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Genialer Linksaußen: «Charly» Dörfel wird 70

Hamburg - Er war einer der besten Linksaußen Europas, Uwe Seelers kongenialer Sturmpartner, zudem als Schlitzohr und Pausenclown bekannt: In Gert «Charly» Dörfel feiert einer der großen Stürmer des Hamburger SV am 18. September seinen 70. Geburtstag.

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Der stets gut gelaunte Rentner, der sich mit Anfang 60 als Gerichtsvollzieher zur Ruhe setzte, ist immer noch viel unterwegs, aber auch etwas besonnener geworden. «Ich habe mich verändert, auch durch meine jüngere Frau, die auf mich aufpasst. Ich bin wohl etwas weise geworden, kann mehr zuhören als früher.» Zum Geburtstag will ihn seine Gattin mit einer Feier überraschen. «70 wird man nicht alle Tage», sagt Dörfel voller Vorfreude und hofft auf einen Gratulationsbesuch von Seeler.

Spaßvogel

Foto: dpa Bild vergrößern

HSV-Legende «Charly» Dörfel (Foto von 2006) war Uwe Seelers kongenialer Sturmpartner.

Ähnlich wie die Seelers mit «Vadder» Erwin, Uwe und Dieter bildeten auch die Dörfels mit Vater Friedrich und seinen Söhnen Gert und Bernd eine HSV-Familiendynastie. «Charly war ein einmaliger Linksaußen und ein großer Spaßvogel», sagt Uwe Seeler über den antrittsschnellen Dribbelkünstler, Flankengeber und Torjäger. Dörfel, der seinen Spitznamen in Anlehnung an die Witzfigur Charlie Brown verpasst bekam, wusste sich zu wehren, wenn der «Dicke» wieder einmal mit ihm schimpfte. Dann drohte er mit ungenauen Vorlagen.

«Ich musste immer ein paar Zentimeter höher springen, um auch die unerreichbaren Bälle zu bekommen», erzählt Seeler. Dörfels Flanken waren oft genauso krumm wie seine O-Beine. Nebenbei verulkte er Gegner und Mitspieler. Abseits des Fußballfeldes versuchte er sich als Schlagersänger («Das kann ich dir nicht verzeih'n») und - als ihm die Haare ausgegangen waren - in der Werbung für Toupets.

Zwischen 1958 und 1972 bereitete Dörfel unzählige Tore vor und traf auch selbst nicht zu knapp. Zwischen 1960 und 1964 spielte er elfmal in der Nationalelf, doch zur WM 1962 nahm ihn Bundestrainer Sepp Herberger nicht mit. Unter Nachfolger Helmut Schön wurde er im Trainingslager mit der Freundin im Bett ertappt. Das war's. «Bei meinem Talent hätte ich 100 Spiele für Deutschland machen müssen, aber ich habe mein Herz immer auf der Zunge getragen», meint er.

Mit Seelers Abschied 1972 musterte der damalige Coach Klaus Ochs den Stürmer nach vielen Eskapaden aus. Dörfel setzte sich nach Südafrika und später Kanada ab, ehe er seine Fußballer-Laufbahn beim früheren Hamburger Zweitligisten SV Barmbek-Uhlenhorst abschloss. Heute plagt er sich mit einer Arthrose im Bein. «Ich habe Schmerzen, aber ich fahre Fahrrad, schwimme in meinem Pool und kann auch noch vom Zehn-Meter-Turm springen», erzählt er.

Seinem Club hat Dörfel den Abschied bis heute nicht ganz verziehen. Dem neuen HSV-Museum stiftete er aber immerhin sein berühmtes Toupet und als Ehrenmitglied lässt er sich ab und zu bei Bundesliga-Partien sehen. «Der HSV hat es mit der Altenpflege nicht so im Sinn, das ist ja eine Großfirma geworden», stichelt er schon mal gegen seinen alten Club.

dpa

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