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Thannhausen freut sich auf den BVB

Thannhausen - Sebastian Steidle hätte zwar gerne den Bayern die Lederhosen ausgezogen, doch auch Borussia Dortmund ist dem Amateurfußballer aus Thannhausen ein willkommener Pokalgegner.

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Der Torhüter der Turn- und Sportgemeinschaft und mit ihm die rund 6000 Einwohner der schwäbischen Kleinstadt zwischen Augsburg und Ulm fiebern seit der Auslosung am 16. Juli dem «Spiel des Jahrhunderts» gegen den Bundesligaclub aus dem Ruhrpott entgegen. «Das ist das größte Erlebnis in meiner bisherigen Fußballerlaufbahn», gesteht Steidle und verspricht den 11 000 Zuschauern am Samstag im ausverkauften Mindelstadion mit einem verschmitzten Lächeln eine Sensation: «Wir schlagen Dortmund im Elfmeterschießen.»

Dem 21 Jahre alten EDV-Kaufmann ist es zu verdanken, dass die fünftklassigen Landesliga-Fußballer der TSG Thannhausen zum ersten Mal seit 31 Jahren wieder in der Hauptrunde des DFB-Pokals stehen. Ein Debakel wie damals, als man Bayer Leverkusen mit 0:6 unterlag, soll es diesmal nicht geben. «Natürlich sind wir krasser Außenseiter, aber wenn wir möglichst lange kein Gegentor kassieren, ist vielleicht was möglich», sagt Trainer Oliver Schmidt. «Meine Mannschaft ist körperlich und geistig gut drauf.»

Der 28 Jahre alte Hobby-Trainer, der an der Universität Augsburg Sport und katholische Religionslehre studiert, bereitet seine Feierabendkicker «ganz normal» auf das Duell zwischen David und Goliath vor. Die Rekordkulisse im Mindelstadion, wo sonst im Schnitt 300 Zuschauer ihre Mannschaft anfeuern und nun für 90 000 Euro Zusatztribünen installiert wurden, bereitet Schmidt wenig Sorgen. Das könne belasten, aber auch zusätzliche Kräfte frei machen, meint der Coach, der den größten Bammel vor Dortmunder Standardsituationen hat: «Da ist uns eine Bundesligamannschaft haushoch überlegen.»

Seit dem großen Los für die «Perle im Mindeltal» regiert in Thannhausen «König Fußball». In Kneipen, Geschäften, Vereinen und auf der Straße dreht sich alles um das Gastspiel des BVB. «Das absolute Highlight. Tinga, Dede, Smolarek und Valdez im Mindelstadion, unglaublich», schwärmt Abteilungsleiter Alexander Graf von Schönborn, dessen Team vor völlig ungewohnten Aufgaben stand. «Dieses Spiel hat für uns eine ganz neue Dimension», erklärt der 2. Vorsitzende Klaus Richter. Als Pressesprecher muss er den Medienansturm organisieren - und Platz finden für die Ü-Wagen des Bayerischen Rundfunks, der die Partie für die «Sportschau» aufzeichnet.

Mittlerweile ist alles gerichtet für das größte Ereignis in der 116-jährigen Vereinsgeschichte. Die in der Landesliga nicht existenten Coaching-Zonen auf dem Platz sind eingerichtet, die Dopingtests sind organisiert, und die mit elf Sonderbussen anreisenden 800 BVB-Fans mit Karten versorgt. Das Bierzelt ist aufgebaut, das Showprogramm steht - und die Mannschaft um Kapitän Marian Dischl und den kroatischen Torjäger Mijo Stijepic, der in der vergangenen Saison 21 Treffer erzielte, ist bereit.

Wenn das von Bürgermeister Johannes Schropp als «Jahrhundertereignis» gefeierte Spektakel vorbei ist, muss die schwäbische Provinzstadt wieder mit der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, dem Alten Rathaus oder dem Heimatmuseum um Besucher werben. Es sei denn, Thannhausen kommt eine Pokalrunde weiter.

dpa

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