Freitag, 24. November 2006 / 14:01 Uhr
Paris - Ein französischer Polizist hat einen Fußball-Fan des Erstligisten Paris St. Germain bei massiven Auseinandersetzungen mit rassistischem Hintergrund nach dem UEFA-Pokalspiel gegen Hapoel Tel Aviv (2:4) erschossen.
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Einen zweiten Anhänger verletzte er schwer. Nach Angaben der Polizei wollte der Beamte einem jüdischen Fan zu Hilfe kommen, der von etwa 150 gewaltbereiten PSG- Anhängern bedroht wurde. Als der schwarze Polizist seinerseits - auch wegen seiner Hautfarbe - angegriffen wurde, versuchte er zuerst, sich mit Tränengas zu verteidigen und griff dann zu seiner Waffe. Ein Schuss traf einen 24-jährigen PSG-Anhänger tödlich. Ein 26 Jahre alter Fan wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Polizeigewerkschaften sprachen von «legitimer Selbstverteidigung».
Französische Fußball-Fans radalieren im Juli auf der Champs Elysees.
Etwa 100 Personen hätten rassistische und antisemitische Parolen wie «dreckiger Jude» und «dreckiger Neger» geschrien, berichtete der Pariser Staatsanwalt Jean-Claude Marin. Der von ihnen verfolgte 23- jährige Fußball-Fan sei von dem Polizisten aufgefordert worden, hinter ihm in Deckung zu gehen, während die Menge den Hitler-Gruß gezeigt und den rechtsextremen Ruf «Le Pen Präsident» skandiert habe.
Der Todesfall löste in Frankreichs Sportwelt und Politik Entsetzen aus. Innenminister Nicolas Sarkozy sagte zu dem «dramatischen Vorfall», der von der französischen Antillen-Insel Martinique stammende Schütze habe sich wiederholt als Polizist zu erkennen gegeben. «Ein Aggressor hat ihm dann einen Schlag gegen die Schläfe versetzt, ein zweiter in den Unterleib getreten, und er ist zu Boden gegangen.» Er habe seine Waffe erst gezückt, nachdem er den Umstehenden zugeschrien habe, dass er Polizist sei. Die näheren Umstände waren auch Sarkozy noch unklar.
«Das war ein Schuss aus Verzweiflung», teilte dazu die Polizeigewerkschaft Alliance mit. «Er ist von 150 aufgeheizten Typen angegangen worden, und wenn er nicht geschossen hätte, wäre er dabei draufgegangen.» Der Gewerkschaftschef Frédéric Lagache betonte, mit dem Tränengas habe der Mann sich nicht aus der Affäre ziehen können. «Er hat dann Angst um sein Leben gehabt.» Der Schütze hatte sich vor der erregten Menge in einen Schnellimbiss flüchten müssen.
«Das ist ein Bulle» und «dreckiger Neger» schrien die Angreifer, berichtete der Journalist und Augenzeuge Philippe Broussard von dem Magazin «L'Express». «Dutzende von Personen stürmten auf ihn ein und wollten ihn wegen seiner Hautfarbe angreifen», erklärte Broussard zur Frage, ob dies Notwehr in den «Minuten extremer Gewalt» gewesen sei.
Der Todesschütze ist in Polizeigewahrsam. Auch von acht Pariser Hooligans, die noch am Abend festgenommen worden waren, hielt die Polizei am Freitag noch fünf wegen «rassistischer und antisemitischer Beleidigungen» fest, teilte die Pariser Polizeipräfektur mit.
Die Polizei hat eine interne Untersuchung eingeleitet. Anhänger des Pariser Clubs sind als gewalttätig bekannt. Es kommt rund um das Prinzenpark-Stadion im Pariser Westen immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen unter Fans, vor allem bei Spielen gegen den «Erzfeind» Olympique Marseille. Sportminister Jean-François Lamour bedauerte das «Klima der Gewalt und Spannungen», das bei manchen Spielen herrsche, und das dramatische Folgen haben könne.
dpa
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