Mittwoch, 15. April 2009 / 19:31 Uhr
Manchester - Charaktertest statt Selbstläufer: Der Hamburger SV will auf dem Weg in sein erstes europäisches Halbfinale seit 26 Jahren das angeschlagene Millionen-Ensemble von Manchester City auf keinen Fall zum Stolperstein werden lassen.
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Trotz der guten Ausgangsposition nach dem 3:1 im Hinspiel warnte Kapitän David Jarolim davor, zu siegessicher in das Duell auf der Insel zu gehen: «Das ist noch nicht vorbei. Wir müssen Gas geben und kämpfen.» Spätestens seit dem späten Schock im Titelrennen beim VfB Stuttgart dürfte aber keine Gefahr bestehen, dass der HSV das Team um Fußball- Künstler Robinho auf die leichte Schulter nimmt. «In diesem Spiel wird sich zeigen, ob wir Charakter haben», befand Keeper Frank Rost vor der UEFA-Cup-Partie.
Die Vorzeichen, dass die Hanseaten auf ihrer Triple-Jagd ein Achtungssignal an die nationale und internationale Konkurrenz senden, sind gut. Fast immer, wenn sie in dieser Saison unter Zugzwang standen, antworteten die Schützlinge von Trainer Martin Jol mit Bravour. Zudem haben sie bislang alle Auswärtspartien in dieser UEFA-Cup-Saison gewonnen, zuletzt in Istanbul sogar einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg verwandelt. «Wir sind so weit gekommen. Jetzt mit dem Unterschied von zwei Toren, hoffen wir, dass wir auch ins Halbfinale kommen», sagte Jol auf der Pressekonferenz.
Vor den Wochen der Wahrheit, in denen die Hamburger viermal binnen 19 Tagen auf den Nordrivalen Werder Bremen treffen könnten, verleiht der Glaube an den ersten Titel seit 1987 (Sieg im DFB-Pokal) zusätzliche Kräfte. «Man fühlt in unserer Kabine die besondere Stimmung. Wir haben die wichtigsten Spiele des HSV seit langer Zeit vor uns», sagte Innenverteidiger Michael Gravgaard. Auch Jol ist vom Titelfieber gepackt: «Alles ist noch drin. Auch für mich ist das natürlich eine große Herausforderung.»
Dass der Bundesligist wieder einmal personell am Stock geht - acht Akteure fehlen verletzt oder sind nicht spielberechtigt - ficht Nationalspieler Marcell Jansen nicht an: «Wir hatten doch schon ganz andere Rückschläge.» Gegen die Engländer, fünftbestes Heim-Team der Premier League, dürfte Jol aber vor allem der Ausfall der Defensiv-Allrounder Guy Demel und Collin Benjamin (beide muskuläre Probleme) schmerzen. Dafür war der zuletzt angeschlagene Brasilianer Alex Silva beim Abschlusstraining dabei, was nichts daran ändert, dass Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer eine Partie «auf des Messers Schneide» erwartet.
Zumal der Bundesligist auf einen Gegner trifft, der unter enormem Druck steht. In der Liga sind die mit Scheich-Millionen «gesegneten» Citizens nur Elfte, für die langfristige Weiterbeschäftigung des in der Kritik stehenden Trainers Mark Hughes könnte die K.o.-Runde vorentscheidend sein. «Es wird für uns ein Charaktertest», sagte der Ex-Hamburger Nigel de Jong, der ein 2:0 für «machbar» hält und wieder auf der Tribüne Platz nehmen muss. Nach der verpatzten Generalprobe gegen Fulham (1:3) forderte Hughes Vincent Kompany & Co. jedenfalls auf, gegen den HSV «die Brust rauszustrecken und alles zu versuchen». Mut macht dem Waliser gegen die «europäische Top-Mannschaft» die Stärke im heimischen Stadion: «Unsere Heimform ist das strahlende Licht in dieser Saison.»
Die Statistik spricht aber eindeutig für dessen Kollegen Jol, der bisher alle sieben Pflichtspiele als Coach gegen ManCity gewonnen hat. Dies soll auch am Donnerstag so bleiben, damit der Bundesliga- Dritte weiter drei Möglichkeiten hat, «ein bisschen in die HSV- Geschichte» einzugehen, wie es der zuletzt überzeugende Dennis Aogo formulierte.
Die voraussichtlichen Aufstellungen: Hamburger SV: Rost - Boateng, Gravgaard, Mathijsen, Jansen - Jarolim, Aogo - Pitroipa, Guerrero, Trochowski - Olic
Manchester City: Given - Richards, Onuoha, Dunne, Garrido - Wright-Phillips, Zabaleta, Ireland - Robinho, Sturridge, Petrow
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
dpa
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