Freitag, 18. September 2009 / 12:25 Uhr
Frankfurt/Main - Der Torrichter-Test in der Europa League gerät zur geheimen Kommandosache vor einem Millionenpublikum - und sorgte bei Spielern und Trainern auf manchen Plätzen für Erheiterung und Ärger.
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«Jetzt haben wir wirklich einen Maulkorb. Wir haben von der UEFA extra nochmal eine Mail bekommen, dass wir über das Experiment nichts sagen dürfen», bestätigte Knut Kircher (Rottenburg), der als einziger deutscher Schiedsrichter an dem Pilotprojekt des internationalen Fußballs beteiligt war, der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Schiedsrichter Kelly (r) leitet mit seinen vier Assistenten die Partie Hertha - Ventspils.
Bei der 0:3-Pleite des Hamburger SV in Wien bekam Jerome Boateng in der 41. Minute im Strafraum den Ball an die Hand. Über ihr Headset verständigten sich der Torrichter und Schiedsrichter Ivan Bebek aus Kroatien darauf, dass es keine Absicht und somit kein Elfmeter war. «Die sind nicht aufgefallen, also waren sie gut», kommentierte HSV-Coach Bruno Labbadia den Auftritt der zusätzlichen Assistenten. Rapid-Coach Peter Pacult nahm es mit Wiener Schmäh: «Da stehen halt Zwei mehr unnütz herum. Ich denke nicht, dass es das Spiel zusätzlich belastet, wenn da zwei Pinguine mehr auf dem Platz herumlaufen.»
Eher unzufrieden mit der Torrichter-Premiere war auch Werder Bremen nach dem 3:2 bei Nacional Funchal - vor allem Aaron Hunt, der beim Stande von 2:2 an der Strafraumgrenze gefoult worden war, aber weder einen Freistoß noch einen Elfmeter zugesprochen bekam. «Im Grundsatz sind die sechs Schiedsrichter keine schlechte Sache, aber dann müssen sie auch solche Sachen sehen wie den klaren Elfmeter», meinte der verärgerte Stürmer. Torwart Tim Wiese sagte: «Vorher dachte ich, dass das Sinn machen könnte, aber nach dem heutigen Eindruck halte ich sie für eher überflüssig.» Das Ganze müsse sich eben noch einspielen, meinte Torsten Frings gelassen. Club-Chef Klaus Allofs hatte schon vorher geahnt: «Wenn wir fünf verschiedene Meinungen haben, dann wird's kompliziert.»
Der 40-jährige Kircher leitete die Partie zwischen Benfica Lissabon und BATE Borissow (2:0) und hatte neben seinen Assistenten Kai Voß und Robert Kempter auch noch Jochen Drees als «vierten Mann» und die beiden Torrichter Markus Schmidt und Peter Sippel dabei. Die sollen nicht nur darauf achten, ob der Ball im Zweifelsfall die Torlinie überschritten hat oder nicht, sondern auch bei anderen strittigen Situationen helfen.
«Es bleibt alles beim Alten!», kritisierte die portugiesische Zeitung «Correio da Manha». Keiner der beiden Torrichter habe beim Benfica-Spiel die Gelegenheit ergriffen, seinen Nutzen unter Beweis zu stellen. Einer habe ein Foulspiel im Strafraum gegen Lissabons Stürmer Oscar Cardozo, der andere ein Handspiel eines Verteidigers von BATE Borissow übersehen. «Ein guter Schiri, der aber nur schlecht unterstützt wurde», bilanzierte das Blatt.
Beim 1:1 zwischen Hertha BSC und Lettlands Meister FK Ventspils traten die Torrichter nicht groß in Erscheinung. Vor dem Anpfiff bot sich jedoch nicht nur den 13 454 Zuschauern, sondern auch den Profis ein neues Bild. «Es ist etwas ungewohnt, wenn da plötzlich fünf Schiedsrichter stehen und man ihnen vor dem Spiel die Hand geben muss», sagte Nationalspieler Arne Friedrich.
Die Torrichter sollen in den 144 Gruppenspielen der Europa League getestet werden, danach gibt es einen Abschlussbericht. Ob die zusätzlichen Assistenten eingeführt werden, entscheidet dann das für Regelfragen zuständige International Football Association Board. Zu einer Stellungnahme nach dem ersten Probelauf waren am Donnerstag weder die UEFA noch der Weltverband FIFA bereit. Die Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) haben längst klar gemacht, dass sie die Lösung mit dem Chip im Ball favorisieren.
dpa
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