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Ein Club mit Kohle - Donezk will Werder einheizen

Donezk - Ein Besuch beim ukrainischen Fußballclub Schachtjor (zu deutsch: Bergmann) Donezk gleicht einer Zeitreise in das Ruhrgebiet der 1960er Jahre.

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Wenn am Horizont der ostukrainischen Kohlemetropole die Abendsonne versinkt, bieten die qualmenden Hüttenbetriebe und Kohlekraftwerke ein Panorama wie einst in Dortmund-Hörde oder Duisburg-Ruhrort. Doch der Finalgegner von Werder Bremen im UEFA-Cup-Endspiel in Istanbul ist längst in der Gegenwart des europäischen Spitzenfußballs angekommen.

Der Mann mit der Kohle heißt in Donezk Rinat Achmetow. Der 42- jährige Multi-Milliardär gilt als einflussreichster Geschäftsmann seines Landes, auch wenn man dem gern in legerer Strickjacke gekleideten Tataren diese Machtfülle auf den ersten Blick nicht ansieht.

Wie viele Millionen der rothaarige Oligarch selbst in der gegenwärtigen schweren Stahlkrise pro Saison noch in den Verein steckt, ist ein Betriebsgeheimnis. Es dürfte aber im Zweifelsfall sogar mehr sein als bei westlichen Spitzenvereinen. Denn Fußball- Stars wie der kroatische Kapitän Dario Srna oder die Brasilianer Jadson und Fernandinho lassen sich in der Regel nur mit ordentlichem Aufschlag in das raue Donbass-Becken an der Grenze zu Russland locken.

Dass Geld jedoch nicht alles ist, zeigen die bislang schleppenden Donezker Vorbereitungen für die EURO 2012, die die Ukraine mit Polen ausrichtet. Vor allem bei der Bereitstellung von geeigneten Hotels und anderen Infrastruktur-Maßnahmen hapert es noch gewaltig. Die UEFA gewährte Donezk aber gemeinsam mit Lwiw und Dnjepropetrowsk eine Gnadenfrist bis Ende November.

Schachtjors Fußballer, eine bunt gemischte Osteuropa-Auswahl mit brasilianischer Unterstützung, spielen zwar längst auf Westniveau, doch es fehlt noch der ganz große Wurf. Der soll gegen Werder Bremen gelingen. Der rumänische Trainer Mircea Lucescu, der im defensiven Mittelfeld auf den gesperrten Tschechen Tomas Hübschman verzichten muss, setzt auf eine taktisch versierte Abwehr - und davor auf die Kreativkünste seiner Brasilianer. Im UEFA-Cup machten die Donezker bereits gute Erfahrungen mit der Bundesliga. In der Saison 2004/05 war für Schalke 04 schon in der dritten Runde gegen die Ostukrainer Schicht im Schacht.

In der laufenden ukrainischen Meisterschaft mussten die Ostukrainer dem ungeliebten Hauptstadtclub Dynamo Kiew einmal mehr vorzeitig den Titel überlassen. Die Donezker Fans sind auf Kiew ähnlich schlecht zu sprechen wie die Bremer auf Hamburg. Ebenso wie Werder gelang es den Donezkern aber im UEFA-Cup-Halbfinale, den Erzrivalen auszuschalten. Zuvor hatten die Donezker in den L.o.- Runden schon Tottenham, ZSKA Moskau und Marseille bezwungen.

Die Mannschaft um ihren kroatischen Kapitän «Super-Dario» Srna will fünf Jahre nach dem Kurzzeit-Engagement von Trainer Bernd Schuster gegen Werder den «Anfang einer Ära» perfekt machen. Weil mit dieser Saison der UEFA-Cup sein Ende findet, hoffen die Donezker, dass sie im Falle eines Endspielsieges den Pokal behalten dürfen. Der soll dann einen Ehrenplatz im neuen Fünf-Sterne-Stadion nach UEFA- Normen am Lenin-Park erhalten. «Wir müssen den Cup aber erst mal gewinnen», warnte Achmetow in der Vorwoche vor zu viel Optimismus. Die für 2008 geplante Eröffnung der «Donbass-Arena» hatte sich in der Finanzkrise immer wieder verzögert. Als neuer Termin steht nun der 29. August als symbolträchtiges Datum fest - der Tag des Bergmanns.

Die Einweihung des modernsten Stadions Osteuropas soll ein Feiertag für die gesamte Ukraine werden. Nur Staatspräsident Viktor Juschtschenko wäre dabei unerwünscht, nicht nur weil er Kiew-Fan ist. Juschtschenko drängt mit Macht in die NATO, während die überwiegend russischsprachigen Ostukrainer es weiter mehr mit Moskau halten. Vor allem haben die Donezker Fußball-Fans Juschtschenko bis heute aber nicht verziehen, dass er 2004 zur friedlichen Revolution in Orange aufgerufen hat - denn das ist seit langen Zeiten die Vereinsfarbe von Schachtjor Donezk.

dpa

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