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Wieder nix: Das Finaltrauma von Torsten Frings

Istanbul - Der Augenblick der Wahrheit traf Torsten Frings am Bosporus ganz besonders hart. Erschöpft und gedemütigt verabschiedete sich der Werder-Star durch die schmerzhafte 1:2-Niederlage im UEFA Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk von einer weiteren Titelillusion.

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Das dritte große internationale Finale verloren nach den Endspielpleiten bei der WM 2002 und EM 2008, selbst auffällig unauffällig gespielt und keine Erklärung für die mäßige Vorstellung im wichtigsten Saisonspiel. Mit leerem Blick und schwerem Gang trottete der Fußball-Nationalspieler wie der geschlagene Anführer einer Selbsthilfegruppe zum Mannschaftsbus.

Traumatisiert

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Durch die Niederlage verlor Bremens Torsten Frings eine weitere Titelhoffnung.

Da hatten sich die volatilen Seiten der Fußball-Branche längst wieder einmal offenbart. Mit leiser Stimme versuchte er erst gar nicht, seinen Seelenkater zu verstecken. Die erbarmungslosen Fragen nach seinem Finaltrauma wirkten wie ein Gefühlsverstärker. «Das ist bitter», stammelte Frings, «ich bin enttäuscht und traurig.» Er hätte es nicht sagen müssen, sein Gesicht sagte alles. Ein weiterer Titeltraum wie Zwieback zerbröckelt.

Auf der rechten Seite im Mittelfeld war der 32-Jährige zu weit weg vom Machtzentrum in der Mitte, um das Kreativvakuum der Bremer zu füllen. Mit 71 Ballkontakten hatte er nur knapp halb so viele wie der überragende Donezk-Kapitän Dario Srna, und auf der Tribüne war Bundestrainer Joachim Löw auch noch Zeuge der oft vergeblichen Bemühungen des Bremer Routiniers. Nationalmannschafts-Kollege Mesut Özil war in seinem ersten Endspiel sogar völlig überfordert, verließ kommentarlos die Arena, aber für den 20-Jährigen wird es wohl nicht das letzte Finale gewesen sein. Für Frings bleibt dagegen als bitteres Vermächtnis der Dienstreise nach Istanbul, dass ihm auf der Suche nach dem ersehnten internationalen Titel wie seinem guten Kumpel Michael Ballack die Zeit davonläuft.

«Was sollen wir machen?», fragte er ratlos, «in einem Finale sind die Chancen immer 50:50.» Erklärungen für den fehlenden Mut zur Entschlossenheit seines Teams hatte er nicht, Gründe für die vielen Abspiel-, Denk- und Stellungsfehler auch nicht. Und einen Qualitätsnachweis für den gewünschten Stammplatz in der Nationalmannschaft konnte Frings im Sükrü Saracoglu-Stadion nicht erbringen. Im Gegenteil. Nach seinen Kampfansagen im Vorfeld der Partie («Wir werden uns zerreißen») war er eher ein schüchterner Taktgeber.

Frings zwang sich nach der Ernüchterung, den Blick nach vorn zu richten, aber überzeugend klangen seine Durchhalteparolen nicht: «Wir haben noch eine Chance gegen Leverkusen im DFB-Pokal, die müssen wir jetzt nutzen.» Der Triumph in Berlin wäre der dritte Pokalsieg seiner Karriere neben einem Meistertitel mit den Bayern, doch der 79-malige Nationalspieler hat andere Ansprüche. Frings will seine Karriere mit einem internationalen Coup veredeln. Wie ein Verdursteter hatte er bei der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Duell gegen Schachtjor die vor ihm aufgebaute UEFA Cup-Trophäe angestarrt, sie aus Aberglaube aber nicht berührt. Stolz posierte er neben dem 15 Kilo schweren Pott für die Photographen. Ob er in seiner illustren Karriere noch einmal so nah dran sein wird?

dpa

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