Freitag, 4. Dezember 2009 / 19:04 Uhr
Bochum - Erster Schiedsrichter unter Verdacht, neuer Haftbefehl gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher und eine weitere Spielerentlassung: Der Wettskandal zieht immer weitere Kreise und hat erstmals direkte Auswirkungen auf den Spielbetrieb.
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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nahm eine Schiedsrichter-Umbesetzung in der 3. Liga vor, weil der für die Partie VfL Osnabrück gegen Wacker Burghausen eingeteilte Assistent Thorben Siewer nach DFB-Informationen «namentlich in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bochum zu möglichen Spielmanipulationen in Deutschland auftauchen soll». Der 22-Jährige wurde vom Schiedsrichter-Ausschuss des DFB durch Christof Günsch ersetzt.
«Es handelt sich dabei um eine rein vorsorgliche Maßnahme des Verbandes auch zum Schutze des Schiedsrichters selbst. Derzeit haben wir nur unsere eigenen Ermittlungsergebnisse. Wir erwarten zeitnah Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft in Bochum und dann werden wir den Sachverhalt lückenlos aufklären und exakt bewerten können. Solange dies nicht geschehen ist, gilt für Herrn Siewer natürlich die Unschuldsvermutung», sagte der für Schiedsrichter zuständige Vizepräsident Rainer Koch in einer DFB-Pressemitteilung.
Unterdessen ist gegen einen der Verdächtigen im Wettskandal nach Angaben seines Anwalts ein neuer Haftbefehl erlassen worden. Dem seit mehr als zwei Wochen in Untersuchungshaft sitzenden Deniz C. wird in 13 Fällen die Mitwirkung am Wettbetrug sowie einfache Erpressung vorgeworfen. Das sagte Rechtsanwalt Burkhard Benecken aus Marl der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der alte Haftbefehl mit acht Betrugsfällen und dem Vorwurf des erpresserischen Menschenraubs sei fallengelassen worden.
Unter den im neuen Haftbefehl aufgeführten fünf weiteren Partien, an deren Manipulation Deniz C. mitgewirkt haben soll, sei weiterhin kein Spiel in Deutschland, sagte Benecken. «Er soll selber nicht manipuliert haben, sondern Gelder zur Verfügung gestellt und auch gewettet haben in Kenntnis des Umstandes, dass die Spiele manipuliert gewesen seien», erklärte der Rechtsanwalt.
In Deutschland hat sich die Zahl der im Zuge des Wettskandals in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft seit den Festnahmen Mitte November nicht verändert. «Es sind derzeit 15 Personen aufgrund von deutschen Haftbefehlen in Haft», bestätigte Behördensprecher Bernd Bienioßek der dpa. Bislang sei noch kein Haftprüfungstermin durchgeführt worden, sagte er.
Der Sechstligist FC Gütersloh hat sich derweil von einem unter Verdacht stehenden Spieler getrennt. «Er ist im Visier der Staatsanwaltschaft. Es galt, einen Schaden vom Verein fernzuhalten», sagte ein Sprecher der Ostwestfalen der dpa. Die Auflösung des Vertrags sei in beiderseitigem Einvernehmen geschehen. Der Spieler, der nach Angaben des Clubs Geschäftsführer in einem Bielefelder Wettbüro ist, hat eine Beteiligung an dem Wettskandal bestritten.
Der Verler Regionalligaspieler Tim Hagedorn darf auch nach seiner Unschuldsbeteuerung nicht am Training und den Spielen seines Clubs teilnehmen. «Wir bleiben bei der Beurlaubung», sagte SC-Präsident Peter Mankartz. Der suspendierte Hagedorn hatte zuvor nach Angaben seines Anwalts bei den Ermittlungsbehörden eine Beteiligung an Manipulationen bestritten. Eine Kündigung seitens des Vereins ist auch für den anderen suspendierten Verler Patrick Neumann noch nicht ausgesprochen. Neumann hatte nach Angaben seines Anwalts zugegeben, 500 Euro für manipulierte Spiele angenommen zu haben.
Thomas Reichenberger vom VfL Osnabrück, der jegliche Beteiligung an Manipulationen öffentlich vor einem Heimspiel bestritten hatte, wurde von einem der mutmaßlichen Drahtzieher entlastet. «Die Ehrenerklärung, die Thomas Reichenberger vor dem Drittligaspiel am 21. November im Stadion des VfL Osnabrück vor den Fans und vor der gesamten Öffentlichkeit abgegeben hat, ist richtig», ließ ein 34- Jähriger aus Lohne, der in Untersuchungshaft in Köln einsitzt, über seine Rechtsanwälte erklären.
Der Haftbefehl gegen den Verdächtigen aus Lohne wurde laut seines Anwalts Meggers erlassen, weil er den Osnabrücker Profi Reichenberger und Marcel Schuon 25 000 Euro für die Manipulation des Spiels gegen den 1. FC Nürnberg am 13. Mai 2009 geboten haben soll. Schuon hat seine Verwicklung in den Wettskandal gestanden und war von seinem neuen Club SV Sandhausen am Montag entlassen worden.
dpa
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