Donnerstag, 21. Mai 2009 / 14:57 Uhr
Istanbul - Die Bremer Spieler wischten sich noch Tränen aus den Augen, schlurften mit hängenden Köpfen über den Rasen des Sükrü-Saracoglu-Stadions und schauten enttäuscht den feiernden Donezk-Kickern zu, da schrien die Fans bereits: «Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.»
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Die letzte Hoffnung heißt Berlin! Nur der DFB-Pokal kann jetzt Werder Bremens verkorkste Saison noch retten, nachdem der Fußball-Bundesligist den Erfolg für die Ewigkeit verpasst und das letzte Finale des UEFA-Cups verloren hat. Mit einer Mischung aus Tapferkeit und Trotz sagte Werder-Manager Klaus Allofs nach dem 1:2 in der Verlängerung gegen Schachtjor Donezk: «Das ist ja das Schöne - wir haben noch ein Endspiel.»
Werder droht nun das Schicksal des in zwei Halbfinals geschlagenen Hamburger SV - am Ende einer langen Saison mit leeren Händen dazustehen. Allofs versuchte deshalb, sofort nach vorne zu schauen, während die Spieler noch trauerten und mit der Fassungslosigkeit kämpften. «Ich bin enttäuscht und traurig», gab Torsten Frings zu, für den es ganz besonders schmerzlich war. Der Nationalspieler verlor sein drittes internationales Finale nach der WM 2002 und der EM 2008: «Das ist bitter.» Die schwache Leistung des Nationalspielers war allerdings auch symptomatisch für das zaudernde Auftreten der Bremer gegen die technisch besseren Donezker, die als erstes ukrainisches Team den UEFA-Pokal gewannen und direkt in die neue Europa League einzogen.
«Viele Spieler sind mit der Situation nicht zurechtgekommen», analysierte Allofs. «Sie waren nervöser, als man das gedacht hatte und sind hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben.» Der Ausgleich des später untröstlichen Naldo (35. Minute) war nach dem Rückstand durch Luiz Adriano (25.) zu wenig - und wegen eines Torwartfehlers obendrein glücklich. Der nur schwer zu bremsende Jadson besiegelte in der Verlängerung (97.) das Schicksal der über weite Strecken zu zaghaften Bremer.
«Wir waren zu ängstlich. Wir hätten aggressiver sein müssen», beschrieb Torhüter Time Wiese treffend. «Warum das so war, weiß ich nicht.» Für ihn war allerdings klar, dass der Ausfall des gesperrten Starspielers Diego ein wesentlicher Grund für den Final-K.o. war: «Seine Klasse hat uns gefehlt.» Auch Stürmer Claudio Pizarro, der aus dem Mittelfeld nur ganz selten verwertbare Anspiele erhielt, kam zu dem Schluss: «Ohne Diego geht es nicht. Man konnte sehen, wie wichtig er ist.» Der junge Mesut Özil war mit der Aufgabe überfordert, das Spiel zu machen. Der vom Istanbuler Publikum anfangs ausgepfiffene Deutsch-Türke machte im linken Mittelfeld ausgerechnet im Finale eines seiner schwächsten Saisonspiele. Özil erhielt allerdings von den Routiniers wie Frings kaum Unterstützung.
«Das Ärgerliche ist, dass wir gewonnen hätten, wenn wir komplett gewesen wären», sagte Allofs: «Das ist heute klar geworden.» Neben Diego fehlten der ebenfalls gesperrte Hugo Almeida und Abwehrchef Per Mertesacker sowie der langzeitverletzte Daniel Jensen. Der Werder- Sportdirektor versuchte daher, die Zuversicht zu verbreiten, «dass es beim nächsten Endspiel besser wird. Dann ist Diego wieder dabei, und mit Hugo haben wir andere Möglichkeiten im Sturm.»
Noch auf dem Rasen, bevor die Donezk-Profis den Pokal in den Nachthimmel von Istanbul stemmten, holte Thomas Schaaf seine Spieler zusammen und schwor sie auf die letzte Chance im Berliner Olympiastadion am Samstag in einer Woche ein. «Der Trainer hat zu uns gesagt, wir müssen die Ernüchterung in Motivation umwandeln», berichtete Frings.
Vor dem DFB-Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen, das auch die Möglichkeit zur Europa-League-Qualifikation bietet, müssen die Bremer allerdings noch an diesem Samstag bei Bundesliga-Spitzenreiter VfL Wolfsburg antreten und könnten dort im Titelkampf das Zünglein an der Waage sein. «Die Wolfsburger haben vor dem Fernseher gelegen und sich die Hände gerieben, als es in die Verlängerung ging. Dass wir da in der Außenseiterrolle sind, muss ich nicht erwähnen», sagte Allofs, versicherte aber: «Wir werden alles versuchen.»
dpa
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