräftig rumort. Präsident Werner Gegenbauer hat sich die Kritik an den jüngsten, seiner Meinung nach zu «ich»-bezogenen Äußerungen von Manager Dieter Hoeneß von seinen Präsidiums-Kollegen absegnen lassen: «Die sehen das genauso.» Zwar könne man über die Verbreitung der Kritik über die Medien streiten, «aber inhaltlich habe ich keinen Millimeter zurückzunehmen. Es ist jetzt, wie es ist».
Der Weihnachts-Friede im Hause Hertha ist wohl nur zu retten, wenn sich die lange Zeit als Freunde geltenden Chefs aufeinander zubewegen - und die Mannschaft weitere Rückschläge vermeidet. «Ganz klar: Wir müssen bei Olympiakos gewinnen», benannte Trainer Favre die heikelste Advents-Aufgabe. Ganze zwei Pünktchen haben die Berliner bisher gesammelt, die Griechen drei. «Wenn wir in Piräus so spielen wie in den letzten 30 Minuten gegen Galatasaray, werden wir gewinnen», bemerkte Stürmer Woronin optimistisch. «Die Mannschaft wird ihr Äußerstes geben», versprach Lizenzspieler-Chef Michael Preetz, der sich aus den Querelen in der Chefetage öffentlich heraushielt.
dpa
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