Mittwoch, 14. Oktober 2009 / 15:56 Uhr
Paris - Die «Chollima», die geflügelten Pferde, sind wieder da: Bei ihrem ersten Europa-Besuch nach 43 Jahren ist die Fußball-Nationalelf von Nordkorea in Frankreich mit Toren allerdings ebenso geizig umgegangen wie mit Worten und öffentlichen Auftritten.
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Nach dem 0:0 gegen Zweitligist FC Nantes gab es gegen die Republik Kongo in Le Mans vor dem Rückflug in das ärmste und isolierteste Land der Welt wieder ein torloses Unentschieden. Im Gegensatz zu millionenschweren Weltstars wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Franck Ribéry, die mit Argentinien, Portugal und Frankreich noch um die WM-Teilnahme zittern müssen, haben die Nobody-Fußballer aus dem «Reich des Bösen» ihr WM-Ticket in der Tasche.
Bis auf tolle Laufarbeit und Kondition zeigten die Männer, die in der FIFA-Rangliste nur auf Platz 90 rangieren, nicht viel, wovor sich Brasilien oder das Team von Bundestrainer Joachim Löw fürchten müssten. Beobachter sind aber davon überzeugt, dass die Nordkoreaner mit den Nullnummern zum Weltfrieden beitragen - mehr jedenfalls als ihre in der Atompolitik säbelrasselnde Regierung. Der «Ball beschleunigt die Annäherung», weiß Pascal Boniface, Leiter des französischen Instituts für Internationale und Strategische Beziehungen (IRIS). «Diese Qualifikation (für die WM) ist eine große Chance. Das Regime wird versuchen, den Erfolg des Teams für den eigenen Ruhm auszunutzen (..) aber die Nordkoreaner werden sehen, dass es eine andere Welt gibt», so Boniface zur Zeitung «Le Monde».
Im fast leeren «Stade Léon-Bollée» zeigten die nordkoreanischen Fußballer gegen Kongo vor nur 450 Zuschauern, dass «eine Diktatur», wie die Zeitung «Ouest-France» schrieb, auch im Sport «ihre Spuren hinterlässt - im Geist so wie im Körper». So stramm sie beim Abspielen der Landeshymne standen, so übertrieben diszipliniert («wie Bleisoldaten», so «Ouest-France») agierten die Nordkoreaner auf dem Feld. Schnelles Abspiel, eine konzentrierte Abwehr, kein unnötiger Firlefanz, aber auch kaum Kreativität. Coach Kim Jong Hun war dennoch zufrieden. Das Spiel sei wichtig für die Zukunft gewesen. «Wir haben für die nächsten Spiele viel gelernt. Und wir hatten unsere zwei besten Stürmer nicht dabei», sagte er.
Den Rückflug treten die Nordkoreaner mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck an. Nicht nur, weil sie erstmals gegen Europäer oder Afrikaner spielen durften. Auch TV-Kameras und die westliche Küche versetzten die Männer aus dem Land ohne PC oder Handys in Erstaunen. Coach Kim hat große Ziele. «Ich hoffe, dass wir (bei der WM) besser abschneiden als 66», sagte er in Anspielung auf England 1966, als Nordkorea mit dem 1:0 über Italien die wohl größte Sensation aller WM-Turniere schaffte und erst im Viertelfinale gegen Portugal (3:5) ausschied. Nun wollen die Spieler um Kapitän Nam Song-chol höher fliegen als die Pferde der koreanischen Sagenwelt - allein schon deshalb, weil die Elf von 1966 nach dem Ausscheiden angeblich komplett in ein Arbeitslager gesteckt wurde. «Die Fußballer sind aber noch Lieblinge des Regimes», weiß Korea-Experte Pierre Rigoulot.
dpa
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Marco Reich: Früher war ich ein großer Fan von Mönchengladbach. Doch da hatte ich noch keine Ahnung vom Fußball.
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