Donnerstag, 21. Mai 2009 / 11:42 Uhr
Istanbul - Geld schießt doch Tore und gewinnt Titel. Die 500-Millionen-Euro-Investition von Clubbesitzer Rinat Achmetow hat sich gelohnt, der osteuropäische Fußball ist nach dem verdienten UEFA-Cup-Triumph von Schachtjor Donezk weiter auf dem Vormarsch.
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Nach den Siegen von Zenit St. Petersburg im vergangenen Jahr und ZSKA Moskau 2005 glaubt Schachtjors rumänischer Coach Mircea Lucescu sogar an einen osteuropäischen Champions-League-Erfolg in naher Zukunft. «Unser Sieg wird für alle osteuropäischen Teams noch mehr Anreiz sein. Jetzt werden alle einen Erfolg in der Champions League als Ziel haben, und das ist machbar», erklärte der 63-Jährige in Istanbul und feierte das 2:1 nach Verlängerung gegen Werder Bremen als «Krönung» seiner Trainer-Laufbahn.
Präsident Viktor Juschtschenko - ein Fan von Dynamo Kiew - gratulierte den Siegern: «Das ganze Land feiert heute mit euch. Euer Erfolg hat wieder einmal gezeigt, dass die ukrainischen Mannschaften zur europäischen Fußball-Elite zählen.» Regierungschefin Julia Timoschenko hatte das Spiel daheim vor dem Fernseher im orangenen Trikot von Schachtjor verfolgt: «Gestern habe ich zwei Stunden lang die Finanzkrise, die Kredite des Internationalen Währungsfonds und die ganze Politik vergessen. Denn gestern hatte der Fußball das Regiment. Nun kenne ich die Namen der Donezker Spieler genau so gut wie die Minister meiner Regierung.»
Die bunt zusammengekaufte Mannschaft des ukrainischen Vizemeisters mit fünf Brasilianern, einem Kroaten, einem Polen, einem Rumänen und nur drei Ukrainern wirkte als Kollektiv wesentlich homogener als die verunsicherten Bremer. «Wir wollten die Trophäe unbedingt, und das hat man gesehen. Wir haben verdient gewonnen», analysierte der Siegtorschütze Jadson. Sein Landsmann Luiz Adriano, in der 25. Minute für das 1:0 verantwortlich, ergänzte: «Ich werde diese Nacht nie vergessen. Es war ein hartes Stück Arbeit. Wir hätten das Spiel schon in der ersten Halbzeit entscheiden müssen.»
Die 10 000 mitgereisten Schachtjor-Fans tanzten am Taksim-Platz in der türkischen Millionenstadt bis in die frühen Morgenstunden. Lucescus Team hat durch die Glanzstunde etwas Hoffnung in die raue Industriemetropole im Osten der Ukraine gebracht. 500 000 Euro soll jeder Schachtjor-Akteur für den historischen Triumph im 38. und letzten UEFA-Cup-Endspiel von Achmetow, dem reichsten Oligarchen der Ukraine, bekommen. Lucescu hofft, der milliardenschwere Mäzen lässt den Geldhahn offen. «Ich hoffe, dass die Mannschaft zusammenbleibt und ich sie weiter verstärken kann», meinte Lucescu, «das ist ein fantastischer Tag, aber ich will mehr. Jetzt ist auch in der Champions League das Viertel- oder Halbfinale drin.»
Auch die Bemühungen der Ukraine, als Co-Gastgeber der EM 2012 neben Polen eine gute Rolle zu spielen, haben durch Schachtjors Coup einen positiven Schub bekommen. Zuletzt hatte die Exekutive der Europäischen Fußball-Union (UEFA) dem Ausrichter einen Denkzettel verpasst und nur Kiew als offiziellen Spielort bestätigt. Mit der Eröffnung der modernen Donbass-Arena am 30. August will Donezk als zweite ukrainische Stadt den Zuschlag erhalten. Dann wäre Achmetows Fünf-Jahres-Plan vollendet.
dpa
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