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Feuer am Himmel: «Fußballkrieg» nach Fußballsieg

Tegucigalpa - Vor genau 40 Jahren schoss Mauricio «Pipo» Rodriguez sein Land in den siebten Himmel. Mit dem Siegtor zum 3:2 am 27. Juni 1969 in der Nachspielzeit gegen Honduras erreichte El Salvador erstmals die Endrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft.

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«Es war ein wunderbares Gefühl», erinnert sich «Pipo» noch heute. «Wir hatten die beste Mannschaft in Mittelamerika besiegt.» Doch wenige Tage später brach ein bewaffneter Konflikt zwischen den beiden mittelamerikanischen Nachbarländern aus, der als «Fußballkrieg» oder «100-Stunden-Krieg» in die Geschichte eingegangen ist. Es gab keinen Sieger.

«Ein Freund erzählte mir am selben Abend, dass es an der Grenze Probleme gab», sagt der Torschütze. «Es wurden Salvadorianer in Honduras misshandelt. Mit Fußball hatte das nichts zu tun.» Es dauerte nicht mehr lange, und am 14. Juli wurde scharf geschossen. El Salvador schickte seine 4000 Soldaten gegen die 4000 bewaffneten Honduraner, die nicht vorbereitet waren.

«Wir haben das nie geglaubt», sagt der honduranische Dokumentarfilmer Walter Hernández. «Es ist eine Beleidigung für die Intelligenz der Völker, sie glauben zu machen, dass der Fußball der Kriegsgrund gewesen sei.» Hernández ist gerade dabei, einen mehrteiligen Film fertigzustellen. Er hat in beiden Ländern Politiker, Fußballer, Historiker und Zeitzeugen befragt. Sein Fazit: Der Krieg, bei dem zwischen 2500 und 6000 Menschen zu Tode kamen, diente den Interessen der korrupten Führungsschichten in beiden Ländern sowie den Interessen internationaler Unternehmen, die in beiden Ländern Bananenplantagen betrieben.

«Die ungeliebte Diktatur in Honduras befürchtete, vom Volk davongejagt zu werden», sagt Hernández. «Und die Herrscher in El Salvador wollten außerdem verhindern, dass die 300 000 Landsleute in Honduras nicht in die Heimat zurückkehrten.» Vor allem für El Salvador war die Migration der entscheidende Kriegsgrund. Landmangel, Armut und Perspektivlosigkeit großer Bevölkerungsschichten führten in dem kleinen Land dazu, dass es seine wachsende Bevölkerung nicht ernähren konnte. Rund 300 000 Salvadorianer hatten sich in dem größeren Nachbarstaat Land angeeignet, in der Regel aber ohne rechtliche Titel. Viele arbeiteten auf Bananenplantagen.    

Der Krieg hat nach Ansicht von Hernández in beiden Ländern tiefe Spuren hinterlassen. «Es ist noch ein Zorn zu spüren, aber unterschwellig.» Beide Völker hätten ihn nicht verarbeitet, formell gab es weder Sieger noch Verlierer. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) war eingeschritten und hatte den Konflikt nach 100 Stunden beendet. «Beide hätten ohnehin nicht länger durchgehalten, weil sie einfach nicht vorbereitet gewesen waren», erklärt Hernández.

Nach dem Krieg setzte die große Migration aus El Salvador, aber auch aus den anderen Ländern Mittelamerikas in die USA ein. Ein Drittel der Bevölkerung des Landes lebte bis zum Ende des vergangenen Jahres in den USA. Doch die derzeitige Weltwirtschaftskrise hat bereits viele von ihnen zur Rückkehr in die Heimat gezwungen. «Die Machtgruppen in unseren Ländern haben angefangen zu zittern, weil es zu sozialen Problemen kommen kann», betont Hernández. «40 Jahre sind vergangen, und wir sind immer noch nicht in der Lage, unsere eigenen Auswanderer wieder aufzunehmen.»

dpa

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