Donnerstag, 4. Dezember 2008 / 10:28 Uhr
Wolfsburg - In Fußball-Wolfsburg tut sich was. Der einstmals ungeliebte VfL hat sich auf den Weg gemacht, zu einer guten Adresse für deutsche Talente zu werden, die die große Bühne erobern wollen. Marcel Schäfer ist das Paradebeispiel dafür.
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Innerhalb von nur gut einem Jahr hat sich der Verteidiger aus der zweiten Liga in die Nationalmannschaft gespielt. «Die erste Saison war ein Lehrjahr. Inzwischen habe ich den nächsten Schritt gemacht. Ich kann mir gut vorstellen, länger in Wolfsburg zu bleiben», sagte der 24 Jahre alte Schäfer, der in der Nähe von Aschaffenburg aufgewachsen ist.
Von dort stammt auch VfL-Trainer Felix Magath, der Schäfer gleich nach seinem Amtsantritt von 1860 München nach Wolfsburg lotste. Aus gutem Grund und mit tollem Erfolg. Der offensivstarke Verteidiger mit dem satten Schuss avancierte mit sechs Toren aus 29 Partien auf Anhieb zu einem der stärksten Außenverteidiger der Bundesliga. Spätestens nach seinem Debüt in der Nationalelf steht er auch auf den Wunschzetteln der Konkurrenz ganz oben.
Allerdings umsonst. Der Kicker mit Köpfchen, der ein abgeschlossenes Sportmanagement-Studium vorzuweisen hat und momentan spanisch lernt («Damit ich mich besser mit den südamerikanischen und südeuropäischen Mitspielern verständigen kann»), steht unmittelbar vor der Vertragsverlängerung. «Es haben positive Gespräche stattgefunden. Die letzten Details klären meine Berater und der Verein», berichtete Schäfer. Um zwei weitere Jahre bis 2012 will er sich binden - natürlich zu verbesserten Konditionen.
Schäfers Kollege Christian Gentner hat dies schon längst getan, sehr zu Magaths Freude, aber zum Leid von Stuttgarts Manager Horst Heldt, der den dynamischen Mittelfeldspieler seinem ehemaligen Chef eigentlich nur leihweise überlassen wollte. Zwei Millionen Euro und Gentners Drängen (Heldt: «Er wollte unbedingt in Wolfsburg bleiben») stimmten den VfB-Sportchef um. Die Entscheidung dürfte er inzwischen bereut haben, hat sich doch der 23-Jährige mittlerweile ebenfalls für höhere Aufgaben empfohlen.
Schäfer und Gentner sind so etwas wie «Pioniere» des Aufschwungs. In der zweiten und dritten Reihe arbeiten weitere Talente, die ihnen folgen wollen. Magath hat aus Fürth Daniel Adlung (21) geholt, aus Kaiserslautern Alexander Esswein (18). Kevin Wolze (18) ist aus England in die Heimat zurückgekehrt. In den Nachwuchsvertretungen, von denen die A-Junioren im Frühjahr deutscher Vizemeister wurde, stehen weitere hoffnungsvolle Akteure, die das Gütesiegel VfL prägen wollen.
Der junge Magath wäre vielleicht auch darunter gewesen, selbst wenn er sich das vor einem knappen Jahr noch nicht vorstellen konnte. «Wenn ich jetzt Spieler wäre - so 22, 23, 24 - und ich hätte Perspektive, in der Nationalmannschaft zu spielen. Da glauben Sie doch nicht wirklich, wenn ich die Wahl hätte, dass ich sagen würde: Ich gehe zum VfL», sagte der 55-Jährige damals. Der kluge Magath würde sich die Entscheidung heute zumindest überlegen.
dpa
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