→ Meldung

Donezk: Das Symbol ukrainischer Erfolgsvisionen

Istanbul - Der Star ist der Trainer, der Club-Besitzer ein milliardenschwerer Harvard-Absolvent, und auch die Vereinshymne lässt keinen Zweifel an den Erfolgs-Visionen von Schachtjor Donezk.

anzeige

Alles ist ein bisschen anders beim ambitionierten Spaß-Projekt des ukrainischen Oligarchen Rinat Achmetov, der bei einem Sieg im UEFA- Cup-Finale gegen Werder Bremen pro Mann 400 000 Euro Prämie springen lassen will. «Schachtjor ist ein Stern, Schachtjor ist die Zukunft», heißt es im Kultsong der Fans, dabei ist der Überraschungs-Finalist längst in der Gegenwart des europäischen Spitzenfußballs angekommen.

Zuversichtlich

Foto: dpa Bild vergrößern

Trainer Mircea Lucescu von Schachtjor Donezk ist am Tag vor dem Finale gut gelaunt.

«Wir werden Geschichte schreiben», prophezeit Donezk' rumänischer Coach Mircea Lucescu denn auch vor dem Duell im Istanbuler Sükrü Saracoglu-Stadion. Nach den UEFA-Cup-Siegen von ZSKA Moskau 2005 und Zenit St. Petersburg 2008 will der ukrainische Vizemeister den Aufschwung des osteuropäischen Fußballs fortsetzen.

Lucescu bemühte sich, auf der Abschlusspressekonferenz vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte Gelassenheit auszustrahlen. Den Zufall ausschließen ist sein taktischer Großauftrag, und dementsprechend defensiv sieht sein Masterplan für den Sieg aus. Der kroatische Kapitän und Abwehrchef Dario Srna und die beiden erfahrenen Aufpasser Razvan Rat (Rumänien) und Igor Duljaj (Serbien) führen den kompakten Sicherheitsdienst an. Davor sorgen die teuren Brasilien-Importe Fernandinho, Ilsinho und Feingeist Jadson, der mit seinen 1,68 Metern glatt als Diego-Imitat durchgehen könnte, für spielerische Fantasie und überfallartigen Konterfußball. Sturm-Solist im vorgesehenen 4-4-1-1-System ist Luiz Adriano.

Bildergalerie

LeftGallery
RightGallery

10 000 mitgereiste Fans und Lucescus Vergangenheit als gefeierter Meistertrainer bei Galatasary und Besiktas sollen Heimspielatmosphäre versprühen. «Ich liebe Istanbul. Die türkischen Zuschauer kennen jede Einzelheit des Fußballs», sagte Lucescu und will mit dieser offenen Liebeserklärung die türkischen Zuschauer auf seine Seite bringen. Seine Strategie war Tabuthema, aber bis auf den gelb-gesperrten Tomas Hübschmann (Tschechien) kann er seine Bestbesetzung aufbieten.

«Wir haben sehr viel kreative Qualität. Das stimmt mich zuversichtlich, aber Bremen ist sehr gefährlich», so Lucescu, der spätestens seit seinen Engagements bei Inter Mailand, Galatasaray und Besiktas Istanbul international profiliert ist. Achmetov gab dem 63-Jährigen freie Hand, sein Wunsch-Team zusammenzukaufen - mit dem Gewinn von Titeln als einziger Prämisse. Herausgekommen ist eine Samba-Auswahl mit osteuropäischer Defensiv-Disziplin. «Ohne unseren Präsidenten Achmetov wären diese Erfolge nicht möglich», betont Lucescu dankbar bei nahezu jeder Gelegenheit.

Es gibt in der Tat angenehmere Orte zum Leben und Fußballspielen als die Bergarbeiter-Stadt im Osten der Ukraine, aber Achmetovs finanziellen Argumente sind überzeugend. Geschätzte 500 Millionen Euro hat der Sohn eines Bergmanns schon in den Verein gepumpt. Bayern Münchens neuer Mittelfeld-Dynamiker Anatoli Timoschtschuk war vor seinem Wechsel nach St. Petersburg in Donezk Kapitän, und sogar Spanien-Liebhaber Bernd Schuster wirkte von Juni 2003 bis Mai 2004 in der rauen Industrie-Metropole am Donez. «In Osteuropa entwickelt sich ein interessanter Markt», hatte Schuster schon damals erkannt. Auf ihn folgte Lucescu, und mit dem Taktik-Fanatiker kam der Erfolg. Drei ukrainische Meisterhaften und zwei nationale Pokalsiege später steht der Verein vor dem größten Triumph der 73-jährigen Club-Historie.

Dabei hatte diese bemerkenswerte Saison aus ukrainischer Sicht - neben Schachtjor und Dynamo Kiew stand auch Charkow im UEFA Cup-Achtelfinale - so ernüchternd für die Donezk-Profis begonnen. In der Champions-League hagelte es zunächst vier Pleiten, ehe Lucescus Team in den letzten beiden Spielen 5:0 gegen den FC Basel und 3:2 beim FC Barcelona gewann. Nach dem Abstieg in den UEFA-Cup wurden dann nacheinander Tottenham Hotspur, ZSKA Moskau, Olympique Marseille und im Halbfinale Erzrivale Dynamo Kiew düpiert. So hört sich Lucescus Realismus auch ganz plausibel an: «Die Champions League war ideal zum Einspielen. Wer solche Kaliber wie Tottenham, Moskau, Marseille und Kiew aus dem weg räumt, kann auch Bremen schlagen.»

dpa

Diesen Artikel bookmarken bei...
del.icio.us Mister Wong Technorati Google Linkarena Oneview Folkd YiGG

0 Kommentare | Kommentare verstecken

Kommentar schreiben


Bundesliga Live

Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.

Fussball Manager

Fussball Manager - FussballCup

Fussball-Spruch des Tages

Heribert Faßbender: Sie sollten das Spiel nicht zu früh abschalten. Es kann noch schlimmer werden.