Mittwoch, 29. November 2006 / 11:55 Uhr
Hamburg - Vier Monate nach der in Sachen Friedlichkeit und Miteinander beispielhaften Weltmeisterschaft häufen sich nicht nur in Deutschland die gewalttätigen Ausschreitungen und rassistischen Parolen rund um den Fußball.
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Auch jenseits der Grenzen - besonders in Frankreich, Griechenland und Italien - zeigt sich im Alltag vermehrt die hässliche Seite des Massensports. Einen traurigen Höhepunkt erreichten die Ausschreitungen vergangene Woche in Paris, wo ein schwarzer Polizist in Bedrängnis einen gewaltbereiten Fan erschoss.
Vor dem Spiel Levski Sofia - Werder Bremen kommt es zu Ärger zwischen der Polizei und Levski-Fans.
Ganz andere Nachrichten kommen aus England, wo die Hooliganszene vor Jahren kaum Grenzen der Gewalt kannte. Rassistische Zwischenfälle spielen inzwischen keine Rolle mehr. Grund: Der englische Fußball- Verband und die Vereine verfolgen eine harte «Null-Toleranz»-Politik. Zudem geht es England wirtschaftlich besser, die Arbeitslosenquote ist in den vergangenen Jahren rapide gesunken. In breit angelegten Kampagnen wird Gewalt und Rassismus bekämpft. In den Stadionheften und auf den Anzeigetafeln werden die Zuschauer aufgefordert, aggressive oder beleidigende Zwischenrufe zu melden. Dazu ist eine kostenlose Telefon-Hotline geschaltet. «Let's kick racism out of football» ist im Internet zu finden unter www.kickitout.org.
Zusätzlich warnen auch die Vereine. Der FC Arsenal schreibt: «Wir tolerieren keine Beschimpfungen und rassistische Rufe in unserem Stadion. Egal ob Arsenal-Anhänger oder Gäste-Fans, wir schreiten ein - notfalls auch mit Klagen vor Gericht - um dieses inakzeptable Verhalten auszurotten.» Tätern wird in Schnellverfahren der Prozess gemacht. Neben Geldstrafen wird in der Regel ein langes Stadionverbot verhängt. 4000 Hooligans sind polizeilich erfasst und müssen bei Länderspielen den Reisepass abgeben.
Außer Kontrolle geraten scheinen die Vorfälle in Griechenland zu sein, wo es seit Beginn der Meisterschaft der neu gegründeten Superliga jedes Wochenende Krawalle gibt. Wie aus Italien werden aus Polen, Tschechien und sogar Österreich Auseinandersetzungen von so genannten Fans gemeldet. Im Land des Weltmeisters, wo Fanprojekte ein Fremdwort sind, ist die Situation prekär. Randale und Rassismus sind Alltag im italienischen Fußball. Kaum ein Spieltag vergeht ohne Zwischenfälle. Prügeleien unter rivalisierenden Fangruppen sind vor allem in den unteren Ligen im Süden des Landes an der Tagesordnung.
Erst- und Zweitligaspiele werden mit einem Großaufgebot an Polizei begleitet, um Ausschreitungen zu verhindern. «Ultras» nennen sich die treuesten Fans. Die meisten bleiben friedlich. Das Problem ist, dass die «Ultras» fast in allen Clubs von gewaltbereiten Randalierern und politischen Scharfmachern unterwandert sind. Sogar Top-Clubs wie Lazio Rom erscheinen wie hilflose Geiseln ihrer eigenen Fans.
Die Regierung hat reagiert und die Gesetze verschärft: Sobald Zuschauer rassistische oder faschistische Aktionen starten, kann der Polizeichef im Stadion das Spiel abbrechen. Alle Arenen werden Video- überwacht. Scharfe Zugangskontrollen sollen das Hereinschmuggeln von Waffen, Feuerwerkskörpern und verbotenen Spruchbändern verhindern. Was jedoch fehlt, sind vorbeugende Fan-Projekte.
In Frankreich sind Hooligans im Profi-Fußball nur bei Paris St. Germain ein Problem. Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy hat ein hartes Vorgehen gegen gewaltbereite Fans sowie eine Ausweitung von Stadionverboten gegen St.-Germain-Anhänger angekündigt. Mitglieder von Fanclubs des Hauptstadtvereins, die kein Bekenntnis gegen Rassismus und Gewalt ablegen, sollen vom kommenden Wochenende an keinen Zutritt zu den Stadien mehr erhalten. Doch ebenso wie in Deutschland hat sich das Problem aus den Video-überwachten, modernen Arenen, wo die Eintrittspreise immer teurer werden, vor allem in die unteren Ligen verlagert. So werden pro Jahr 40 französische Schiedsrichter körperlich angegriffen.
dpa
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