Freitag, 5. Dezember 2008 / 12:54 Uhr
München - Endlich konnte Weltmeister Luca Toni den langjährigen Fußball-Nobody Vedad Ibisevic einmal persönlich kennenlernen. Viel hatte er vom Bosnier, dessen Namen der Italiener in dieser Saison zum ersten Mal in seinem Leben vernahm, schon gehört oder gelesen.
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Woche für Woche hatte der 24-Jährige dem amtierenden Bundesliga-Torschützenkönig die Schau gestohlen und sich mit großem Vorsprung auf Platz eins der von Toni so heiß geliebten Torjägerliste gesetzt. «Seine Treffer sprechen für sich. Das zeigt, dass er ein guter Spieler ist», befand Toni, der in der Vorsaison mit 24 Treffern die Torjägerkrone gewonnen hatte und diese für die laufende Spielzeit noch lange nicht abgeschrieben hat. «Das motiviert mich und auf der anderen Seite ärgert es mich, weil ich gewohnt war, gejagt zu werden. Und jetzt bin ich eben Jäger.»
Sieben Treffer hatte Bayern-Profi Toni bis zum direkten Duell der Torjäger in München auf dem Konto, sechsmal traf sein Sturmpartner Miroslav Klose. Das hatten sie mit den Gäste-Kickern Chinedu Obasi (6) und Demba Ba (7) gemein - und trennte sie vom bis zum Liga-Gipfel 17-fachen Torschützen Ibisevic. «Der Vorsprung ist groß und sicher nicht in einem Spiel aufzuholen», räumte Klose kurz vor der Winterpause ein. «Aber man kann nicht davon ausgehen, dass der Lauf bis zum Saisonende anhält. Den einen oder anderen Stocker wird er haben und den dürfen wir uns dann nicht leisten. Dann werden wir auch in die Nähe kommen», sagte der 30-Jährige, selbst Torschützenkönig der Saison 2005/06.
Sollte der Bosnier, der vor anderthalb Jahren für 1,2 Millionen Euro von Alemannia Aachen zu den Hoffenheimern gewechselt war, allerdings die von Klose prophezeiten «Stocker» nicht bekommen, dann ist gar Gerd Müllers Torrekord von 40 Treffern aus der Saison 1971/72 in Gefahr. «Wenn er so weitermacht, dann schafft er auch die 40-Tore- Marke und dann werde ich ihm gratulieren», sagte der Weltmeister von 1974 - und brachte damit den Shootingstar fast in Verlegenheit. «Es macht mich stolz, wenn ein so großer Spieler wie Gerd Müller so etwas sagt. Aber ich denke nie im Leben daran, seinen Torrekord zu übertreffen. Seine Quote ist für mich erschreckend», gestand der bosnische Nationalspieler in der «Welt».
Diese Quote traut auch Toni dem vermeintlich schon enteilten Konkurrenten im Kampf um die Torjägerkrone, der in dieser Saison die traumwandlerische Treffsicherheit vor dem Tor besitzt, die den Italiener selbst in der vergangenen Spielzeit so auszeichnete, nicht zu. «Es ist sehr schwierig, so einen Rhythmus weiter zu behalten», erklärte der Bayern-Stürmer. Er setzt bei seiner geplanten Aufholjagd vor allem auf das «schöne Dreieck» aus ihm, Klose und Ribéry. «Die Laufwege passen. Wir finden immer mehr zueinander», betonte der 31- Jährige.
Dass dabei die Verständigung innerhalb des deutsch-französisch- italienischen Trios nicht immer 100-prozentig klappe, sei sogar ein Erfolgsgeheimnis: «Mit meisterlichen Spielern muss man nicht reden, mit denen muss man einfach spielen.»
dpa
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